Mutig, mutig!

Ungläubig blicke ich an die Wand. Ich halte den den Abluftschlauch des Trockners in der Hand und wie ich so zum Fenster schaue, zeichnet sich darunter auf der Mauer das Schattenbild des Schlauchs ab und mit ihm etwas, das aussieht wie eine monströse Spinne. Mein Blick flattert auf den Schlauch, aber da ist nichts. Natürlich nicht. Die Spinne hängt ja auch unten dran. Der Schlauch klatscht auf den Boden, daneben die Spinne. Sie ist längst verstorben.  Deshalb geht sie auch nicht ab, als ich sie mit dem Fuß abschütteln will.

Zum Glück ist die Zeit vorbei, da ich einen Raum, in dem sich wissentlich eine Spinne aufhält – egal ob lebend oder tot – überhaupt nicht betreten hätte. Das Leben hat mich hart gemacht. Als Frau eines Geschäftsreisenden und Mutter mehrerer Kinder blieb mir nichts übrig, als gelegentlich das Treppenhaus oder Esszimmer von solchen Ungeheuern zu befreien, meist durch das Werfen von Gegenständen.

Mit den Jahren fühlte es sich dann nicht mehr an, als ob das Tier seine Größe in der nächsten Sekunde um ein Vielfaches explodieren lassen könnte, um mich mit behaarten Fängen festzukrallen und mir den Kopf abzubeißen. Lächerlich. Ha! Tapfer hacke ich jetzt mit einem Kleiderbügel auf den Schlauch ein, um das Viech abzubekommen. Da bewegt es sich.

Im nächsten Moment hänge ich an der Tür und spähe mit pochendem Herzen zurück. Die Spinne ist tot. Es war nur ein Windzug.

12 Gedanken zu „Mutig, mutig!

  1. schreibschaukel

    Ich mach‘ mir schon jetzt fast in die Hose, weil ich im nächsten Juni mindestens eine Nacht im Stroh verbringen werde (gehört bei mir neustens zum Job – so wie bei anderen Leuten das Cüpli nach Feierabend).
    Ich meine – da SIEHT man sie doch nicht mal! Man ahnt sie nur!! 😦

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  2. Mme Lila

    Weisst du was einen so richtig fertig macht ?
    Wenn man die eigene Phobie in jahrelangem Kampf mit sich selber endlich auf ein ruhiges Level gebracht hat.

    Und man eine Tochter gebiert, die das defekte Spinnengen geerbt hat.

    Deretwegen man dann, was tut man nicht alles, auf ihre Schreikämpfe mit Becher (wir sind im Grunde sehr tierliebend), Zeitung und verkrampftem Gesicht reagiert und auf die Jagt nach dem flüchtigen Insekt geht.

    Dabei hat man doch selber Angst…

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    1. Anhora Autor

      Mit einem Becher hab ich in meinem ganzen Leben noch keine Spinne gefangen, so nah trau ich mich heute noch nicht ran. Ich töte kein Tier ohne Grund, aber den Einsatz eines Staubsaugers muss ich als Akt der Notwehr durchgehen lassen, weil ich sonst einen Herzkasper kriege. Und inzwischen gibts ja den Liebsten. Der beherrscht die Nummer mit dem Becher. 🙂

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  3. Sherry

    Hahaha. Das war lustig. Erst die Muskeln spielen lassen und dann bei der kleinsten Bewegung abhauen. Nein, das war echt köstlich. Ich habe keine große Angst vor Spinnen, wenn sie mir nicht direkt groß und fett ins Dekolleté fallen, aber ich hasse fliegende Insekten. Da schreie ich manchmal ungewollt … Gut gemeistert. =)

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  4. Sofasophia

    oje, die arme spinne! spinnen sind für mich echt tolle tiere und sie machen sooo wunderbare netze. ich hoffe, dass du dich eines tages mit ihnen anfreunden kannst. oder dass du zumindest keine angst mehr vor ihnen haben musst.

    bei mir sind die tiere, die ich zum gruseln eklig finde, die nacktschnecken. bääääh … das können andere dann auch überhaupt nicht verstehen.

    wie individuell doch unser gruselempfinden ist! da tut mut gut!!!

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    1. Anhora Autor

      Aber Nachtschnecken können einen wenigstens nicht anspringen! Na gut, Spinnen auch nicht, aber sie sehen aus, als ob sie es könnten. Das Gute an Nachtschnecken ist außerdem, dass man sie nur im Freien antrifft und davonlaufen kann.

      Gute Nacht, Schneckle!
      😉

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      1. Sofasophia

        das hab ich früher auch immer gemeint, also dass sie nur draussen sind, die nacktschnecken. aber hier, wo wir neben fux und has wohnen, kriechen sie zuweilen gar über meine türschwelle.
        frag bitte nicht, wie das geht. bei geschlossener tür, die notabene richtig gut dicht ist! aber sie haben schon zweimal geschafft.
        alpträume danach, dass sie sich über nacht vermehren und den flur erobern, so dass ich nicht mehr aus der wohnung kann. grmpf … da lob ich mir eine süsse spinne! 😉

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