Veränderungen

Heute Nacht habe ich auf dem Sofa geschlafen. Gestern Nacht auch. Dieser Umstand liegt in direktem Zusammenhang mit der Tatsache, dass ich kein Bett mehr habe. In meinem Bett liegt jetzt ein sechzehnjähriger Junge, „90 kg schwer!“ laut Aussage der Mutter, die fröhlich plaudernd mit dem Kindsvater zusammen mein Bett abtransportierte. Ich liebe Ebay Kleinanzeigen! Vorausgesetzt, man will nicht reich werden damit, wird man alles los und ich bin froh für jedes Stück, das ich nicht mitnehmen muss. Mein Bett ist also verkauft. Unter anderem.

Ich könnte freilich in der neuen Wohnung schlafen, dort ist alles bereit – auch ein Bett. Und ein Mann, der es vorwärmt, der geliebte Brite, mit dem ich künftig mein Leben und die Wohnungskosten teile. Aber noch bin ich hier, in meiner eigenen, halb leeren Wohnung, zwischen Schachteln und Zeug. Ich will das Chaos um mich haben, ich will das Ende der heimischen Wohnkultur einläuten, ich will den Niedergang. Damit ich es glaube.

Ein bisschen ist es wie nach dem Tod meiner Mutter, als sie in der Aussegnungshalle lag. Ich ging jeden Tag zu ihr, damit sie nicht so allein ist – und damit ich es glaube. Ich brauchte diese Zeit, um mich damit auseinanderzusetzen, man stirbt nicht von einem auf den andern Tag. Und man zieht nicht in ein paar Stunden um. Deshalb muss ich in meiner Wohnung bleiben und noch ein paarmal auf dem Sofa schlafen.

Sofa (2)

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21 Gedanken zu „Veränderungen

  1. Stef

    Schön wie du schreibst! Habe meinen Vater vor zwei Jahren auch täglich in der Aussegnunshalle besucht. Er hat uns ganz plötzlich verlassen, es gab damals keine Zeit, sich auf das Loslassen einzulassen. Manchmal ist es gut, wenn man sich langsam an Veränderungen gewöhnen kann. Der sanfte Übergang vom Vertrauten, Gewohntem in das Neue, Spannende, Ungewisse. Wünsche dir GOD LUCK!! – Alles Gute und herzliche Grüße aus Schweden nach Ravensburg.
    Werde in 2 Wochen ebenfalls dorthin (oder ziemlichin die Nähe davon) fahren. Mal sehen, vielleicht spaziere ich dann auch mal kurz durch die Holbeinstrasse ….
    /Stef.

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    1. Anhora Autor

      Danke für die guten Wünsche und schön, dass du wenigstens die paar Tage in der Aussegnungshalle genutzt hast, um Abschied zu nehmen von deinem Vater.
      Welchen Ort besuchst du denn, wenn du in der Gegend bist?

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    1. Anhora Autor

      Nein, es erwartet mich weder Einsamkeit noch Fremde. So gesehen ist es kein normaler Umzug. Trotzdem weiß ich nicht genau, wie alles weitergeht und das Eine oder Andere wird mir fehlen. Aber so ist das Leben. 🙂

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