Aufgegeben

Seit einem Jahr hält eine Pflanze durch, ohne gegossen zu werden. Sie lebt bei mir im Treppenhaus und besitzt noch ein einziges Blatt besitzt: klein, grün, weich. Bewerben wir uns fürs Guinness-Buch der Rekorde? Wer hätte gedacht, dass eine Amaryllis sich als solches Monstrum an Nicht-Loslassenkönnen zeigt. Schon im Herbst letzten Jahres sollte sie in feine, frische Erde kommen und bald wieder Wasser erhalten, nachdem ich im August das Gießen eingestellt hatte. Damit sie Kraft für die nächste Blüte schöpfen kann, sollte sie sich nämlich ein paar Wochen lang ausruhen und – in Pflanzenratgebern so nachzulesen – ihr Laub einziehen. Tat sie aber nicht. Trotzig blieb sie auch ohne Wasser im Saft wie ein kleines Mädchen, das nicht Schlafen gehen will. Als gäbe es sonst keinen nächsten Tag.

Auch bei Kindern lenkt man gelegentlich ein, selbst wenn sie nicht Recht haben, und bei der widerspenstigen Amaryllis gebe ich mich nun ebenfalls geschlagen. Mit dem Rest-Laub vom vorigen Jahr kommt sie in einen neuen Topf und wird wieder gegossen. Ich kann es nicht mehr mitansehn.


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2 Gedanken zu „Aufgegeben

  1. kaetheknobloch

    Ich kriege jetzt die Zeitabstände bei Ihnen nicht auf die Reihe, deshalb gebe ich den Erklärbär ganz von vorne:
    Jetzt ist die Hochzeit der Amaryllen, vorgetrieben kommt sie in den Handel. Kühl und hell mag sie stehen, dann blüht sie lange. Nach der Blüte kommen die Blätter, die auch reichlich sprießen dürfen. Im Frühjahr soll man reduziert gießen, dann gar nicht mehr. Blätter vergilben und wenn die Erde ganz trocken ist, am besten austopfen und trocken legen. Vor allem dunkel. Solange Licht an die Zwiebel kommt, treibt neues Grün für die Photosynthese. Also ab in den Keller oder in Papier einhüllen und kühl lagern.
    Im Herbst einmal richtig wässern und neu eintopfen. Hütchen basteln und auf die Knollenspitze legen, damit neue Blüten sich bilden. Regelmäßig Wasser geben, aber bitte nicht staunässen und ab auf die Fensterbank.
    Bei Ihrem Trotzköpfchen lag es wohl am Licht, zu hell, um in den Sommerschlaf zu sinken.

    Und noch ein Ästhetiktip: Die unansehnlichen vergilbenden Blätter kunstvoll verknoten, dann sehen sie während des Absterbens wenigstens aus wie eine Dekokugel…

    Ich hoffe sehr, neue Amaryllenliebe zu befleißigen, meine liebe Frau Anhora.
    Grüße vom Untermahorn, zu dessen kahlen Unterzweigen sich schon die Schneeglöckchen regen, ach und hach! Immer die Ihre.

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    1. Anhora Autor

      Liebe Frau Knobloch, tausend Dank für die Aufklärung und Tipps, nun wird die Sache klarer. Dass die Schöne keine Ruhepause wollte, lag also am Licht. Wo sie aber die Kraft hernahm, über ein halbes Jahr wenigstens teilweise grüne Blätter zu behalten, obwohl sie kein einziges Mal gegossen wurde in dieser Zeit – das wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Sie hat danach übrigens nie wieder geblüht und ging irgendwann ein. Jahre später … Wahrscheinlich hab ich alles falsch gemacht. 😦

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