National Art Gallery (Trafalgar Square, London)

Als Schwabe besucht man England’s Museen besonders gern. Sie kosten nämlich nix, und selbst die National Art Gallery in London ist keine Ausnahme, eins der bedeutendsten Kunstmuseen, die es gibt. Man spendet in der Regel drei GBP, ist aber kein Muss. Wir gaben es trotzdem, denn was man zu sehen bekommt, ist Weltklasse.

Die Wände in den Räumen hüllen uns ein mit warmen Gold- und Rottönen, Holz-Verzierungen und Stuck schmücken Decken und Kanten, ganz anders als manche sterilen Museen in  Deutschland. Wir finden Bilder, die noch vor zwei Jahren in den Räumen von Ives Saint Lauren hingen und nach seinem Tod versteigert wurden. Noch nie wanderte eine private Kunstsammlung für so viel Geld (370 Mio EUR) in den Einkaufstaschen von Museen und Sammlern. Ein halbes Leben lang haben Ives Saint Laurent und sein Lebensgefährte Bilder, Skulpturen und Gegenstände zusammengetragen, etwa zwanzig Gemälde sind nun in der National Art Gallery gelandet.


Was wir sehen, sind Bilder aus dem 17. Jahrhundert, religiöse Szenen, aber auch andere Motive, ein Kardinal in rotem Gewand auf einem gut drei Meter hohen Bild schaut grimmig auf die Besucher des  kleinen Saals nieder, der ausschließlich aus der Sammlung von Ives Saint Laurent zeigt.

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Die Hinrichtung von Lady Jane Grey (Paul Delaroche)

Vor diesem Bild bleibe ich lange stehen. Lady Grey lebte im 16. Jahrhundert und war wenige Tage lang die Königin von England. Sie starb wegen angeblichen Hochverrats und auch weil die Protestantin sich weigerte, zum katholischen Glauben zu konvertieren.   Die „Neun-Tage-Königin“ wurde nur 16 Jahre alt. Das Gemälde zeigt ein entrücktes Mädchen kurz vor seiner Enthauptung.

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Mehr über das Bild

Kienholz – Die Hoerengracht

Wir haben die Hoerengracht letztes Jahr besucht, das heißt vorbeigehuscht sind wir an schäbigen Häusern, dralle Frauen in schmalen Schaufenstern links liegen lassend,  als sähen wir ihr Herabgesunkensein nicht. Normale Leute sollten nicht ihre Erinnerung ans Leben da draußen beschwören, zu dem sie doch nicht gehören. Wir hasteten vorbei.

Den Amsterdamer Strich hat das amerikanische Ehepaar Kienholz nachgebaut, die Installation wird zurzeit in der National Art Gallery gezeigt. Ich sehe mich um, andere Besucher gaffen auch in die Fenster hinein, es ist ja Kunst. Wir betrachten neugierig, was zuvor nur unsere Augenwinkel eingefangen hatten: Die Frauen, die Enge, viel Rot, viel Dunkel, Sex im Angebot. Ich blicke in die Gesichter, auf die Blöße, die schäbigen Einrichtungen. Was ich sehe, ist Freudlosigkeit. Ich wüsste gern, ob Prostituierte sich freiwillig für ihren Beruf entscheiden, dann wäre es in Ordnung. Aber so sehen diese Frauen nicht aus. Frivoler sind die Figuren auf den Ölgemelden niederländischer alter Meister im Vorraum, obwohl jede davon vollständig bekleidet erscheint!

Video Hoerengracht

Artikel mit Fotogallerie

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Das sahen wir auf dem Trafalgar Square, als wir vor dem Museum standen:

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Und das, als wir es ein paar Stunden später  wieder verließen: Schneetreiben!

Mehr zum Museum (deutsch)

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