Abgewinkelt

Noch im 20. Jahrhundert saßen die Menschen beim Gottesdienst nach Geschlechtern sortiert: Männer im rechten, Frauen im linken Kirchenschiff. Die Hardcore-Version dieser Praktik sah ich kürzlich in der evangelischen Stadtkirche in Freudenstadt. Da haben die Gläubigen auf der einen Seite zu den Gläubigen auf der andern noch nicht einmal Blickkontakt.

Bei dem Gebäude handelt es sich nämlich um einen Winkelhakenbau. Also: Die Kirche ist ums Eck gebaut. Sie hat einen L-förmigen Grundriss, zwei Türme und markiert die südliche Ecke eines weitläufigen Marktplatzes. Im Inneren sind die beiden Kirchenschiffe um 90° abgewinkelt, und während der Messe hat nur der Pfarrer, der im Altarraum genau am Schnittpunkt steht, alles im Blick.

Jüdische und muslimische Glaubensgemeinden feiern ihre Gottesdienste noch heute nach Geschlechtern getrennt. Man sagt, dass man so bei der Andacht weniger abgelenkt wird. Oder dass man sich in der eigenen Gruppe energetisch besser aufladen kann – der esoterische Ansatz. Was nun stimmt und ob es überhaupt einen Unterschied gibt, wissen vielleicht die Älteren unter uns. Vor allem die aus Freudenstadt.

© Gunther Seibold, Verlinkung von der Webseite www.kirchbau.de

Und ein paar eigene Bilder:

 

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31 Gedanken zu „Abgewinkelt

  1. sylviawaldfrau

    Früher habe ich das noch selbst erlebt, aber vor allem in ländlicher Gegend und eigentlich nur noch in katholischen Kirchen. In der evangelischen kirche war das in meiner Jugendzeit nicht mehr üblich. Später bin ich nur noch außerhalb der Gottesdienste in Kirchen gegangen.

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    1. Anhora Autor

      Ich bin auch katholisch und habe die Geschlechtertrennung nicht mehr so richtig erlebt. Allerdings saßen rechts mehr Männer und in der Mitte/links mehr Frauen. Zumindest erinnere ich mich so.

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  2. Hausfrau Hanna

    Ähnlich war das früher auch auf im engen Tal auf dem Land, wo ich aufgewachsen bin,
    liebe Anhora,
    ich erinnere mich, dass die Frauen unten im Chor sassen. Und die (alten) Männer oben auf der Empore.
    Ob deshalb, weil sie dort näher ‚bei Gott‘ waren oder ungestört einnicken konnten, lasse ich jetzt offen… 😉

    Sonntäglichen Gruss
    Hausfrau Hanna

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    1. Anhora Autor

      Wenn überhaupt, kenne ich nur die Rechts-Links-Sitzordnung. Oben-unten hab ich in christlichen Kirchen noch nie gesehen. Das ähnelt ja jüdischen/muslimischen Gottesdiensten, nur dass da die Frauen auf der Empore sitzen. Schweizer halt … nie der Mainstream. 😉

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  3. Zoé

    An die Teilung der Geschlechter dachte ich heute in unserer vollen Kirche auch. Bei uns war heute Einsegnung und Konfirmation (Konfirmation für die bereits getauften, Einsegnung für die Ungetauften) und die Kirche war viel voller als sonst. Da habe ich mir vorgestellt, wie es wäre, wenn Frauen und Männer noch getrennt säßen. Irgenwie wie im Supermarkt: Erdbeerkonfitüre neben Erdbeerkonfitüre, Orangenmarmelade neben Orangenmarmelade, doch was macht man dann mit den exotischen Sorten wie Passionsfrucht und Holunderblüte?

