Yes!Yes!Yes! WARHOLMANIA

Kunst kommt von Können. Kunst ist aber auch das, was andere Künstler inspiriert oder den Zeitgeist herausschält, das Darstellen dessen, was Menschen bewegt oder später einmal bewegen wird. Andy Warhol war einer der Besten darin, mit der Verfremdung des Menschenbilds durch den Starkult zu spielen, lange bevor MTV erfunden war. Gestern besuchten wir die Ausstellung Yes!Yes!Yes! WARHOLMANIA im Brandhorst-Museum in München.

Ich war hingerissen von den spektakulären Kunstwerken in so großer Zahl, die Experimentierlust Warhols ist geradezu greifbar und auch ansteckend. Als wir rausgingen, hätte ich am liebsten selbst losgelegt, Ideen hatte ich schon und irgendeine Technik beherrsche auch ich, war mein Gedanke. Aber natürlich würde nichts dabei herauskommen. Soviel Talent, Selbstvermarktungsfähigkeit und Glück habe ich nicht. „Na und?“ rief da meine Mutter, die auf dem Dach des Gebäudes saß und auf die stoffliche Welt mit ihren irdischen Bedenken herunterlachte.

Auch ihre Kunst fand niemals den Weg in die breite Öffentlichkeit. Wir wissen nicht, wie viele großartige Werke kein Mensch kennt, und wie viele bekannte Künstler vor allem auch begnadete Selbstinszenierer waren oder sind.

Welches Ergebnis muss kreatives Schaffen also haben, um den Schöpfer zum Künstler zu erheben? Ist das Kritzelbild beim Telefonieren schon Kunst? Und das im Aquarellkurs gemalte Bild nicht? Meine Mutter hat gezeichnet, geformt, gedruckt, gemalt – und gestaunt, was dabei herauskam. Es machte sie glücklich. Ob es Kunst war oder nicht, war ihr egal.

 

Spiegel© Ursula Holly

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4 Gedanken zu „Yes!Yes!Yes! WARHOLMANIA

  1. Kai

    »Alles ist Kunst«, sagte Joseph Beuys. Fluxus heißt vergängliche Kunst, er bezeichnete die Gesellschaft selbst als Kunst. »Soziale Plastik«
    Ich finde den Gedanken top. Ich glaube auch, dass der Schöpfer vor allem sich selbst erforscht mit seiner Kunst. An seine Grenzen geht und an die der Gesellschaft. Der Erfolg spielt da eine Rolle, beim wahren Künstler vielleicht eine weniger wichtige?

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    1. Anhora Autor

      Ich denke, dass moderne Kunst die Fähigkeit ist, Gedanken, Zeitgeist, innere Konflikte usw. so verdichtetet darzustellen, dass man nicht daran vorbeigehen kann. Sowohl Künstler als auch Betrachter sind also wesentlicher Bestandteil der Kunst, egal wie diese sich darstellt. „Fluxus“ gefällt mir!
      Danke für deine Meinung dazu. 🙂

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