Nachgeschmack

Manchmal geht auf der Straße ein Junge an einem vorbei oder ein Mädchen, das man kennt. Hey, denkt man, Lumnie, alles in Ordnung? Wie geht’s den andern im Heim? Heute traf ich Jochen, mit dem ich mich kürzlich in den Schrebergärten traf zum allerersten Kuss, auf die Backe, was aufregend genug war. Dann fällt mir ein, dass es Lumnie vor zwanzig Jahren gab, und Jochen vor über vierzig. Unmöglich können es die Kinder sein, die ich kenne, höchstens deren Kinder, die viel Ähnlichkeit geerbt haben und am liebsten würde ich ihnen hinterherlaufen und fragen, wie sie heißen, wie ihr Vater heißt, ihre Mutter.

Ein gelebtes Leben liegt dazwischen, doch sekundenlang war die Vergangenheit da, als wäre sie ein Nebenzimmer, zu dem der Wind die Tür aufstieß und es gibt alles noch: das Kind mit der ersten romantischen Liebe oder die junge Frau, die Kinder von Asylbewerbern betreut und Lumnie, das Mädchen aus dem Kosovo, kommt angerannt und fliegt mir in die Arme wie immer.

Die Tür bleibt noch eine Weile angelehnt, ich höre Stimmen dahinter und frage mich, wo dieses Kind, wo die junge Frau jetzt ist. Hier jedenfalls nicht. Allenfalls Überbleibsel.

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2 Gedanken zu „Nachgeschmack

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