Die Katastrophe

Bundespräsident Gauck bricht eine Auslandsreise ab. Die Kanzlerin, der französische und der spanische Präsident begeben sich an die Unglücksstelle. Eine Ministerin besucht Haltern am See. In Deutschland wehen die Fahnen auf Halbmast, eine Schweigeminute lenkt die Gedanken der ganzen Nation zu den Opfern.

Ich habe gelesen, dass ein solches Spektakel und der Aufruhr in den Medien es den Angehörigen noch schwerer mache. Ich weiß nicht, ob das stimmt. Ich stelle mir gerade vor, dass eine von mir geliebte Person in diesem Flugzeug gesessen hätte. Der Rummel würde nichts ungeschehen machen und meine Trauer nicht lindern. Aber es wäre vielleicht tröstlich, dass der Verlust dieses Menschen wichtig genug ist für den internationalen Aufmarsch, die Schlagzeilen auf den Titelseiten und die Sondersendungen im Fernsehen.

Je mehr sich auch andere damit beschäftigen, desto weniger sind wir mit dem Schmerz allein. Desto geringer wird auch die Furcht, dass ein toter Mensch im Nichts versinkt. Eine Illusion freilich. Der wahre Grund für die kollektive Erschütterung ist das drastische Beispiel, mit dem uns die eigene Endlichkeit vor Augen geführt wird und dass wir nicht alles planen können. Trotzdem würde mir das Aufsehen in diesen Tagen wahrscheinlich helfen.

6 Gedanken zu „Die Katastrophe

  1. Anhora Autor

    Inzwischen zeigt sich leider, was die billige Presse aus dem Thema macht, und das kann niemand gutheißen. Mein spontaner nach dem Unglück war: Wenigstens sind die Angehörigen mit ihrem Schmerz nicht allein. Bis an die höchsten Stellen wird mitgelitten, die getöteten Menschen sind das offenbar wert. Das war es, was mich spontan anrührte. Aber was im Moment z.B. über den Co-Piloten verbreitet wird, ist das Hinterletzte. Man weiß nichts, trotzdem scheint jeder die Antwort zu kennen. Zum K… ist das.
    Dass die Anteilnahme nicht anhält, ist auch klar. Sie hält aber auch im kleinen privaten Kreis nicht an. Irgendwann ist man allein mit allem.
    Danke für deine Gedanken.

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  2. Zoé

    Mir geht es ähnlich wir dir! Ich will, dass andere sich mit erinnern. Vielleicht merken, wie kurz das Leben sein kein, dass nichts sicher ist. Es würde mich vielleicht auch trösten, dass überall in der Welt Menschen Kerzen anzünden, betroffen sind. Aber wenn dann die Diskussionen um das warum beginnen, dann wird es schrecklich. Braucht es einen Schuldigen? Und was ist in 6 Monaten? Denkt dann noch jemand an die Menschen?

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    1. Anhora Autor

      In den seriösen Medien werden die Angehörige nicht gezeigt, das zeugt von Respekt. Wenn die Boulevard-Presse sich dagegen auf diese Menschen stürzt, dann nehme ich die Gedanken in meinem Beitrag sofort zurück und behaupte das Gegenteil. Ich hoffe aber doch, dass sich selbst die billigen Blättchen zurückhalten.

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  3. Franziska

    Ein Mensch der trauert, kümmert es vielleicht gar nicht so sehr, was die Medien darüber berichten. Aber ich weiss es nicht. Trauer ist ja sehr individuell, den einen schafft es vielleicht Linderung, bei den anderen verstärkt es den Schmerz.

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