Selbstfindung

Grabungen in die Tiefen von Schränken und Schubladen sind wie eine Entdeckungsreise zu den eigenen Fundamenten, zu den inneren Rumpelkammern. Es findet sich Zeug, das einmal wichtig genug war, um behalten zu werden, aber nicht wichtig genug, um im Bewusstsein zu bleiben. Also rutschte es nach hinten und unten und geriet in Vergessenheit. Doch bei einem Umzug kommt alles raus, der Tag der Wahrheit berichtet von Dingen über einen weiterziehenden Menschen, die dieser oft selbst nicht weiß.

Zum Beispiel finde ich in diesen Tagen eine große Anzahl von leeren Schachteln und Täschchen. Man kann sie bestimmt einmal brauchen, denke ich immer und werfe sie deshalb nie weg. Tatsächlich brauche ich sie aber nur selten und wenn, dann ist meist doch nichts Passendes dabei. Oder es wäre etwas Passendes dabei, aber ich habe vergessen, dass ich es habe. Oder ich habe es nicht vergessen, finde es aber nicht. Jedenfalls tauchen derzeit von überall her Schachteln und Täschchen auf und ich bringe sie alle zur zentralen Sammelstelle auf dem Sofa.

Schachteln

Erst kürzlich behauptete ich bei Zoé, dass ich nichts sammle, um nicht zuviel Sachen zu haben, und nun das. Weder brauche ich all diese Behältnisse, noch weiß ich wohin damit. Trotzdem bringe ich es immer noch nicht fertig, auch nur eines davon wegzuwerfen.

Ich hielt mich einmal für einen minimalistischen Menschen, der nichts Überflüssiges braucht außer vielleicht kleinen Erinnerungen. Da fällt mir ein: Wohin mit all den Steinen und Muscheln, die ich von Urlaubsreisen mitgebracht habe? Und was ist mit den Zeichenblöcken und Farben meiner Mutter für den Fall, dass ich selbst wieder einmal malen möchte, obwohl ich seit Jahren nichts mehr angerührt habe? Je mehr ich finde, desto größer wird meine Erkenntnis: Ich kann kein minimalistischer Mensch sein. Nicht in diesen Schubladen. Wie kam ich nur darauf?

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16 Gedanken zu „Selbstfindung

  1. waehlefreude

    …Mir kam gerade die Idee, daß man die Schachteln ja mit irgendetwas füllen und als Geschenk für irgendjemanden „aussetzen“ könnte, mit einem Zettelchen dabei, auf dem „Für Dich“ steht.

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  2. Zoé

    Ich selbst – das unbekannte Wesen? 😉 Mir werden durch Bloglektüre und selbst schreiben auch immer wider Dinge bewusst, die ich nie von mir gedacht hätte. 😉 Eine Freundin von mir fastet jedes Jahr zur Fastenzeit „Stehrümchen“ und entsorgt täglich ganz bewusst 6 Dinge, die sie gewiss nicht mehr braucht. Und eigentlich auch nie gebraucht hat. Per Rundmail (sie mag leider keine Blogs) bekommen ihre Freundinnen täglich eine Aufstellung und das Angebot, sich einige neue Stehrümchen abzuholen. 😉

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    1. Anhora Autor

      Gütiger Himmel, ich habe LANGE gebraucht, bis ich auf die Bedeutung von Stehrümchen kam. Was für ein tolles Wort! Noch nie gehört, hat es aber sofort auf Platz 1 in den Charts meiner Lieblingswörter geschafft, zusammen mit Liegrümchen im Fall meiner Schachteln und Täschchen. 😉
      Die Idee deiner Freundin ist sensationell, sowohl das „Fasten“ wie das Entsorgen. Zum Glück habe ich auch eine Freundin, die mir einiges abnimmt, weil sie Leute kennt, die es brauchen können. Perfekt. UND: Es gibt Ebay Kleinanzeigen. Die beste Erfindung aller Zeiten. Jedenfalls momentan.
      Danke für deinen Kommentar! 🙂

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  3. Ulli

    Der „Krempel“ eines Lebens, ja, der versteckt sich in Schachteln und Schubladen, gut wenn frau einmal wieder umzieht oder einfach den Winter nutzt, um auszusortieren, was ich ehrlich vorhabe …
    Guten Umzug dir mit leichtem Gepäck
    herzlichst
    Ulli

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    1. Anhora Autor

      Danke, Ulli! Zum Glück war das Gepäck nicht allzuschwer. Irgendwo bin ich nämlich schon minimalistisch, nur halt nicht wenn es um Schachteln geht.
      Ich unterstütze jedenfalls deinen Vorsatz, es mir nachzutun, also auszusortieren. Es ist herrlich. Hinterher. 😉

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  4. Hausfrau Hanna

    Voller Empathie,
    liebe Anhora,
    habe ich mitgelesen…
    Schubladen haben es in sich! Sind sie doch Sammelorte für wahre Schätze.
    Ich kann ebenfalls ein Lied singen. Mit mehreren Strophen…
    … habe ich doch letzte Woche geräumt und entsorgt (obwohl kein Umzug ansteht).
    Dennoch.
    Dein Bild mit den Schachteln, Döschen, Täschchen und Beuteln ist wunderschön 🙂

    Herzlichen Gruss und zieh gut und leicht um!
    Hausfrau Hanna

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  5. meertau

    *schmunzel*…… Diesen Prozess haben der Herzensmann und ich gerade hinter uns gebracht. Wirklich interessant, Waschanlage von sich selbst so findet. Ich finde es (im Gegensatz zum Herzensmann) erleichternd, die alten Schätzchen zu entsorgen. Ich bin nicht mehr die, die ich mal war. Wer ich mal werde, weiß ich noch nicht, aber der Platz für mich ist schon frei.

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    1. meertau

      Örks….. Die autokorrektur hat eine Waschanlage eingefügt, wo „was man“ stehen sollte.
      Irgendwie witzig :-).
      Offenbar zu früh, um am Handy Kommentare zu Pfriemeln…. vielleicht sollte ich erst meine Waschanlage aufsuchen und eine Tasse Kaffee bereiten 🙂

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    2. Anhora Autor

      Das ist ein wundervoller Satz: „Ich bin nicht mehr die, die ich mal war…“ usw. Es hilft mir gerade sehr angesichts des Chaos um mich herum (nicht nur vom Umzug). Genau diesen Satz habe ich gebraucht. DANKE! Bloggen ist so schön. 🙂

      Was es mit der Waschanlage auf sich hat, hast du ja schon geklärt. Ich musste grad lachen! 😉

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  6. wiycc

    Unwahrscheinlich, was sich so alles ansammelt, nicht wahr? Wenn nicht jetzt, dann ist es eben bei der nächsten Aktion dran (oder bei der übernächsten), wenn Sie es bis dahin immer noch nicht benutzt haben. Ich denke, manches braucht einfach seine Zeit.

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