August

Die beste Zeit des Tages beginnt abends, so ab halb neun. Wenn ich den klebrigen Film von meiner Haut abgeduscht habe, wenn ich in einer weiten Bluse auf dem Balkon sitze und die Füße auf das Geländer lege, wenn warmer Wind die zentnerschweren Hitzebrocken abträgt, wenn das Thermometer unter 30°C anzeigt. 

Der Liebste stellt kühlen Wein auf den Tisch und sinkt in seinen Sessel. Er streckt die Beine aus, lässt die Arme hängen, wir warten auf die Nacht. Dann legen wir den Nacken über die Polsterlehne und zählen die Sterne. Sie schicken tausend Gutenachtgeschichten und alle beginnen mit „Es war einmal …“. Was wir sehen, gibt es mitunter schon nicht mehr, so lange sind die Lichtstrahlen gereist. Wer kam nur auf die Idee, ausgerechnet daraus die Geschicke der Gegenwart deuten zu wollen?

Gegen Mitternacht sinkt dieTemperatur auf 25°C, die Luft steht still. Ein paar Nachbarn unterhalten sich noch leise auf ihren Balkonen, Rolläden rasseln herunter, die Grillen werden müde und hören auf zu zirpen, ein Auto rollt in die Tiefgarage. Klack klack, das ist der Metallrost in der Einfahrt. Dann wird es still. Carpe noctem.

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3 Gedanken zu „August

  1. wildgans

    Stimmungsbild passt für einen städtischen Hochsommerabend. Über was die Nachbarn wohl leise reden?
    Nächtlich draußen reden ist anders als in eingesperrten Stuben…und wieder ganz anders in einem Erzählkäfig (=Auto)…Gruß von Sonja

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