Beschwerdemanagement auf jüdisch

Ein Jude kommt zum Rabbi und führt Klage gegen seinen betrügerischen Lieferanten. Der Rabbi hört aufmerksam zu und erklärt dann: „Du hast Recht“. Bald danach kommt der beschuldigte Lieferant und klagt seinerseits über den Ankläger. Der Rabbi hört wieder aufmerksam zu und sagt: „Du hast Recht“. Die Frau des Rabbiners hat beide Entscheide mit angehört, und als der Lieferant weggegangen ist, sagt sie vorwurfsvoll zu ihrem Mann: „Es können doch niemals beide Recht haben!“ Darauf der Rabbi: „Da hast du auch Recht.“

(Salcia Landmann, Jüdische Witze)

War der Rabbi weise oder konfliktscheu?

Gefunden in „Ich kann auch anders“

10 Gedanken zu „Beschwerdemanagement auf jüdisch

  1. Bredenberg

    Die Gehirne des Kunden, des Lieferanten, des Rabbi und dessen Ehefrau produzieren ihre eigenen Wahrheiten.

    Das Gehirn des Rabbi hat verstanden, dass Wahrheiten nicht aus der Wirklichkeit ablesbar sind, sondern produziert werden. Also produziert es ebenfalls eine, und zwar eine für seinen Schutzbefohlenen kurzfristig möglichst konfliktfreie.

    Wegen dieser Kurzfristigkeit kann von Weisheit nicht die Rede sein. Das Gehirn der Ehefrau wird sich merken, wie das Gehirn des Rabbi funktioniert und für die Zukunft vorteilhafte Schlüsse für sich daraus ableiten. – Ein neues Konfliktfeld tut sich auf.

    Fazit: Unsere Gehirne versuchen wie alle anderen Organe nichts anderes, als uns zu schützen. Deswegen produzieren sie untentwegt Erfahrungen, Erkenntnisse und persönliche Wahrheiten, ganz selten aber Weisheiten.

    Das ist die Antwort meines Gehirns auf die oben gestellte Frage. Auch nichts anderes als eine Produktion, die mir suggerieren soll, wie klug ich doch bin. So gelingt ihm halt der Tag besser, kichert mein Gehirn und verlangt von mir, dieses Produkt in einem langen Kommentar auszuposaunen, statt es stillvergnügt für mich zu behalten.

    Kommentar absenden? Das ist die Frage! — Zu spät.

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    1. Anhora Autor

      Oh ich liebe lange Kommentare! Die kurzen kosten viel mehr Zeit, weil man sich ständig aufs Wesentliche konzentrieren muss und dem puren Mitteilungsbedürfnis nicht nachgeben darf. 😉

      Jedenfalls: Der Rabbi ist ein aufmerksamer Zuhörer, das ist alles. Weise wäre es gewesen, die beiden Parteien an einen Tisch zu setzen und dazu zu bringen, sich ebenfalls aufmerksam zuzuhören und in die Lage des andern zu versetzen. Es wäre wahrscheinlich eine Einigung zustande gekommen.

      Den Vorteil für die Ehefrau durch das Gebaren ihres Mannes kann ich nicht erkennen. Es ist natürlich nie ein Fehler, wenn ein Mann seiner Frau Recht gibt, und es ist immer ein Fehler, wenn er anderen Recht gibt, die nicht ihrer Meinung sind. Ob er anderen und ganz anderen Recht gibt, kann ihr dagegen egal sein. Wo also liegt für sie der Vorteil?

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      1. Bredenberg

        In diesem Zusammenhang zwar unwichtig, aber: Das Gehirn der Ehefrau registriert, dass der Rabbi offensichtlich Konflikten aus dem Wege geht. Sie kann in Zukunft ihr Verhalten danach ausrichten. Es ist immer von Vorteil, wenn man weiß, wie das Gegenüber tickt, beim Schach, beim Pokern, im richtigen Leben. Das Gehirn der Ehefrau liefert die Strategie und gleichzeitig eine altruistische Begründung, zu ihrem seelischen Schutz natürlich.

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        1. Anhora Autor

          Vielleicht hat sie den Rabbi überhaupt nur geheiratet, weil er Konflikten aus dem Weg geht? Weil sie ihre Ruhe will? Stell dir mal vor, er würde plötzlich eigene Standpunkte entwickeln und Diskussionen beginnen – das Gehirn der Ehefrau und die darin befindliche Strategie wäre im Eimer! Der seelische Schutz dahin!

          Ich glaube es gereicht dem Rabbi zum Vorteil, wenn er bleibt wie er ist. Denn auch sein Gehirn hat unter tausenden oder doch zumindest ein paar Frauen diese eine erwählt und geheiratet. Vielleicht, weil sie ihm sagen kann, welche Meinung er hat. Also ist er doch ein bisschen weise. 😉

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