Geduld

Mein Sohn braucht jetzt keine Nachtwache mehr, endlich. Denn damit erfüllt der Junge die Voraussetzungen zur Aufnahme in Reha-Klinik. Gailingen wird es sein wie schon erwähnt, das Hegau-Jugendwerk. Am Donnerstag sollte er abreisen, „Perfekt,“ rief am Telefon, „einfach perfekt!“ Er freute sich so.

Aber dann war dem Oberarzt aufgefallen, dass der gebrochene rechte Zeigefinger noch immer geschwollen ist und gekrümmt. Die Hand ist bis zum Unterarm in Schienen, um das Gelenk ruhig zu stellen, denn operiert hatte man nicht. Solche Brüche heilen in der Regel von selbst, hatte es geheißen. „Wurde zur Kontrolle eine Röntgenaufnahme gemacht?“ fragte er die andern Ärzte. „Nein.“ „Warum nicht?“ Warum nicht, wusste niemand, und es entstand Unruhe. Also wurde geröntgt, und jetzt wissen wir, dass der Knochen keineswegs zusammen gewachsen ist. Er muss operiert werden.

Wenn man einen langen Tag Zeit hat darüber nachzudenken, wie gern man an einem Ort wäre, wo man Sachen zum Beispiel Sport machen kann, wo es Therapien gibt, womöglich ein eigenes Zimmer und sein Freund in der Nähe – wenn man einen Abreisetermin als Ziel hat und nichts, sich davon abzulenken, und dann verschiebt sich das Datum: Das ist hart. Sein Vater war bei ihm, sprach mit den Ärzten und musste es ihm dann sagen. Der Junge war zerstört.

Er wird morgen operiert, ein kleiner Eingriff von einer halben Stunde, und mit viel Glück kann er am Samstag in die Reha.

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