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        1. Anhora Autor

          I hon gwisst du verschdohschd mi! 😉 Solche Freind muss mr sich warmhalta, vor allem well d’Köchin a Italienere isch. Do schmeckts no besser. Nächschtes mol nimm i au a Tupperschüssele mit, des hon i heit vergessa. Aber mir hend so viel kriegt, dass des guat für morga au no hebt. 😉

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            1. kaetheknobloch

              Liebe Anhora und ebenso Frau Mauswohn, obgleich ich Sie noch net so kenne:

              An mein Herz! Alle beide! Obgleich ich selbst mir schwäbisch zu kommentieren nie anmaßen würde, klingt es dennoch wie Musik in meinen Lauschläppchen. Habe mir Ihre sämtlichen Kommentare laut vorgelesen und Schwäbisch Haller Zwischenheimat- Gefühle bekommen. Danke dafür, das war mir ein Vergnügen.

              Grüße aus dem lieblichen Lipperlandien, Ihre Käthe Knobloch, oifach subber schwobaentzückt.

              PS: … und darob die Kirche umme Ecke weggedenkt…

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            2. Mallybeau Mauswohn

              Liebe Kaetheknobloch!
              Bisher habe ich auch nur mit der lieben Anhora auf schwäbisch gschwätzt, weil es eben doch nicht jeder versteht, aber s macht halt scho Schbaaaaß. Ich werde weiterhin meine Kommentare bei Anhora auf schwäbisch verfassen und freue mich, wenn Sie mit von der Partie sind, ob nur lesend oder auch schreibend.
              Herzliche Grüße von der Schwäbischen Alb
              Mallybeau Mauswohn
              P.S.: Auch Sie lade ich ganz herzlich ein, auf meinem Blog bloghuettenalm.wordpress.com vorbeizuschauen. Bisher noch nicht auf schwäbisch, aber des ka sich ja no ändra… 🙂

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            3. Anhora Autor

              Liebe Käthe, dankschee für diesen netten Kommentar, i freu mi saumäßig! Genau genommen geht mir grad s’Herz auf. 🙂
              Schade nur, dass ich es nicht hören konnte, als Sie unser unverständliches Gebrabbel laut vorgelesen haben. Ich dachte gar nicht, dass das irgendjemand außer Frau Mauswohn liest, geschweige denn versteht. Respekt! 😉

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            4. kaetheknobloch

              Ach, ich bin doch nur ’ne Neigschmeggte, liebe aber das Schäbische noch immer. Sprache wie das Essen. Von dem her mußte ich das laut lesen, meine liebe Anhora, wegen des Entzuges. Und demnächst gibt es Maultäschle, gschmelzte natürlich mit Ei.

              Vergnügte Grüße in die Runde, stets die Ihre. Und zugeneigt, versteht sich.

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            5. Anhora Autor

              Da brauchen Sie wohl einen Auffrischkurs, aber dabei können Frau Mauswohn und ich natürlich gerne behilflich sein. 🙂
              Schön, dass es Ihnen im Ländle gefallen hat, i froi mi! 🙂

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  4. Nicole

    In der Schweiz, im Kanton Graubünden ist es z.T. noch heute üblich, dass in manchen Kirchen Frauen und Männer auf getrennten Seiten sitzen. In einer Kirche sah ich sogar, dass auf der Frauenseite die Bänke keine Lehnen hatten. Dies hatten die Frauen so gewünscht, damit sie sich nicht die Trachten an den Lehnen kaputt machen.

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    1. Anhora Autor

      Gerade hatte ich angesetzt zu einem „Wie bitte???“ wegen der fehlenden Lehnen. Aber gut, in diesem Fall ist es etwas anderes. Tragen die Frauen denn jeden Sonntag die Tracht? Oder schraubt man bei Bedarf die Lehnen ab? Auf jeden Fall ist es eine interessante Info, danke dafür! 🙂

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  5. Nicole

    Ist nur eine ganz kleine Kirche in einem kleinen Dorf, und das war in den 90 er Jahren. Vielleicht ist es heute schon anders. Aber früher war er dort schon noch Tradition, in der Tracht die Kirche zu besuchen.

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