Willkommen uns, du Tag der Freude

Bin ein bisschen heiser heute. Kein Wunder, wenn man sich bei kühlem Regenwetter tagelang im Freien aufhält und gegen Trommeln, Fanfaren und Schlagermusik von Live-Bands anschreit. Aber was muss, das muss, und der Husten geht auch wieder weg. Wenn eine ganze Stadt sich selbst feiert und man lebt in diesem Flecken, dann ist das fast ein bisschen wie Fußball-Weltmeisterschaft. Na gut, der Umfang der Fangemeinde beschränkt sich auf die Größe dieser Kleinstadt, doch patriotisch ist man hier auch: Du Perle in dem Schussental, sei mir gegrüßt viel tausendmal, viehiel tauuuseeendmaaal! (*hust*)

Dabei kann Heimatverbundenheit einzig eine Folge praktischer Überlegungen sein, z.B. wenn man nach dem Studium im Heimatort eine Arbeitsstelle angeboten bekommt, oder wenn Kinder geboren werden und die Verwandtschaft wichtig wird. Da sitzt man dann also und kann nicht anders, doch die Einbindung in eine vertraute Dorfgemeinschaft oder ins altbekannte Stadtleben hat einem Menschen, glaube ich, noch nie geschadet.

Also feiert man mit: Jahr für Jahr ein Fest für die ganze Stadt. Erinnerungen werden zusammen getragen, die als Grundschüler beginnen mit den verschiedenen Kostümen, die beim historischen Umzug jeweils getragen wurden. Dann folgt das Feiern auf Plätzen und in Biergärten, das Wiedersehen von alten Bekannten, die Trommeln, Pfeifen und Dudelsäcke, Spiele für die Kinder, Schülertheater, Zielschießen auf Wappen, Türme und Adler, das Kopfschütteln wegen der konservativen Gymnasien, wo Mädchen nicht denselben Stellenwert haben in den Traditionen, auch das gehört zum Programm. Wie die heisere Stimme und der gedankenverlorene Blick heute morgen, als ich nach dem Spektakel wieder an den Schreibtisch zurück kehrte.


Rutenfest

3 Gedanken zu „Willkommen uns, du Tag der Freude

  1. Anhora Autor

    Ravensburg, richtig. Im Schussental. Es könnte aber ebenso gut Biberach sein und das Schützenfest, Friedrichshafens Seehasenfest oder das Seenachtfest in Konstanz. Es ist überall dasselbe: Eine Menge Tradition, eine Menge Leute, eine Menge Alkohol und Geschrei. Geschmacksache, ob man es mag oder nicht. In Ravensburg mögen es die meisten, weil einfach für jeden etwas dabei ist. Mir gefallen die Rituale und vor allem die Begeisterung der jungen Leute, das ist schon was in der heutigen Zeit.

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