Glaubensbekenntnis

Hufeklackern und Marschmusik hallt durch altes Gemäuer, Männer in schwarzen Mänteln und Zylinderhüten reiten auf Rössern mit prachtvollen Geschirren an uns vorbei. Unzählige Gruppen, unterbrochen von Ministranten und Dorfkapellen, ziehen in einer stolzen Prozession von der Basilika durch die Innenstadt. Blutritt in Weingarten. Natürlich wird niemand vom Pferd geworfen und liegt blutend auf dem Pflaster. Es geht nur um ein paar Tropfen in einem Erdklumpen. Dieser befindet sich im Tresor hinter einem kleinen Fenster aus Bergkristall, eingelassen in ein goldenes Kreuz. Blut, von dem wir glauben, dass es aus einer Wunde Jesu stammt. Seit fast tausend Jahren ist es im Besitz des Weingartener Klosters, und nur einmal im Jahr sehen wir es: am Tag nach Christi Himmelfahrt wird es nach alter Tradition durch die Stadt getragen, die Zuschauer an den Straßenrändern bekreuzigen sich bei seinem Anblick. Zigtausende kommen jedes Jahr.

Ob die Echtheit einer Reliquie von Belang ist oder nicht, gehört übrigens zum Thema eines Buches von Martin Walser („Mein Jenseits“), das ich kürzlich gelesen habe. Ich halte es mit Walser: Von Belang ist der Glaube, und der sucht nach sichtbaren Zeichen und verfestigt sich so. Ich spüre jedenfalls eine Welle durch mich hindurch fließen, als der Priester mit dem heiligen Blut an uns vorbei reitet und mit der Monstranz nach allen Seiten hin Kreuze in die Luft malt. „Zünd an in uns des Lichtes Schein…“

mehr …

 

 

Basilika Weingarten

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s