Rahmengedanken

Jeden Morgen gebe ich acht, die dicken schwarzen Käfer nicht zu überfahren. Sie krabbeln auf dem Radweg hin und her dort, wo er einerseits an einer Straße, andererseits an einem Maisfeld vorbei führt. Sonst sehe ich sie nirgendwo und ich frage mich immer, was die Attraktion sein könnte für die Tierchen. Gibt es Maiskäfer? Warum sind sie dann nicht im Feld?

Die Hitze liegt über dem Boden und riecht nach Kräutern und Heu, wenn sie beim Durchradeln aufstiebt. Bäume dagegen wehen kühl den Schweiß von der Haut. Deshalb fahre ich heute am Abend den Weg auf der anderen Straßenseite zurück, da ist es schattiger, und ich staune nicht schlecht: Dort, wo der Hain endet und die Sonne wieder übernimmt, sehe ich auf dem Boden mir bekannte schwarze dicke Käfer. Dabei gibt es hier kein Maisfeld, nur Wiese. Ich schaue über ein paar Büsche hinweg über die Straße – und auf der anderen Seite liegt das Maisfeld. Wer wandert hier wohin? Wandern sie überhaupt? Was lockt die Käfer an diese Stelle links und rechts einer stark befahrenen Straße?

Es ist gut, über solche Dinge nachzudenken. Sonst gäbe es ja nur Aufträge, Checklisten und Zeitdruck, ein Hecheln und Keuchen den ganzen Tag.

4 Gedanken zu „Rahmengedanken

  1. Anhora Autor

    Käfer werden von Genen und Instinkten geführt, genau wie wir Menschen. Darüber hinaus prägen uns aber auch Erziehung und Erfahrungen, dazu ein bisschen jeweilige Befindlichkeit und auf dieser Grundlage werden Entscheidungen getroffen. Ich benutze den Satz absichtlich im Passiv. Es ist wie eine Zugfahrt: Wir können uns links zum Fenster hinaus lehnen oder rechts, wir können in ein anderes Abteil gehen und dort andere Menschen treffen oder andere Dinge tun. Aber wir können den Zug nicht wechseln. Ich kann nicht mal aufhören, mir über das Gefangensein in einem Zug Gedanken zu machen, wenn es mir nicht gegeben ist, mit dem Gedanken machen aufhören zu können.

    Ich sträube mich nicht gegen den Zug, in dem ich mich befinde, es ist wie es ist. Ich hätte nur gern, dass er langsamer fährt. Wie ein Käferzug zum Beispiel, der tuckelt bestimmt gemütlich vor sich hin.

    Gefällt mir

    Antwort
  2. Bredenberg

    Wenn man von oben auf die schwarzen Käfer schaut, sieht es so aus, als tun sie das, was sie tun müssen. Ohne einen freien Willen.
    Wenn man von oben auf eine Menschenmenge schaut, sieht es so aus, als tun sie das, was sie tun müssen. Ebenfalls ohne freien Willen.
    Wenn man sich selbst betrachtet, glaubt man, sich entscheiden zu können zwischen diesem oder jenem Leben.
    Vermutlich geht es dem einzelnen Käfer ähnlich. Er glaubt, sich bei jedem Schritt entscheiden zu können.
    Welche Sichtweise richtig ist oder ob überhaupt eine richtig ist, weiß ich nicht.
    Bredenberg

    Gefällt mir

    Antwort
  3. Anhora Autor

    Auch wenn ich befürchte, dass es nicht so ist, so möchte ich doch glauben, dass diese Käfer nichts zu tun haben außer Futter suchen und einen sicheren Ort zum Rasten. So wie ein junger Storch stunden-/tage-/wochenlang nichts zu tun hat als im Nest zu warten, bis die Eltern kommen mit dem Essen.

    Ich möchte glauben, dass das Leben noch mehr bereit hält außer Hecheln und Keuchen!

    Gefällt mir

    Antwort

Das Absenden eines Kommentars gilt als Einverständnis dafür, dass Name, E-Mail- und IP-Adresse durch WordPress bzw. Gravatar gespeichert und verarbeitet werden. Dies dient der Nachverfolgbarkeit bei Missbrauch und Spam. Lasst euch trotzdem nicht abhalten, ich freue mich auf eure Meinungen! :-)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.