Das Lichtlein

Wenn man sich in meinem Alter ein Bewerbungsgespräch vorstellt, dann schwingt der Gedanke mit: Das letzte Mal. Das letzte Bewerbungsgespräch, zu dem ich eingeladen werde, das aller, aller, allerletzte Mal. Ich habe nicht nur die Fünfzig überschritten – ich habe auch die Mittfünzig überschritten, also was solls, machen wir uns nichts vor: Wenn ich eine Stelle bekomme, werde ich bleiben bis zur Rente oder langzeitarbeitslos werden, denn in einem beruflich gesehen praktisch scheintoten Zustand wird mich nie wieder jemand einladen. So dachte ich zwar schon, als ich die Fünfzig hinter mir ließ und habe dann trotzdem noch eine neue Arbeit gefunden, aber nun wird es wirklich ernst.

Das ging mir durch den Kopf, als ich die Treppe zu einem Bürogebäude hochstieg und die Eingangstür öffnete, um mich dort vorzustellen. Ich habe nur eine einzige Bewerbung verschickt, weil ich ja immer hoffte, dass es an der bisherigen Stelle irgendwie weitergeht. Außerdem habe ich gerade einen Umzug hinter mir. Dieser eine Job hatte mich aber angesprungen, weil es wieder um Bildung geht, wenn ich nicht auf herkömmliche Art.

Was soll ich sagen? Das Gespräch lief wie am Schnürchchen, und am nächsten Tag bekam ich die Zusage.

Liabe
Liabe Leit,
Liabe Leit, ich
Liabe Leit, ich habe
Liabe Leit, ich habe wieder
Liabe Leit, ich habe wieder einen
Liabe Leit, ich habe wieder einen Job
!

Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo … ☼ … ein Lichtlein her.
😀

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37 Gedanken zu „Das Lichtlein

        1. Anhora Autor

          Die AA-Tanten meinen es zwar recht, aber was bei mir ankam, war schon niederschmetternd. Ich hab in dem Unternehmen einen guten Eindruck gemacht, das war nicht schwer herauszuhören. Das ich damit so gar nicht gerechnet habe, war wirklich das Werk des Arbeitsamts. Es gibt sie nämlich noch: Firmen, die nach passenden Mitarbeitern suchen und nicht per se nach jungen, hübschen Mädels! Gott sei Dank. 🙂

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  1. Ben Froehlich

    Schön, dass du etwas für dich gefunden, ganz besonders wenn es eine Richtung ist, die dir gefällt und nicht eben ein Job, den du noch zehn Jahre durchstehen müsstest. Ich möchte mich aber auch bedanken für den kleinen Einblick. Dieses ungute Gefühl, dass man eh nicht mehr für einen Job genommen wird, nicht etwa, weil man die Qualifikation nicht hat, sondern einfach nur, weil eine Zahl das sagt. Eine Zahl, die über dich entscheidet und dabei sagt diese Zahl so gar nichts über dich aus.
    Ich wünsche dir viel Spaß in der neuen Arbeit und ein gutes Team um dich herum.

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    1. Anhora Autor

      Vielen Dank, Ben! 🙂 Ich habe ein gutes Bauchgefühl mit dieser Arbeitsstelle, da auf den ersten Eindruck eine entspannte Atmosphäre unter den Mitarbeitern herrschte. Da das Ganze einen sozialen Hintergrund hat, wird es auch eine erfüllende Arbeit sein, selbst wenn sie nur im Büro stattfindet. Es ist trotzdem ein Dienst am Menschen, und in meinem Alter wird man sehr wählerisch, womit man seine Zeit verbringt. Ich freu mich jedenfalls und werde natürlich gelegentlich berichten. Ich freu mich vor allem auch, dass ihr euch mit mir mitfreut. 🙂

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  2. kaetheknobloch

    Hooooooooray! ~~~~~~~~~~~~~~~~~
    Verzeihen Sie bitte diese Freuhooration, es ist spät, ich bin müde, aber dieser Eintrag krawummst sich nochmal hulahuppend in die Aufmerksamkeit.
    Schönstsamstagsgrüße, Ihre Frau Knobloch, abwellend hoorayend… bis zum Psssstechtjetztlächeln.

