Pudding und Schneematsch

Warum schreien die Engländer so, wenn sie zum Essen oder in ein Pub gehen? Laut war es. Wir saßen mit B.‘s Mutter, seiner Schwägerin und seiner kleinen Nichte im Restaurant und riefen einander zu, was wir mitzuteilen hatten. Aber das Essen war gut. Übrigens:  Yorkshire Pudding ist überhaupt kein Pudding. Sondern ein bierdeckelgroßer Pfannkuchen, ein paar Zentimeter hoch und harmlos. Nicht wie Black Pudding, der zum englischen Frühstück gehört. In Erwartung von Schokoladenem hatte ich einst ein „Full English Breakfast“ bestellt, und auf meinem Teller lagen dann zwei große Scheiben Schwarzwurst…

Wenn ein Liverpooler redet, klingt es, als werde immerzu eine Frage gestellt. Am Ende eines Satzes heben sie den Ton nämlich leicht an, anstatt ihn wie der Rest der Welt abzusenken und so durch die Sprachmelodie auszudrücken, dass der Satz zum Abschluss kommt.  In Liverpool bleibt das Gesprochene offen, als ob eine Antwort erwartet würde oder gleich ein Nachtrag folgte. Der Dialekt heißt Scouse und ist nichts für Anfänger. Das Mädchen berichtete, dass es ein paar Tage Ferien gegeben hatte wegen des Schneefalls, doch ich erriet nur ungefähr den Zusammenhang. Die Schule ist jedenfalls wieder geöffnet. Vorerst muss sie keine Schuluniform tragen, sondern darf in den eigenen, warmen Kleidern erscheinen. Ich betrachtete ihre dünnen Leggings, den kurzen Rock darüber und das noch kürzere Mäntelchen neben ihr. Vielleicht hab ich das falsch verstanden. Oder sie hat sich umgezogen.

Bei Roastbeef und Parsnips versuchte ich zu erfahren, warum manche Schulen immer noch geschlossen sind, warum nicht alle Busse fahren und warum die violetten Müllcontainer an den Straßenrändern nicht geleert werden. In einem Land, in dem Winterreifen unbekannt sind, bedeutet Schnee Notstand, das versteh ich, aber hier liegt kein Schnee! Zumindest nicht auf den Straßen. Liegt es an den vereisten Gehwegen? Schneeschaufeln und Streusalz kennt man nicht, Streupflicht auch nicht und B. Mutter verließ heute zum ersten Mal seit Weihnachten ihre Wohnung. Warum ist das so? Die Antwort der Runde ist Achselzucken. Es schneie selten in England, man habe wenig Erfahrung.

Auf dem Weg vom Restaurant zurück zum Parkplatz gehen wir auf der Straße, weil dort kein Schnee liegt. Die kleine, hagere alte Dame eingehakt zwischen mir und ihrer Enkelin, fast tragen wir sie. „Oh my Dear“, ruft sie wie eine Lady mit schönstem Londoner Akzent  – in Liverpool lebt sie erst seit ein paar Jahren –  „it‘s not nice to walk, isn’t it?“

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