Oxford University

Wir schliefen also in einem der Zimmer, in dem während der Semester die Studierenden der Oxford University wohnen. Ich glaube aber, dass unser Flügel dem Hoi Polloi zugedacht ist, den Stipentiaten vielleicht. Einer dieser Milliardärsbengel wird kaum einen solchen Raum betreten, lästerte ich und dass die wahrscheinlich ein eigenes Haus auf dem Campus haben, mit Swimming Pool und Butler. Der geliebte Brite meinte, das sehe ich falsch. Jedenfalls: Unser Zimmer – wie soll ich sagen – es ist blitzsauber, sollte aber dringend renoviert werden. Vor allem das Badezimmer. Und der Teppichboden (!) gehört ersetzt (auch der in den engen Gängen zu den Zimmern). Und die dunklen, abgewetzten Mahagonimöbel auch. Das vergitterte Fenster stammt dem Anschein nach aus der Gründerzeit und wurde noch nie geputzt. Die Tür ist so verzogen, dass sie in der Nacht in einem unregelmäßigen Lichtrahmen erscheint, weil von draußen die Flurbeleuchtung durchscheint. Wenn andere Gäste kommen oder gehen, entstehen gruselige Schatten – da darf man nicht paranoid sein.

Aber egal.

Ich schlief in einem Bett, in dem ausschließlich hoch funktionsfähige Köpfe geschlafen haben (außer den Touristen natürlich) und hoffte, dieses geweihte Kopfkissen bringt mir über Nacht die Antwort darauf, wie die Menschen auf der ganzen Welt zu einem Miteinander gebracht werden können, anstatt sich die Köpfe einzuschlagen oder Zäune zu bauen. Als ich aufwachte, hatte sich aber kein genialer Gedanke manifestiert. Der Fokus liegt in diesen Gemäuern wohl auf anderen Dingen.

Spektakulär sind dagegen die Außenanlagen bzw. der Rasen (der Brite war gar nicht mehr wegzubringen) und das Frühstück im College. Als College bezeichnet man hier keine Fachhochschule, wofür ich es bisher gehalten hatte, sondern den Wohn- und Verpflegungsbereich der Universität. Zum College gehört also der Speisesaal, und das ist ein langer, reich verzierter, altehrwürdiger Raum mit zwei Tischreihen vom einen Ende bis zum andern. Genauso habe ich das einmal in einem Harry-Potter-Filmen gesehen und hielt es für eine gelungene atmosphärische Umsetzung. Aber das gibt’s wirklich.

Wer wissen will, wie die Oxford University von innen aussieht: hier ein paar Impressionen.

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11 Gedanken zu „Oxford University

    1. Anhora Autor

      Allerdings! Wer rechnet schon damit, dass er einmal in einer Elite-Universität übernachten kann und feststellt, dass die Studierenden dort erstmal auf den (Teppich-)Boden der Tatsachen geholt werden. Kann ja grundsätzlich nicht schaden. 😉

      Gefällt 2 Personen

      Antwort
    1. Anhora Autor

      Mief ist das richtige Wort. Es ist (außer den Fenstern und den Flecken auf dem Teppichboden) wirklich nicht schmutzig, aber es ist aus der Zeit gefallen. Da wehen vergangene Jahrhunderte um die Nase. Was mag das mit jungen Menschen machen?

      Gefällt 1 Person

      Antwort
  1. Ulli

    wunderbare Bilder sind das, besonders gefällt mir das Flurbild- ja schade, dass man selbst im Schlaf auf „schlauen“ Kopfkissen keine zündenden Antworten auf das Desaster unserer Tage geschenkt bekommt- es scheint zu komplex zu sein?!
    geniesse deine Zeit in England
    herzlichst
    Ulli

    Gefällt 2 Personen

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    1. Anhora Autor

      Ganz sicher ist das englische Konzept zur Flüchtlingsfrage etwas merkwürdig. Sie geben Geld für mehr und höhere Zäune. Sie überwachen jeden Winkel im Land, um Kriminelle zu fassen. An die Wurzeln aller Probleme denkt aber offenbar niemand. Deshalb kann ich auch einer Oxford-Universität nicht recht trauen. Angesichts der stehen gebliebenen Zeit in diesen Gemäuern denken die wahrscheinlich, sie haben immer noch Kolonien. 😉

      Gefällt 2 Personen

      Antwort

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