Licht am Ende des Tunnels

Zum ersten Mal seit fast zwei Monaten gab es ein paar Tage Pause in diesem Blog. Grund waren/sind Computerprobleme, aber es gibt auch nicht mehr so viel zu erzählen. Marco hat fühlt sich ganz wohl in der Reha-Klinik. Am Telefon klingt er gut gelaunt, manchmal ein wenig aufgekratzt durch das, was er hier erlebt. Gestern vor allem, als er nach Ulm gebracht worden war für Untersuchungen. Dort gab es grünes Licht für weitere Therapien, denn man kann nun damit beginnen, sein Becken zu belasten. Schritt für Schritt natürlich, doch für ihn bedeutet das die Aussicht auf mehr Selbständigkeit.

Zum Beispiel rückt sein Traum näher, bald ohne Hilfe duschen zu können. Im Moment geht das noch nicht, denn er kann nicht stehen. Auch ist sein linker Arm in Schienen und muss als Schutz vor dem Wasser „eingetütet“ werden. Mit einem Müllsack macht man das, der wird drübergestülpt und am Oberarm mit Klebband befestigt. Aber auch diese Schiene soll bald verschwinden, nächsten Dienstag – wieder in Ulm – wird man aus dem Arm Nägel, Platten, was immer halt drin ist, entfernen. Bis dahin kann er mit dem rechten Bein vielleicht schon etwas anfangen, denn die Therapie zum Muskelaufbau begann heute.

Marco giert danach, dass etwas getan wird mit seinem Körper. Er will beweglich werden, Kraft bekommen, und Schmerzen stören ihn nicht. Er spürt,  dass es voran geht.

4 Gedanken zu „Licht am Ende des Tunnels

  1. Karin

    Liebe Ahora, durch Zufall bin ich auf diese Berichte gestoßen und in mir ploppten all die Erinnerungen an den schlimmen Radunfall meines Mannes im Altmühltal 1990 hoch. Niemand war an seinem Unfall schuld, er ist in einer steilen Kurve aus der Bahn getragen worden und die vielen Knochenbrüche, die zerstochene Lunge, die Rippenbrüche alles heilte verhältnismäßig schnell; er lag anfänglich in Ingolstadt auf der Intensiv ,die schlimme Gehirnerschütterung hatte eine fast halbjährige Amnesie zur Folge, das Kurszeitgedächtnis fiel fast aus. Auch er kam nach Gailingen zur Reha und fand danach wieder ins normale Leben zurück, wobei die Erinnerungen an seine Arbeit ganz schnell kamen, aus unserer Vergangenheit hat er die meisten Dinge fast ganz vergessen und ich mußte sie in mühsamer jahrelanger Kleinarbeit wieder in seine Erinnerung holen. An den Unfall konnte er sich nie wieder erinnern.
    Die Hilflosigkeit und die Angst davor, wie dieses Durchgangssyndrom ausgeht, das konnte uns kein Arzt sagen, weil sie darauf auch keinen Einfluß haben, da greifen scheinbar nur die Selbstheilungskräfte, war schlimm. Mein Mann war nach dem Unfall ein anderer, der Körper funktionierte zwar wieder voll, aber etwas veränderte ihn, über das er nicht sprach.
    Ich hoffe, Dein Sohn hat alles inzwischen gut überstanden , ich habe nicht weiter gelesen.
    Mit einem lieben nachträglich mitfühlenden Gruß, Karin

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    1. Anhora Autor

      Liebe Karin, herzlichen Dank dafür, dass du hier deine/eure Erfahrungen schilderst. Dein Mann hat also auch Kopfverletzungen gehabt, und ich kann bestätigen was du sagst. Auch mein Sohn war danach ein anderer. Er ist leider nicht mehr ganz gesund geworden und es ist für ihn sehr schwer, das zu akzeptieren.
      Manchmal wünsche ich mir den Jungen zurück, der er vorher war …
      Aber dann fallen mir auch diese Monate nach dem Unfall ein. Wie überglücklich wir waren, dass er noch lebte, wie dankbar für jeden kleinen Fortschritt. Bis heute begleitet mich diese Dankbarkeit, auch wenn es manchmal so weh tut, dass er kein normales Leben hat.
      Ich wünsche dir und natürlich deinem Mann, dass ihr das Leben so annehmen könnt, wie es nun einmal geworden ist. Ich hoffe, es ist für euch nicht zu belastend.
      Alles Liebe, Anhora

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      1. Karin

        Liebe Ahora, mein Mann wurde 10 Jahre nach diesem Unfall an einem Aneurysma an der Herzaorta in eine 6-stündigen OP operiert; das Aneurysman hatte sich nach dem Sturz als Spätfolge gebildet. Auch das überlebte er gut und durfte 14 Jahre weiterleben, bis er mir vor 4 Jahren innerhalb einer Sekunde nach seinem 75. Geburtstag am Eßtisch verstarb. Bei ihm gab es zum Glück außer der Wesensveränderung keine anderen gesundheitlichen Einschränkungen außer dass er Macumarpatient wurde, insofern war unser Zusammenleben fast „normal“ .
        Für einen so jungen Menschen ist so ein Schicksal schwerer zu verkraften und es tut mir für Deinen Sohn unendlich leid, daß er sein Leben mit diesen Beeinträchtigungen meistern muß. Immer nur Stärke zeigen zu müssen, erfordert viel Kraft…für beide Seiten.
        Ich denke an Euch und wünsche Euch nur ganz viel Zuversicht und Kraft. Das Schicksal kann manchmal schrecklich grausam sein. Mit herzlichen Grüßen, Karin

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        1. Anhora Autor

          Liebe Karin, das ist ja fürchterlich, einen Menschen so unvorbereitet zu verlieren. Ich weiß gar nicht, wie man so etwas verarbeitet, nach einem so langen Zusammenleben, wie traurig. Ich wünsche dir sehr, dass es dir (wieder) gut geht.
          Ja, für einen jungen Menschen ist das ewige Zaudern mit dem vom Schicksal Vorgegebene sehr kräftezehrend. Mein Sohn ist jetzt 30 Jahre alt, vor 10 Jahren ist es passiert. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass er seinen Platz im Leben finden wird, und dass es dann gut ist für ihn. Er wird das schaffen, er ist ein Kämpfer.
          🙂

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