Behandlungsprogramm

Neulich beim Hausarzt: Der Sohn ist in das ihm zugewiesene kleine Kabuff gehumpelt und eine ältere Helferin folgt ihm. Während sie den Verband von seinem Fuß löst, schildert sie wortreich die chirurgischen Eingriffe in ihrer eigenen Krankengeschichte.

Eine weitere Assistentin kommt hinzu, stellt Werkzeuge und Verbandsmaterial zusammen, prüft Unterlagen. Wir kennen sie aus der Zeit, als sie bei unserem Kinderarzt arbeitete. „Da warst du noch ein Knirps“, plaudert sie fröhlich. 25 Jahre ist das her.

Die Ärztin tritt ein. Sie betrachtet die Wunde, spricht über Nachbehandlung und Schmerzen, am Knochen tue es eben besonders weh.

Nun fordert das hübsche, blonde Mädchen von der Rezeption Einlass in das Zimmerchen. Sie wird von den bereits anwesenden Damen sofort wieder verscheucht, wohl wegen Überfüllung.

Die beiden Helferinnen haben sich derweil rechts und links vom Sohn positioniert und halten seine Hand, seinen Fuß, beruhigen ihn, denn … es ziept ein bisschen. Die Ärztin hält wieder und wieder die Pinzette mit einem Fädchen hoch, als wäre es ihre persönliche Bestleistung.

Der Sohn ist still geworden. Das geschieht nicht oft und ich mache mir Sorgen, doch wahrscheinlich ist es selbst ihm zu viel Bemutterung. Die Einzige, die ihn eventuell hätte interessieren können, wurde ja nicht hereingelassen.

Alle drei Frauen verrichten also ihre Arbeit, plappern durcheinander und trösten den jungen Mann, als würde man ihm das Bein abnehmen. Auch ich bin nicht besser und werfe ständig Blicke durch den Türspalt, ob auch alles richtig gemacht wird da drinnen.

Es liegt am Sohn. Er zieht das an. Es war schon immer so.

Fuss-OP

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6 Gedanken zu „Behandlungsprogramm

  1. Hausfrau Hanna

    Vier Mütter,
    liebe Anhora,
    waren dann wohl drei zuviel … 😉
    Na dann!
    Ich wünsche deinem Sohn, dass er diese Ausstrahlung und Anziehungskraft behält, auch wenn er wieder gesund und belastungsfähig ist:
    Wir Frauen mögen das 🙂

    Herzlichen Gruss an euch beide
    Hausfrau Hanna

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    1. Anhora Autor

      Der Sohn sitzt gerade neben mir und ich soll dir viele Grüße ausrichten. Er habe keinerlei Zweifel daran, dass er seinen Charme niemals verliert. Ich eigentlich auch nicht. 🙂
      Lieber Gruß von der wahren und einzigen Mutter!

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  2. sylviawaldfrau

    Ja, er hat schon einen besonderen Charme. Dass ihn die vielen Frauen verunsicherten wundert mich allerdings. Oder hat er die Luft angehalten, da es so schmerzhaft war? Hoffe dass ihm das bald einmal erspart bleibt. Umarmung von der Waldfrau

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    1. Anhora Autor

      Ich wunderte mich auch, dass es ihm die Sprache verschlagen hat! Aber es war ein sehr kleines Zimmer, viele Frauen um ihn herum, keine in seinem Alter, und tatsächlich tuts auch weh, der Fuß. War wohl ein bissel too much. 😉
      Liebs Grüßle, A.

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      Antwort

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