Mut zur Zukunft

Altwerden ist nichts für Empfindliche. Das gilt für Betroffene und Begleiter. Es ist herb, wenn immer mehr aufhört und man weiß: es fängt nie wieder an. Man könnte sich über die Betrachtungsweise Gedanken machen. Wenn ich morgens zum Beispiel Cornflakes frühstücken will und feststelle, die Packung ist leer – sage ich dann: „Nun werde ich nicht frühstücken?“ oder schaue ich nach, was sonst noch da ist und bestreiche dann eine Scheibe Brot mit feinem Bienenhonig, den ich im Schrank gefunden habe? Das Leben wirft uns die Zutaten hin, und wenn es nicht die sind, die wir uns wünschen, dann können wir uns ärgern oder es lassen. Die Zutaten bleiben trotzdem dieselben. Meistens haben wir alles, was wir brauchen.

Aber es ist schon ein großer Schritt, das zu erkennen und zu leben, wenn es ans Eingemachte geht. Erstaunlicherweise gehen Menschen in ihrer letzten Lebensphase manchmal gelassener damit um als ihre Zuschauer. Die haben freilich auch mehr Arbeit damit. Trotzdem möchte man nicht tauschen und fragt sich, wofür es sich noch zu leben lohnt mit all den Einschränkungen und schwindender Selbstbestimmung. Warum man auch dann – trotz allem – leben will.

Vielleicht beginnt da im Verborgenen noch etwas ganz anderes.

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8 Gedanken zu „Mut zur Zukunft

    1. Anhora Autor

      Da hast du Recht. Und ich sehe im Moment – wenn morgens nur noch ein Stück Knäckebrot zu finden ist und man hat keine Zähne mehr, dann wird dieses Knäckebrot in Milch eingeweicht und der Tag kann kommen. Mich beschäftigt das. Ich dachte bisher, das Leben sei ab einem bestimmten Punkt nicht mehr lebenswert und man gibt auf. Ich hatte keine Ahnung.

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  1. Sofasophia

    Genau das, was du im letzten Satz sagst, erhoffe ich. Ich hörte mal, dass das Leben wie ein Mandala-Lanyrinth sei: Wir fangen in der Mitte an, dehnen uns im Leben(skreis) aus und gehen zurück in die Mitte.
    Und was wir dort entdecken, im
    letzten Kreisen, werden wir wohl nur verstehen, wenn wir dort angelangt sind. Ich ahne, dass das Leben jetzt immer so eine Art Vorbereitung auf das Leben morgen ist.

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  2. Babbeldieübermama

    Ich kann es aus eigener Erfahrung sagen, der Mensch hängt mehr am Leben, als die meisten zugeben wollen.
    Jedoch gibt es viele, die sich nicht früh genug auf das Alter vorbereiten. Diese werden dann mit ihrer Situation nicht fertig.

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    1. Anhora Autor

      Ja, der Lebenswille ist wohl ein starker Instinkt, auch wenn man meinen könnte, dass es irgendwann einmal einfach keinen Spaß mehr macht. Aber wir sehen nicht rein.
      Ja, man sollte sich rechtzeitig darauf vorbereiten, aber wer will seine eigene Endlichkeit schon wahrhaben? Und dann ist sie plötzlich da, und die Angehörigen stehen hilflos daneben.

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