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    1. Anhora Autor

      Ach Käthe, vor dieser Wortgewalt stehe ich wieder einmal zart zusammengeduckt da und wie immer kann ich nichts Gleichwertiges entgegensetzen. Aber das: DANKE für Ihr Hulahupp, ich stelle es mir gerade vor. *lach*

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      1. kaetheknobloch

        Entzartducken Sie sich bitte sofort, meine Liebe! Manche nennen es kauderwelschen, was ich da betreibe. Schwierig zu lesen sei es und entgegen jeder grammatikalischen Normform! Pah…
        Sie sich mir lachend vorzustellen, es ist ein schönes Bild, was vor dem inneren Auge erscheint. Ich grüße Sie herzvoll zugetan und verbleibe als die Ihre, Käthe Kauderwelsch, ähem, Knobloch.

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  3. waehlefreude

    Hey! Wirklich toll!
    Ich kann das mehr, als nur ein wenig nachvollziehen, denn ich bin über sechzig und habe einiges an Hartz IV „Erlebnissen“ hinter mir. Aktuell könnte sich noch ein Einsatz in der Flüchtlingsarbeit ergeben, doch selbst da sind die Chancen gering.

    Liebe Grüße,
    Frank

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    1. Anhora Autor

      Hallo Frank, ich wünsch dir so sehr, dass du eine Aufgabe bei den Flüchtlingen findest. Es fühlt sich einfach so gut an, wenn man etwas Sinnvolles tut. Es kann doch nicht sein, dass du nicht gebraucht wirst, zur Not machst es halt ehrenamtlich. Man lernt dann ja auch Leute kennen und wer weiß, was sich in der Folge ergibt. Ich wünsch dir alles Gute und halte fest die Daumen, dass es vorwärts geht. 🙂

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  4. waehlefreude

    Herzlichen Dank für den Zuspruch. Ehrenamtliche Tätigkeit kann eine gute Sache sein, muß es aber nicht unbedingt. Im Rheinland hat man meinen Einsatz in der Behindertenarbeit wenig wertgeschätzt, obwohl anfangs mit einem Job gewunken wurde.
    Hier in Marsberg gibt es die Bürgerhilfe, die sich vereinsmäßig organisiert hat. Diese Struktur gefällt mir sehr viel besser, weil das eigenständig ist.
    Ich sehe schon noch Aufgaben für mich. Aufgaben und Eingebundensein sind wichtig.

    Liebe Grüße,
    Frank

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  5. Hausfrau Hanna

    Ich las (atemlos fast ) mit,
    liebe Anhora,
    und dann sah ich ganz am Schluss den Wortweihnachtsbaum. Der dazu noch auf einem !-Zeichen steht.
    Jetzt freue ich mich einfach an diesem SONNtagmorgen und schicke dir unter dem Hochnebel einen herzlichen Gruss zu
    Hausfrau Hanna

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    1. Anhora Autor

      Liebe Hausfrau Hanna, es ist ja auch wie ein Weihnachtsgeschenk, da darf man ruhig einen Weihnachtsbaum posten, auch im Oktober. 😉
      Danke fürs Mitfreuen, und ein herzlicher Gruß aus dem warmen Zimmer mit Blick auf kalten Nieselregen!

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  6. meertau

    WUNDERBAR!!!
    ich freu mich so sehr über Ihre Zeilen und freu mich so sehr für Sie….(unbekannterweise…. witzig irgendwie).
    und ich freu mich, weil es den Statistiken widerspricht und weil es einer 55jährigen Freundin von mir auch gerade so ging…. heurio, sekt, konfetti und luftsprünge!

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    1. Anhora Autor

      Du darfst alles fragen! 🙂 Ja, es ist eine sozialversicherungspflichtige Festanstellung, aber unter 2000 EUR, da es nur in Teilzeit ist. Später soll aufgestockt werden. Ich werde also vorerst weiter freiberuflich Übersetzungen machen, damit darf ich übers Jahr aber nicht mehr als das Festeinkommen verdienen. Dann muss ich keine Sozialversicherungen für das freiberufliche Einkommen zahlen. Man spart also Geld.

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