Fahrt ins Weiße

Wir sind ja nicht die Jüngsten. Deshalb sind wir keine Alpinskifahrer, in unserem Alter lässt man von sowas die Finger, wenn man es praktisch noch nie gemacht hat. Schlittenfahren dagegen – oder wie der Schweizer sagt: Schlittelfahren – schien uns ein maßvoller Wintersport, aber wenn, dann richtig. Nicht irgendeinen Buckel hinunterholpern, sondern eine 6 km lange Piste und dann mit der Bahn wieder nach oben, am besten (warum nicht?) eine UNCESCO-Welterbe-Strecke, damit man auch von der Zugfahrt etwas hat. Mit anderen Worten: von Preda nach Bergün. Wir sind in Graubünden in der Schweiz und freuen uns auf einen beschaulichen Ausflug.

Ab der 4. Fahrt schaffen wir die Abfahrt unfallfrei. Da haben wir begriffen, dass das Lenken mit diesen Zügelleinen, die wohl funktionieren sollen wie bei einem Pferd, nicht zuverlässig ist. In den Kurven hilft nämlich kein Hü und kein Hott, der Schlitten fährt einfach nicht so scharf hinein wie er sollte. Man braucht entweder sehr viel Vertrauen in physikalische Gesetze und fährt halb auf die vereiste Schneemauer am Pistenrand auf, die einen nach der Kurve auch wieder abschüttelt und auf die Bahn zurückwirft. Meistens. Oder man hängt einfach ein  Bein heraus und lenkt mit der Ferse, das funktioniert immer. Vorausgesetzt man entscheidet sich für das richtige Bein.  Entscheidet man sich vor Schreck für das falsche, steuert man im Bruchteil von Sekunden frontal in die Schneemauer und die Folge sind filmreife Überschläge oder ein Steckenbleiben, das jeder Eleganz entbehrt.

Die Schlitten werden jedenfalls an manchen Stellen zu Geschossen. Schnee stiebt auf, Fahrwind pfeift, ohne dickste Mützen und Handschuhe fallen einem binnen Sekunden Ohren oder Hände ab, aber was für ein Halligalli! Was für ein Spaß, um in 5-7 Minuten etwa 400 Höhenmeter zu überwinden! Ich gebe zu, am Abend fühlten wir uns wie vom Lastwagen überfahren, aber wir flirten schon mit der angrenzenden Rodelbahn: Darlux – Bergün. Da sind es 600 Höhenmeter auf 4 km und es besteht Helmpflicht. Das machen wir beim nächsten Mal.

http://www.berguen-filisur.ch/erlebnisse-aktivitaeten/schlitten-rodeln/schlittelbahn-darlux-berguen.html

http://www.berguen-filisur.ch/erlebnisse-aktivitaeten

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7 Gedanken zu „Fahrt ins Weiße

  1. Sofasophia

    ah, bergün! auf genau der schlittekbahn war ich vor vielen jahren mal. boah, euren mut bewundere ich! mir wars damals schon zu schnell und zu wild, heute wärs mir unmöglich. chapeau!
    ich schisshase schlittle lieber einen kleine hang runter, dann wirds nicht zu schnell 😉
    gute heimreise und danke fürs teilen
    herzlich, soso

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  2. T.M.

    600 Höhenmeter? Meine Hausrodelbahn (Bussalp) geht von über 2500m (Faulhornsattel) runter auf fast 1300m (Ortsrand Grindelwald). Leider schafft man nur eine Abfahrt pro Tag, denn der Aufstieg ist trotz Seilbahn nicht ohne Beschwer (dafür landschaftlich äusserst reizvoll). Und leider wird’s wohl diesen Winter nichts mehr …

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    1. Anhora Autor

      Oh, das klingt interessant! Aber ich glaube, da nehmen wir vorher erst nochmal Anlauf. Die Abfahrt schreckt mich nicht, aber die Seilbahn … (bin leider nicht höhenresistent)

      Danke für den Tipp!

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