Weiter warten

Es will kein Ende nehmen mit den Geduldsproben. Mein Sohn ist nun wieder fit, um in die Reha zu gehen, aber der für ihn vorgesehene Platz dort ist weg. Erst nächsten Dienstag wird jemand entlassen, und das ist der neue Stichtag. Das Schöne daran: Sein Freund wird am selben Tag ankommen. Dann wird ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Seine Schwester ist wieder einmal zur Höchstform aufgelaufen mit ihren Suggestivmethoden. Fast scheint es, als gäbe es für den Jungen wenig Schöneres, als ein weiteres Wochenende im Krankenhaus zu verbringen. Welche Gründe sie diesmal vorbrachte, hab ich vergessen, aber er klang am Telefon gefasst, als wir über den Aufschub redeten. Seine Stimme verändert sich immer noch. Sie klingt jetzt tiefer, ein bisschen knödelig noch und es schwingt etwas mit, das ich nicht kenne. Wo ist das Jungenhafte geblieben? Ernst und konzentriert formt er seine Sätze, als suche er sorgfältig  nach jedem Wort. Vielleicht sind es die Tabletten.

Vom Fahrer des Audis, der den Unfall verursacht hat, kam vor kurzem ein Brief. Mit zittriger Schrift schrieb er nieder, wie Leid es ihm tut, und wie sehr er sich wünscht, dass die Jungs wieder gesund werden. Mir steht es nicht an zu verurteilen oder zu vergeben. Er leidet vielleicht mehr als wir, und wird noch lange leiden. Nichts würde er lieber tun, als alles rückgängig zu machen, wenn er es könnte. Ich möchte nicht an seiner Stelle sein.

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