Geschichte und Geschichten

Wo Maria Stuart einst der Kopf abgeschlagen wurde, saßen wir vor ein paar Tagen auf einer Bank und aßen Sandwiches. Lady Grey starb ebenfalls auf diesem Gelände, nach neun Tagen als Königin von England, ein 16jähriges Mädchen. Geschmeckt hat’s trotzdem.

Wir sahen uns also den Tower an, den ich immer für ein Gefängnis gehalten hatte. Falsch. Es handelt sich um einen turmartigen Palast, und nur die unteren Stockwerke dienten als Verlies für zahllose Hochverräter, was bei Bedarf zweifelsfrei nachgewiesen wurde in der Folterkammer.

Das Beste aber war die Schatzkammer. Vor den hochgesicherten Vitrinen mit den Kronjuwelen darf man nämlich nicht stehenbleiben. Der gelernte Tourist hat sich auf einem Laufband einzureihen und wird an Kronen, Zeptern, Reichsäpfeln und Schwertern vorbei transportiert wie Flaschen bei der Abfüllung. Es bleibt genug Zeit, um entweder in Ruhe die Erläuterungen zu lesen oder vor einigen der größten Diamanten der Welt zu erstarren. Beides zusammen geht nicht. Hat man sich informiert, was da vor einem funkelt, entfleuchen die millionenschweren Thronbeigaben auch schon aus dem Blickfeld und die nächste Vitrine taucht auf. Tipp: an Werktagen gibt es vormittags noch keine Schlangen und man kann den ganzen Vorgang wiederholen.

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In der Waffenkammer die Rüstung von Henry III., dem alten Angeber! (siehe Lendenbereich)

Gebaut wurde der Tower und die Festung darum herum von einem Franzosen: Guillaume le Conquérant. Sein Bedürfnis nach dicken Mauern wird verständlich im Hinblick darauf, dass der Franzose König von England wurde: Wilhelm der Eroberer. Der Engländer an meiner Seite meinte dazu: „Wir erlaubten ihm hierzubleiben und ließen ihn den Tower errichten, ein wertvolles Stück Geschichte.“

Bei 17 GBP Eintritt pro Person profitiert das Land davon in der Tat bis heute.

2 Gedanken zu „Geschichte und Geschichten

  1. Anhora Autor

    Nach diesem Fußball-Ergebnis heute strahlen wir alle wie Kronjuwelen! 😉

    Ja, dieses Transportband war besucherfreundlich, man musste ja nur stehenbleiben. Nur blieb nicht genug Zeit, um die Informationsschilder zu lesen und danach die Juwelen zu bestaunen. Man hätte dazu unauffällig ein paar Schritte nach rechts machen müssen, doch da stand ja der nächste Besucher. Ich fand es einfach ulkig!

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  2. Hausfrau Hanna

    „…darf man nämlich nicht stehenbleiben.“

    Daran musste man sich halten, wie ich mich noch gut erinnere. Wartete man etwas länger vor einem der Krönchen, um funkelnde Details zu bewundern, ertönte die Stimme des Wärters. Ich war sehr irritiert, bis ich dann begriff, was er in regelmässigen Abständen rief: „Move… move… move…!“
    Die Idee mit dem Laufband finde ich doch glatt eine kundenfreundliche, bequeme Art der Besichtigung 😉

    Einen Tag – mindestens so strahlend wie ein Kronjuwel – wünscht dir
    Hausfrau Hanna

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