Das Phantomregiment

Der Klang der Orgel schmettert gegen die Kirchenwände und wird zurückgeschmissen, dass es bebt in unseren Ohren. Wuchtig taucht ein Regiment aus dem Nebel auf. Erst hören wir fern die Fanfare, dann kommen Stiefelschritte näher und jetzt ziehen Schemen an uns vorbei. Eisern. Wie das Leben. Wir betrachten es halb mit Angst vor dem, was es bringt, halb mit Lust zu sehen, wohin es geht.

Die Musik wird getragen von Moll, wenn auch die Hauptmelodie gern harmlos spielt in Dur. Doch dahinter bleibt es ungenau, dunkel, melancholisch. Die Töne schwellen an und ich folge dem Takt der Marschierenden, die blicklos nach vorne stapfen, weiter und weiter, dann verschwinden sie. Es hallt nurmehr dünn, leise, ein einzelner Ton führt jetzt das Stück. Noch einmal wird er an die Hand genommen durch weitere Orgelstimmen, dann die Fanfare, ein letztes Mal und weit weg – vorbei.

Leroy Anderson, lese ich im Programm. Nie gehört den Namen. Grandios. Beim Silvesterkonzert in der Kirche, das im örtlichen Veranstaltungskalender noch nicht mal erwähnt worden war.

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2 Gedanken zu „Das Phantomregiment

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