Immer mit der Unruhe

Unkonzentriert saß ich gestern bei der Arbeit und brachte alles durcheinander. Um meine zitternden Nerven zu beruhigen, nahm ich etwas ein, rein pflanzlich, es half ein bisschen. Ich sah auf die Uhr, gegen Mittag wollten sie ankommen, er würde mich anrufen, versprach er am Abend zuvor. Gehört hatte ich nichts. Auf dem Mobiltelefon antwortete er nicht, auf dem Festnetz zu Hause auch nicht. Halb zwei.

Vor eineinhalb Jahren hätte ich nicht wissen müssen, um welche Uhrzeit er eintreffen würde. Heute kenne ich den Flugplan sowie die geplante Zeit für die Heimfahrt, und den ganzen Vormittag hatte ich mich gewehrt gegen das, was in meinem Kopf herumturnte. Bilder mit ihm auf dem Beifahrersitz, sein Freund am Steuer, wie damals. Diesmal ein neues Auto, sicherer als der Alfa, den es nicht mehr gibt. Bilder eines anderen Fahrers, der einen Fehler macht, wie damals. Aus allen Richtungen schossen Fahrzeuge in den Schirokko mit zwei Jungs auf dem Weg nach Hause. Heute könnte der Freund nicht einmal das Lenkrad herumreißen, sein rechter Arm blieb gelähmt seit dem Unfall. Wie man in diesem Zustand sicher fahren kann ohne Automatik oder Sonstiges – es ist mir ein Rätsel.

Halb drei. Ich versuchte es wieder auf sämtlichen Telefonen. Sein Mobiltelefon war jetzt ausgeschaltet. Meine Finger trommelten auf dem Schreibtisch herum, dann rief ich meine Tochter an. Auch sie hatte kein Lebenszeichen erhalten. Die Mutter des Freundes anrufen? Wahrscheinlich war sie bei der Arbeit. Ich versuchte es trotzdem, wählte die Nummer, es klingelte lange. Dann nahm sie ab. „Die Jungs? Ja, natürlich, die sitzen bei uns, sind gut angekommen.“

Dieser Affe.

Jedenfalls ist er da, nach drei Monaten in England. Der Sprachkurs half, er kann sich wieder besser konzentrieren. Nur die Stelle im Hirn, die einst für ein paar Gedanken an die Mutter zuständig war – die scheint noch nicht wieder im Einsatz zu sein.

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