Umstellungssache

Jeden Herbst ist es dasselbe: Kaum ist die Zeit umgestellt, schon irre ich durch Treppenhäuser und Flure des Gebäudes, in dem meine Mutter lebt. Ich weiß nicht, warum ich hier bei Dunkelheit, die von einem Tag auf den andern auftritt, plötzlich an allen Lichtschaltern vorbeigehe, bei jedem Besuch. Zu Hause passiert mir das nicht. Aber diese Seniorenanlage ist erst wenige Jahre alt und vielleicht deshalb erwarte ich ein modernes Bewegungsmeldersystem mit automatischer Lichtsteuerung. Hat es aber nicht.

Statt dessen tasten die armen alten Leute – vielleicht auch nur ich – an schwach beleuchteten Wänden entlang, um einen Lichtschalter zu finden. Man geht ja zunächst weiter im Glauben, dass die Lampen gleich angehen, und wenn man erkennt, dass das nicht geschehen wird, ist kein Lichtschalter mehr da. Also schleicht man die Treppen wieder hinunter, zurück zum Eingang, jetzt hab ich einen gefunden. Schon sieht die Welt wieder so vertraut aus, wie es an diesem Ort eben möglich ist. Im nächsten Stockwerk renne ich wieder am Lichtschalter vorbei.

Ein langer Gang liegt nun vor mir, im Dämmerlicht sieht er ganz anders aus als sonst. Aus den Winkeln und Türrahmen könnte jemand nach mir greifen, ein Dämon zum Beispiel. Man sieht ja nix. Und wenn die Augen nichts zu tun haben, werden auch die Gedanken so laut. Ich arbeite mich zum Treppenhaus zurück. Wo der Lichtschalter ist.

An manches gewöhn ich mich einfach nicht.

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6 Gedanken zu „Umstellungssache

  1. Sofasophia

    Bewegungsmelderverwöhnte du … *lach*

    Und ich bin ja immer froh, wenn ich das Licht selbstbestimmt bedienen kann, weil ich sehr lichtempfindliche Augen habe und oft lieber im Halbdunkel herumschleiche. Allerdings nicht Betagtenheimen, da nicht. Haben die Schalter wenigsten Leuchtdioden, so dass sie auffindbar sind im Dunkeln?
    Dein Text lässt mich schmunzeln. aber auch seufzen darüber, wie es sich wohl in dieser Jahreszeit in einem Betagtenheim so lebt. Und dabei denke ich, dass es gewiss sehr herausfordernd ist, und hoffe ich, dass es deiner Mutter soweit gut geht.

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    1. Anhora Autor

      Ich mag den Gedanken, elektronisch/unbemerkt abgetastet zu werden auch nicht. Trotzdem sind Bewegungsmelder praktisch, wenn man beide Hände voll hat wie nach dem Einkaufen oder in Waschküchen. Die Lichtschalter in diesem Seniorenheim sind (schwach) beleuchtet und man sieht sie problemlos, wenn man danach sucht. Sonst nicht. 😉

      Und ja … diese „Betagtenheime“, wie du es nennst, darüber könnte ich manche Geschichte erzählen. Ich lass es lieber.

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      1. Zoé

        Genau, vor der Tür ist oft ein Bewegungsmelder, so dass mir nichts auffällt und ich die ersten Stufen im Zwielicht ja noch schaffe, Wenn dann das Licht aus geht und mir ein Licht aufgeht, dass kein Licht angeht, ist es zu spät. Und die viereckigen Dinger an der Wand, sind in Treppenhäusern aber auch oft Klingeln.

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