Betrachtungswinkel

„Ich geh jedenfalls gern zur Arbeit“, versicherte kürzlich jemand. „Einen enormen Brocken haben wir an Land geholt, es rumpelt in der Kiste, wir bringen was voran.“ Gerne zur Arbeit gehen … immer wieder frage ich mich, ob die Zustände an meinem eigenen Arbeitsplatz diesen Unmut in mir auslösen, oder ob ich es selbst bin. Einen hektischen Beruf hat derjenige, der da gerne zur Arbeit geht, ja auch. Aber er redet über das, was gelungen ist und ich dachte immer: ihm gelingt eben alles. Vielleicht ist es aber auch so, dass in seinem Bewusstsein nur Siege Erlaubnis zum Auftauchen haben, und nicht wie bei mir alles andere.

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7 Gedanken zu „Betrachtungswinkel

  1. RK

    Betrachtungswinkel sind ganz bestimmte Sichtweisen auf die Wahrheit. Die Vollerfassung der Wahrheit ist ohnehin nicht möglich. Wenn man also nur Betrachtungswinkel zur Verfügung hat, sind diejenigen, die einen stark machen, sinnvoller als die, die einen schwächen.
    Sich immer nur seine Schwächen anzusehen, ist nicht weniger korrupt, als öfter mal den Blick auf die eigenen Stärken zu lenken.
    Wer seine Stärken im eigenen Bewusstsein fest verankert hat, ist endlich reif für humorvolle Selbstkritik.
    Klug geschissen, oder? RK

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    1. Anhora Autor

      Lieber Rolf,

      ich mag Klugscheißer, die wissen was sie sch reden! 🙂

      Es sind wohl Veranlagungen oder Prägungen, die im Bewusstsein eines Menschen eher Stärken oder eher Schwächen festschreiben. Einen positiv denkenden Menschen könntest du ja auch nicht ohne weiteres zu einem pessimistischen Grübler machen. Selbst wenn er es wollte – er würde es kaum hinkriegen. Umgekehrt ist es nicht anders. Man kämpft gegen die eigene Natur, die leider manchmal ein bisschen selbstzerstörerisch ist.

      Ach, das Leben ist kompliziert, zumindest im November. Alles kalt, grau, trist.

      Und überhaupt.

      Ich hol mir jetzt ein Stück Schokolade. 🙂

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      1. RK

        Wer seinen Blickwinkel auf die Wahrheit als naturgegeben, geprägt, veranlagt, genetisch bedingt oder authentisch erklärt, hat seine Chancen auf einen anderen Blickwinkel auf die Wahrheit deutlich vermindert. Zweifellos ist die Änderung des Blickwinkels mit Anstrengung verbunden, aber nicht unmöglich.

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  2. Anhora Autor

    Unmöglich sind neue Blickwinkel nicht, aber auch nicht leicht zu haben. Oft merkt man doch gar nicht, dass es bessere Sichten auf etwas gibt als die eigene. Erleuchtend wirkt manchmal eine Situation, ein Satz, ein Mensch. Dann fasst man sich an die Stirn und erkennt, dass die Dinge auch anders gesehen wahr sind. Aber das bewegt sich mit der Zeit wieder weg, heimlich, zurück in die ursprüngliche Betrachtungsweise, weil der neue Blickwinkel eben nicht in der Natur dieses Menschen liegt. Er muss ihn sich immerzu vornehmen, sich überhaupt an ihn erinnern.
    Gut, wenn es genügend Impulse gibt im Leben, die einen gelegentlich nachdenken lassen.

    „Ergänzung: Wer loslässt, hat zwei Hände frei! – Wo habe ich das nur schon einmal gelesen?“
    Richtig. Mein täglicher Knuff, damit ich’s nicht vergesse. 😉

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