Zeitspannen

Ich wundere mich immer wieder darüber, wie viel in die halbe Sekunde zwischen halb und ganz Aufwachen passt. Da haben Geschichten Platz, Ängste, Träume, ich weiß nicht wie das Gehirn das macht. Vor ein paar Tagen zum Beispiel reisten wir nach England. Ich war unterwegs eingenickt und wachte auf, weil es ein wenig rummste und ich kurz hochgehoben wurde. In dem Moment zwischen Schlafen und Wachsein realisierte ich, dass das Flugzeug aufgesetzt hat, dass wir uns bereits auf dem Rollfeld befinden, dass ich zum ersten Mal vor der Landung eingeschlafen war und den Anflug verpasst hatte: das Fallen des Fliegers in kleinen Etappen, die Ungewissheit und Zweifel, ob es gut gehen wird, das Krallen im Bauch und das enge Herz. So geübt bin ich also, dachte ich am Ende der halben Sekunde nicht ohne Stolz: Die Panik ist beherrschbar, ich bin vor der Landung eingenickt.

Das alles passte in einen einzigen Augenblick. Dann war er vorbei, ich schlug die Augen auf und saß nicht im Flugzeug, sondern im Auto. Der geliebte Brite neben mir war gerade über eine Bodenwelle gefahren im Baustellenbereich, wir befanden uns noch auf dem Weg zum Flughafen.

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6 Gedanken zu „Zeitspannen

  1. Hausfrau Hanna

    Ich habe mich soeben kurz und heftig erschreckt,
    liebe Anhora,
    denn meine Fantasie sah d i c h im „Sekundenschlaf am Steuer“…
    Gottseilobunddank war es der wach und präsente Brite.
    Und du solltest dich unbedingt an einen Thriller wagen.
    Schreiben könntest du ihn nämlich problemlos… 😉

    Herzlich ins Dunkel der Nacht
    Hausfrau Hanna

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  2. Anhora Autor

    Ohje, der Thriller wäre schnell zu Ende, wenn der Protagonist am Steuer einschläft! Aber danke für den netten Kommentar und keine Panik: Ich war auf dem Beifahrersitz eingedöst. Die Schweizer Autobahnen (wir fuhren nach Basel) lullen mich immer ein bisschen ein, sie sind nicht so aufregend wie die deutschen. Und DAS ist mir lieber so!

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  3. Babbeldieübermama

    Morgens um 5.00 Uhr sollte ich deine Beiträge wohl besser nicht lesen. 🙂 Mein Matschehirn konnte deinen Traum nicht gleich realisieren und ich wunderte mich, was du da nun so besonderes an deinem Traum während deiner Landung nach England gefunden hast. 😉
    Und dann die Auflösung… Hut ab, hat mir gut gefallen.

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    1. Anhora Autor

      Danke, Soso! Da hast du eine besondere Fähigkeit, wenn du diesen Moment anhalten kannst. Wahrscheinlich passen dann noch längere Geschichten rein, eine merkwürdige Zwischenzeit, wie auch beim Einschlafen. Da findet auch viel statt, aber wenn man dann pennt, ist alles vergessen.

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