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Manchmal legt jemand eine Blume oder ein kleines Sträußchen auf das Grab meiner Mutter. Als das zum ersten Mal geschah, regte sich ein seltsamer Impuls bei mir. Ich dachte: Mal draufklicken und sehen, von wem das kommt. Ich Dummerle. Es sind ja analoge Likes. Ich werde also nicht herausfinden, wer an meine Mutter gedacht hat, wem sie ein Gang zum Friedhof wert war. Was ich herausfinde ist, dass sich Wissenslücken allmählich fremd anfühlen. Im Netz gibt es doch alle Informationen innerhalb von Sekunden. Auf dem Friedhof weiß ich nur, dass ein netter Mensch hier war und ich zuviel im Internet bin.

 

Blume-100

© malenmeinhobby.de

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13 Gedanken zu „Gefällt mir

    1. Anhora Autor

      Stimmt, das ist auch ein interessanter Aspekt: Etwas gefällt mir, und ich kann es nicht sofort ausdrücken in Form eines digitalen Befehls. Ich brauche einen Menschen, dem ich mein Like verbal vermitteln kann, oder ich kann es womöglich gar nicht teilen. Da fehlt einem doch etwas. 😉

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  1. Ulli

    Liebe Anhora,
    Lücken, die sich auftun … das Nichtwissen wem die Mutter noch so nah ist, dass sie dort besucht und mit Blumen beschenkt wird, daran schliesst sich dann, glaube ich, die Frage: was weiss ich wirklich von ihrem Leben … oderrr?!
    das andere ist die Geschichte mit dem „like it“ – das stimmt mich nachdenklich und ich überlege gerade, ob mir das schonmal passiert ist, ich glaube eher nicht und hoffe, dass es so bleibt!
    herzliche Sommergrüsse vom blauen Berg
    Ulli

    Gefällt 1 Person

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    1. Anhora Autor

      Etliche Lücken des Nichtwissens schlossen sich schon, als ich die Wohnung meiner Mutter auflösen musste. Ich fand Dinge, die mich nichts angingen, und sie lebte ja noch! Aber halt im Pflegeheim. Sowas möcht ich NIE WIEDER tun müssen, da sind die kleinen Geheimnisse der Friedhofsbesucher wesentlich schöner.
      Zum Like bzw. Web: Hier ändert sich der Zeitgeist. Immer weniger bleibt unbekannt. Auch ein Grund für die zunehmende Esoterikbewegung. . 😉

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  2. Manfred Voita

    Auf einem Friedhof in Amsterdam habe ich ein Grab gesehen, dessen „Stein“ einem Monitor nachgebildet war, auf dem facebookmäßig die Informationen über den Verstorbenen zu lesen waren. Es ist wohl eine Frage der Zeit, bis wir auf Friedhöfen „liken“ können.

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