On the road again

Am liebsten würde ich leben wie in einem Reisebus. Start, Ziel, Ankunft – alles geplant. Nach jeweils zwei bis drei Stunden würden Zwischenstopps eingelegt zur Erfrischung oder um etwas anzuschauen. Eine malerisch gelegene Burgruine zum Beispiel oder einen Bergsee, an dessen eleganter Promenade es Eiscreme zu kaufen gäbe. Die Tourismusindustrie kennt das Bedürfnis der Menschen nach Komfort, Erwartbarkeit und angenehmen Überraschungen. Die Fernreise im voll klimatisierten Bus mit seitlich und rückwärts verstellbaren Sesseln sowie unterwegs ein paar Oh‘s und Ah‘s kann man deshalb als Komplettpaket buchen.

Im Bus des Lebens lässt sich der Streckenverlauf weit schwerer vorhersagen. Man muss froh sein, wenn das Ziel überhaupt näherkommt, denn darauf gibt es keinen Anspruch. Die Sitze werden auf manch einer langen Fahrt eng und man will nur noch ankommen. Die Straßenschilder mit den Entfernungsangaben bleiben jedoch immer gleich: 798 Kilometer. Wer Mut hat, kann sich aus dem fahrenden Bus fallen lassen mit dem Risiko, sich zu verletzen und der Wahrscheinlichkeit, dass dieser Ort nicht die erträumte Anzahl an Sonnentagen garantiert.

Und dann bleibt so ein Bus mitunter auch noch mitten auf der Strecke stehen. „Aussteigen,“ heißt es dann ohne weitere Erläuterungen, man wird ausgespuckt wie zerbissener Kaugummi. Da steht man dann und findet sich allein mitten auf der Autobahn, orientierungslos, ratlos, andere Fahrzeuge brausen vorbei und keines hält an. Die Raststätte ist geschlossen, der Parkplatz leer.

So geht es mir gerade.

Meine geliebte Arbeitsstelle im Förderprojekt eines Bundesministeriums wird es bald nicht mehr geben. Das Projekt wird eingestellt. Unsere Verträge laufen im Herbst aus.

 Bus

Die passende Musik zur Stimmung habe ich gerade bei finbarsgift gefunden.

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16 Gedanken zu „On the road again

  1. Sofasophia

    Oooohnein, das tut mir leid! Diese Traumstelle.
    Lass dich nicht ausspucken. Spring selbst und lande wie eine wilde Katze auf den Füßen.
    Neue Chancen warten auf dich, wetten?!
    Nein, ich mag Fernbusreisen nicht. Das ist meine letzte Wahl und ich fahre nur Fernbus, wenn es keine andere Lösung gibt.
    Tja.
    Ein weiser Text.
    Ich bin darin vielleicht die Tramperin, die den Leuten im Bus zuwinkt 😉

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    1. Anhora Autor

      Weißt du, ich hab so genug von Veränderungen. Da stell ich mir diese geplanten Fernbusreisen wie eine Fahrt ins Paradies vor. Allerdings nur die gebuchten. 😉
      Und ja, es wird schon ein anderes Türchen aufgehn. Aber ich wär halt so gern geblieben. Schaunwermal.

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  2. PegaMund

    … und (solche koinzidenzen gibt es manchmal) bevor ich zu deinem eintrag hier kam, las ich ein gedicht von Ulrich Koch, ich zitiere einige verse:

    „So möchte ich leben:
    In Auflösung begriffen, im Schatten
    einer cerebralen Wolke wandernd,
    die mich vergißt. Ausruhend
    von mir, an einem Bach,
    die Kiesel kandiert vom gebrochenen
    Licht; die Füße im Wasser,
    vom Wasser geknickt.“

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    1. Anhora Autor

      Oh wie hinreißend ist dieses Gedicht! Ja, ich möchte auch im Schatten einer cerebralen Wolke wandern. Was immer das ist, es hört sich richtig an, denn sie vergisst mich. Ein Traum. 🙂

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    1. Anhora Autor

      Das Reiseziel ist erstmal unbekannt, da find mal den richtigen Bus. Aber du hast Recht, die Fahrt ist noch nicht vorbei. Ich hock mich mal ins Wartehäuschen und warte, wer oder was vorbeikommt. 😉

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  3. kaetheknobloch

    Verehrteste, diese Reisebusse machen träge und unkreativ. Was, wenn man lieber länger an einem Ort geblieben wäre? Doch der Busfahrer hupt bei schon laufendem Motor…

    Verzagen Sie nicht, es werden neue Weggefährten sich anbieten. Wer weiß, vielleicht ein wildverwegener Motorradfahrer, ein lustiger Clochard auf einem wackeligen Velo oder eine strahlende Kutscherin mit einem Vierspänner gar. Die erste Lähmung gilt es zu überstehen, aufstehen, Staub abklopfen und los, immer dem Weg nach.
    Herzliche Grüße, Ihre Frau Knobloch, selbst gerade Neuweg einschlagend.

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  4. Anhora Autor

    Besten Dank für Ihre ermutigenden Worte, hochgeschätzte Frau Knobloch. Sie haben ja Recht, etwas anderes wird sich öffnen und es geht weiter. Ich habe nur derzeit dieses ausgeprägte Ausruhbedürfnis, das behindert die Lust auf die aufregenden Möglichkeiten hinter dieser Weggabelung etwas. Aber es hilft ja nichts. Ich werde noch einmal die Ärmel hochkrempeln. Gleich morgen. Oder nächste Woche. 😉

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    1. Anhora Autor

      Danke! Zum Glück sind wir ein Team, und nachdem der erste Schock verdaut ist, sind wir nun fest am Nachdenken, welche Optionen es gibt, dass doch etwas weitergeht. Hoffen wir das Beste. Den Frühling lass ich mir nach Möglichkeit nicht vermiesen. 🙂

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