Gesprächsstoff

Ich habs genau gesehn: Er hat – wenn auch nur leicht – die Augen nach oben gerollt. „Das hatte ich vorhin ja schon ausgeführt,“ näselt er, „ich erkläre es Ihnen aber gerne noch einmal.“

Man sitzt da wie ein Depp. Der Mann haspelt nun so undeutlich wie zuvor irgendwelche Bestimmungen herunter. Wir erfahren nicht, welchen gewaltigen Aufwand die Bank denn hat, dass sie derart hohe Gebühren erhebt für ein Konto, das außer Euro auch Britische Pfund verwaltet. Fragen nach Einzelheiten, die mit dem Konto möglich sein sollen, beantwortet er fast alle glattgebügelt mit Nein.

Manschettenknöpfe funkeln an seinem Hemd. Sieht man ja nicht oft. Wie kleine Metallkäppchen einer Pepsi-Flasche sehen sie aus, aber sehr edel. Seine Hände ruhen jetzt auf einer teuren Ledermappe, und in diesem Augenblick wünsche ich mir, über dem Stuhl läge nicht mein Steppmantel von C&A, sondern ein Pelz oder so. Würde dieser Anzugaffe mit einer Pelzträgerin auch so reden?

Wegen eines Gesprächs mit dem Bankberater lohnt sich die Anschaffung teuren Fummels natürlich nicht. Ob man aber auch sonst respektvoller behandelt würde? Ich könnte mir ja einen Zobel leihen und über den Bürostuhl hängen. Mal sehen, ob es den Chef beeindruckt.

Während ich darüber nachgrüble, ob  Leute mit Pelz besser behandelt werden, oder ob Leute, die bessere Behandlung einfordern eher einen Pelz tragen, geben wir uns artig die Hand. Das Konto werden wir bei dieser Bank nicht eröffnen. Und nächste Woche kauf ich mir was zum Anziehn.

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4 Gedanken zu „Gesprächsstoff

  1. runningtom

    Ob Leute im Pelz besser behandelt würden, bleibt also weiterhin eine offene Frage, wogegen ich mir ziemlich sicher bin, dass sich die Frage für die Tiere die vorher in eben diesem Pelz gesteckt haben mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verneinen lässt.

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  2. Hausfrau Hanna

    „Und nächste Woche kauf ich mir was zum Anziehn.“

    Und im momentan stattfindenden Ausverkauf wirst du bestimmt etwas Passendes für das nächste Gespräch beim nächsten Bankberater finden… 😉

    Herzlich Hausfrau Hanna

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  3. DerSinn

    Tatsächlich hat ein Freund von mir das einmal ausgetestet und sich in „Otto-Normal-Kleidung“ in einen Autoladen begeben. Dort hat man ihn keines Blickes gewürdigt, bis er am nächsten Tag in Anzug und Manschettenhemd aufkreuzte.

    „Kleider machen Leute“ ist ein alter aber wahrer Spruch. :mrgreen:

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  4. Anhora Autor

    @runningtom: Der ursprüngliche Besitzer eines Pelzes ist mit seiner Behandlung sicher nicht einverstanden. Die Pute, von deren Brust ich gestern ein Stückchen genascht habe, aber auch nicht. Und all die Lederjacken, mit denen Herren gerne unterwegs sind – auch da fragen wir die ursprünglichen Träger dieser Häute lieber nicht, was sie davon halten, dass man sie ihnen gleich abzieht. Such is life. Man kanns nicht allen Recht machen!

    @derSinn: „Kleider machen Leute“ ist ein fester Bestandteil unseres gesellschaftlichen Lebens. Wer Geld hat und das mit Anschaffungen um seinen Körper herum dokumentiert, hat die besseren Karten. Für Besuche bei Bank- und Steuerberatern empfehle ich auf jeden Fall die passende Garderobe. Dass es im Autohaus auch hilft, ist interessant. Da hätt ichs nicht erwartet!

    @Hausfrau Hanna: Du sprichst den wesentlichen Aspekt meines Beitrags an – neue Klamotten müssen her. Man vernachlässigt sich, wenn Zeit und Nerven keine Besuche in Modegeschäften erlauben. Aber ich hab Urlaub und bin erholt genug, dass ich es nächste Woche wagen werde. Aber kein Pelz!

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