Höllagluat – Deifelsbruat

Narrensprung: Gruselige Larven, dämonische Häser, extrem-mundartliche Narrenrufe – die kleinsten Käffer haben oft die schönsten Ideen, um Figuren und Geister aus finsteren Legenden wiederzubeleben – schwäbisch-alemannische Fasnet eben. Doch die größte Aufregung sind diesmal nicht die Narrengruppen und Fanfarenzüge, sondern es ist ein Feuerwehreinsatz, bei dem zwei große Einsatzwagen mit Blaulicht durch den Umzug pflügen.

Das Gelächter und Gehopse der Zuschauer kommt zum Erliegen und jeder scheint zu überlegen, ob dies ein lustiger Einfall der Organisatoren ist oder ob es brennt. Ein Stück weiter vorne bleiben die Fahrzeuge nun stehen. Ein paar Leute fangen an, hinterherzuschlendern, da schreit eine Frau neben mir: „Jetzt rennen die alle da hin zum Gaffen, das darf ja nicht wahr sein!“
Auch der geliebte Brite – er versteht die Frau natürlich nicht – hat es plötzlich eilig, zu den Wurstständen zu kommen, die zufällig genau hinter der Einsatzstelle sind.
„Wollten wir nicht erst nach dem Umzug essen?“ wende ich zögernd ein.
Doch es gibt kein Halten, er steht schon auf der Straße und marschiert los. Verschämt dackle ich hinterher, vorbei an der Frau und den Umstehenden, die sich im Moment nicht mehr rühren und wohl einen inneren Kampf zwischen Moral und Neugier austragen.

Den Rest sehen wir aus der Perspektive des Wurststands. Die Feuerwehrautos ziehen wieder ab und ein paar letzten Narrengruppen hüpfen vorbei, dann ist das Spektakel zu Ende. Ich halte meine Currywurst wie ein Banner vor mich hin für den Fall, dass die Frau einen Kontrollgang macht. Wir hatten wirklich Hunger. Es war nicht wegen des Feuers.

Später erfahren wir, dass eine Hexengruppe mit ihren Rauchbomben zu nahe an das Alarmsystem der Kreissparkasse geraten war. Fehlalarm.

 

Der Narrenruf „Höllagluat – Deifelsbruat“ (Höllenglut – Teufelsbrut) gehört übrigens zur Narrenzunft in Schlier, „Breisgau – Ofaloch“ den Plätzlern in Weingarten, wo wir gestern waren. Doch für mich gibt es natürlich nur den einen: Kolba hoch – Verio!
Die Ravensburger Hexen waren gestern aber woanders unterwegs.

Ein Häs besteht aus einer handgeschnitzten Holzmaske (auch Larve genannt) und einem Narrenkleid, das komplett von Hand hergestellt wird.  Kein Häs gleicht dem andern, und wer Mitglied in einer Narrenzunft ist, trägt sein Häs ein Leben lang. Natürlich nur während der Fasnet.

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10 Gedanken zu „Höllagluat – Deifelsbruat

    1. Anhora Autor

      Die Fasnet hat tatsächlich einen wilderen und furchteinflößenderen Hintergrund. Ist ees nicht toll, wie unterschiedlich das Brauchtum in den verschiedenen Regionen ist und dass es überall hochgehalten wird? Das ist nicht in allen Ländern so!

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    1. Anhora Autor

      Ja was! Das ist ja nicht so weit weg von hier – und du warst sogar bei Narrensprüngen dabei?! Heideblitz, davon träumt ja jeder richtige Oberschwabe. Mir wars immer zu teuer mit dem Häs und auch zu anstrengend. Aber wenn man dann am Straßenrand steht… möcht man doch am liebsten mitjucken! 🙂

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      Antwort

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