Vom Inneren und Äußeren

Manches im Leben lässt sich nicht sagen. Manches lässt sich nicht zeigen und glaubhaft machen. Wenn ein Mensch aber stirbt, kann es noch einmal eine Kommunikation geben, und dann wird alles klar. Das kann heilend sein, bei mir jedenfalls, nach dem Tod meiner Mutter. Ich überlege gerade, warum es im Leben nicht ging. Ich habe ja nichts Neues erfahren, als sie gegangen war. Es ist nur etwas weggefallen. Es ist, als ob ihr ein schwerer Mantel abgenommen worden wäre, und da sah ich das goldene Kleid mit den Herzen darauf. Sie trug es wohl schon immer.

Eins habe ich gelernt seither: Man kann einen Menschen auch anders sehen. Man kann ihn sich vorstellen, als verstellte nichts Äußeres die Sicht. Doch dieser Blick fällt auch wieder schwer, denn womöglich müsste man dann verstehen oder – schlimmer noch – verzeihen.  Das bringt die Dinge durcheinander, und drum will ich es auch nicht wissen. Nicht bei allen jedenfalls.

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15 Gedanken zu „Vom Inneren und Äußeren

    1. Anhora Autor

      Das freut mich, liebe Frau Landgeflüster! Gerade auch wenn die Themen einmal nicht locker flockig zu lesen sind. Das Leben ist eben bunt.
      Auch dir wünsche ich ein schönes Fest und bunterkunte Ostereier! 🙂

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    1. Anhora Autor

      Stimmt! Ohne kantige Berge keine lieblichen Täler. Es ist aber eine Gratwanderung, um bei dem Beispiel zu bleiben, die Hürden des Lebens im Blog zu teilen. Jeder hat ja sein eigenes Päckchen zu tragen und leicht daherkommende Texte kommen besser an, verständlich. Aber meine Erfahrung mit dem Tod meiner Mutter beschäftigt mich einfach, immer noch.

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      1. altesweibsbild

        Gratwanderung…..hm, mag sein, aber doch nur, wenn es dir in erster Linie um Leserzahlen, nicht aber, wenn dein Seelenheil die Antriebsfeder ist…..und gerade wenn uns etwas so sehr beschäftigt, möchte es einfach aufgeschrieben werden…..ebenso wird es auch immer Leser geben, die sich wiedererkennen in deinen Worten, vielleicht sogar ein Gefühl von Dankbarkeit erleben, dieses AHA-Gefühl nicht allein mit „schweren“ Themen zu sein…..natürlich trägt jeder sein eigenes Päckchen, aber oft genug gibt es auch Widererwarten eine helfende Hand beim tragen…..

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        1. Anhora Autor

          Danke für deine lieben Worte. Sicher sind hohe Leserzahlen nett, aber nicht der Zweck meines Blogs. Deshalb schreibe ich ja gelegentlich auch über schwerere Themen, und heute am Karfreitag kann man sich das sowieso erlauben, dachte ich. Andererseits möchte ich auch nicht deprimierend wirken auf meine Leser. Wie gesagt, jeder schleppt sein eigenes Ding mit sich herum und wenn ich sie ablenken oder zum Lachen bringen kann, ist mir das nur recht. Aber man kann nicht jeden Tag lustige Texte schreiben. Es ist wie du sagst: manchmal muss man etwas loswerden, weil es von selbst nicht weggehen mag. Die helfenden Hände habe ich hier schon öfters erfahren dürfen. Das ist das Schönste überhaupt: Zu wissen, dass man nicht alleine ist. 🙂

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          1. altesweibsbild

            Genau, unser Blog ist UNSER Wohnzimmer und da bestimme ich allein, worüber ich erzählen möchte, kann oder eben auch erzählen muss, weil ES einfach raus muß 😀 und das bedient von lustig über nachdenklich bis traurig eben schon mal die komplette Gefühlswelt…..

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  1. Stef

    Danke dafür, dass du diese Gedanken weitergibst! Vor drei Jahren ist mein Vater gestorben – seither habe ich in Gedanken mit ihm wohl viel mehr geredet, als sein ganzes Leben lang. Manchmal macht es mich sehr, sehr traurig, alles, was nie gesagt worden ist. Aber ich denke, es wäre wohl sowieso nie gesagt worden im Leben. Viel zu kompliziert war das Verhältnis zwischen uns. Vielleicht ist es ja das, was bleibt – die guten, alles verzeihenden Gedanken …
    Schöne Osterfeiertage in den Süden.
    /Stef.

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    1. Anhora Autor

      Danke für diessen Kommentar! Dann geht es anderen also auch so.Diese Nachtod-Erfahrung als Überlebende ist für mich immer noch krass. Auf einmal wird alles einfach, was vorher nie einfach war.
      Von hier aus ebenso schöne Ostergrüßle zu euch in den Norden!

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  2. sylviawaldfrau

    Ich denke wenn Dinge nicht wirklich ausgesprochen oder verarbeitet sind, dann kommen diese wieder hoch. Deine Mutter hat wohl immer ihre Liebe zu dir in sich getragen, aber sie konnte sie nicht so zeigen und leben, vielleicht weil sie selbst als Kind nicht die Liebe der Eltern gespürt hat. Den Schmerz darüber, den konntet ihr nicht aussprechen und sie nun so zu sehen ist eine Art zu verzeihen und Frieden zu finden.

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    1. Anhora Autor

      Ja, Sylvia, so ist es wohl gewesen, und nun haben wir überraschend so einen tiefen Frieden miteinander gefunden. Eine unglaubliche Erfahrung. Aber sie lässt sich nicht auf (noch) Lebende übertragen. Irgendetwas oder jemand anderes spielt da noch eine Rolle.

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  3. Marco

    ‚Nachtod-Erfahrung‘ was eine passende Beschreibung für dich. Ich merke wie Dir Oma noch immer nicht so richtig aus dem Kopf will. Aber dass muss sie auch nicht. Oma wartet im Himmel auf uns alle und – da bin ich mir ganz sicher – dort hat sie das goldene Kleid mit dem Herzen an.
    Mit gegenüber hatte sie das schon immer an. So hab ich die Oma in Erinnerung und deswegen werde ich sie im Himmel, wie ich sie im Kopf habe, wiedersehen.
    Darauf freue ich mich, auch wenn noch lange hin.
    Ruhe in Frieden Oma!
    Küssle an Anhora, hab dich lieb 🙂

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    1. Anhora Autor

      Hey, was für eine schöne Überraschung, dass du mich hier besuchst, und danke für deinen Kommentar. Ich hab dich auch sehr lieb! 💕
      Natürlich geht mir Oma nicht aus dem Kopf, sie ist ja meine Mutter. Ich will es genau wie du sehen: Irgendwo wartet sie auf uns, und sie hat ein tolles Kleid an. 🙂
      Umarmu

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    2. Anhora Autor

      Hey, was für eine schöne Überraschung, dass du mich hier besuchst, und danke für deinen Kommentar. Ich hab dich auch sehr lieb! 💕
      Natürlich geht mir Oma nicht aus dem Kopf, sie ist ja meine Mutter. Ich will es genau wie du sehen: Irgendwo wartet sie auf uns, und sie hat ein tolles Kleid an. 🙂

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