Sommer in der Stadt

Das erste Mal seit Pfingsten, glaube ich, haben wir dieses Wochenende keine „Einsatzpläne“. Wir holten meinen Sohn schon gestern Nachmittag aus der Reha-Klinik ab und saßen dann bei ihm und seinem Vater auf der Terrasse. Ich erfuhr alles Neue des Tages, er führte seinen Rollator vor, der nun den Rollstuhl ersetzt. So ähnlich sieht das aus. Da er sich auf seine Hände noch nicht aufstützen kann, liegen die Unterarme in Schienen. Ein paarmal ging er im Kreis damit und zeigte uns, wie er damit sogar Stufen überwinden kann. Ich blieb, bis seine Freundin eintraf, und das Wochenende gehörte danach – uns.

Am Abend saßen wir draußen im Irish Pub und aßen Fish & Chips, tranken Rotwein, redeten und sahen den Menschen nach. Die Hitze des Tages steckte noch in den Mauern, junge Leute standen in kleinen und größeren Gruppen herum, niemand wollte in den Häusern sein. Bei weit offenem Fenster kämmte im ersten Stock nicht weit von uns eine Frau vor dem Spiegel ihr Haar, ein Mädchen in rot kariertem Kleid stöckelte mit einem Drink in der Hand vor dem Pub hin und her, ihr Gang nicht mehr ganz sicher, die Augen verstohlen bei den Jungs weiter drüben. Dort Gejohle und Gelächter, ein junger Mann mit Hut und Sonnenbrille schlenderte die Gasse herauf. Sehr cool. Nächstes Jahr, dachte ich, ist mein Junge wieder dabei. Trifft sich hier oder woanders mit Freunden und genießt die Sommernächte wie immer. Man wird nicht mehr merken, was er dieses Jahr durchstehen musste.

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