Glaubenssache

Letzte Woche in Liverpool: Beim Empfang nach der Trauerfeier für meine Schwiegermutter sitze ich eine Weile neben einer sympathischen jungen Londonerin. Sie ist indischer Abstammung und fährt noch am Abend zurück, denn heute sei der wichtigste Tag des Durga-Puja-Fests. Dabei feiert man neun Tage lang den Sieg der Göttin Durga über einen Büffel-Dämon. Wenn ich es richtig verstanden habe, trifft man sich abends zu traditionellen Tänzen und das Ganze ist eine große Party. Die junge Frau ist Hindu, und in ihrer Religion gebe es ständig Partys, sagt sie lachend.

Ich erfahre auch von einem kleinen Schrein bei ihr zu Hause mit verschiedenen Gottheiten, die täglich verehrt werden sollen. Dazu wiederholt man für jeden Gott ein bestimmtes Mantra. Sie mache das nicht jeden Tag, sagt sie, aber so oft wie möglich. Es sei eine wertvolle Inspiration für den Alltag. So geht Religion also in anderen Kulturen. Fast möchte man zu dieser bunten, lebensbejahenden und spirituellen Weltanschauung konvertieren.

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Aber: Frauen stehen im Hinduismus weit unten in der Wertskala. Um aus dem Kreislauf der Wiedergeburten erlöst zu werden, müssen sie erst als Männer wiedergeboren werden. Bis dahin ist es ihre vornehmliche Aufgabe, dem Ehegatten zu dienen. Durch diese Geringschätzung werden Frauen in Indien noch heute viel zu oft unterdrückt, vergewaltigt und ermordet.

Also werd ich doch keine Hindu. Mit der christlichen Nächstenliebe und ohne viel Kirchen-Kladderadatsch lebt es sich nämlich auch sehr gut. Selbst als Frau.

10 Gedanken zu „Glaubenssache

  1. Ulli

    Na ja, liebe Anhora, lange Zeit kam im Christentum die Frau aber gar nicht gut weg, sie war die Erbsündenträgerin und Schuld an allem Übel, auch in christlichen Haushalten hatte und hat die Frau zu dienen und Kinder zu gebären. Mag sein, dass es sich verändert hat, aber so war es noch zu meiner Kinder- und Jugendzeit …
    liebe Grüsse
    Ulli

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    1. Anhora Autor

      Liebe Ulli, deshalb merkte ich ja an: Ohne den kirchlichen Kladderadatsch! Was die Kirche aus dem Christentum gemacht hat, hat nichts mit dem Glauben zu tun, wenngleich mich der jetzige Papst zum Umdenken bringt. Aber grundsätzlich geht es mir darum, was Jesus gesagt und vorgelebt hat. Ihm ging es um die Liebe, und er hatte sicher nichts gegen Frauen und sah sie auch nicht als Dienstmägde. 🙂

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      1. Ulli

        Das weiss ich nicht, aber du hast recht, wenn du die Lehre von der Institution abkoppelst! Das ist bereichernd, wie inspirierend, so, wie das Leben des heiligen Franz von Assissi, der jetzige Pabst wandelt auf seinen Spuren und das ist eine Änderung, die ich nur gutheissen kann! Aber auch er ist nicht wirklich frei und das ist dann wieder die geschcîchte der Institutionen, der Regeln und Gesetze und Hierarchien … die sich „eigentlich“ auch schon überholt haben-

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        1. Anhora Autor

          Für mich zählt beim Glauben nur die Botschaft, und die heißt für mich: erstmal das Gute in den Menschen zu sehen (ich werde fast immer fündig), Hilfsbereitschaft, aufeinander zugehen. Nächstenliebe eben, es sei denn ich mag mich grad selbst nicht. Dann muss ich auch andere nicht mögen, ein geniales Konzept!
          Dazu brauch ich keine Vorbeter oder Hierarchien, aber in die Kirche geh ich trotzdem manchmal, ich mag die Stille und Kontemplation.
          Ich glaube auch, den christlichen Frauen ging es nie so schlecht wie vielen hinduistischen. Schade, dass die Frauen dort so wenig gelten. Die Religion an sich ist ja sinnlich und lustvoll, irgendwie passt das nicht recht zusammen.

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          1. Anhora Autor

            Tatsächlich gab es im Hinduismus früher Witwenverbrennungen, weil eben eine Frau ohne Mann kein Daseinsrecht hatte. Ich glaube wir sind uns einig: Den Frauen ging es in den höheren Kulturen nie gut in der Vergangenheit. Wen es schlimmer traf – darüber will ich gar nicht nachdenken. Ich sehe aber, dass es gegenüer Frauen in modernen christlichen Ländern weniger körperliche und seelische Gewalt gibt als in anderen, nicht-christlichen Ländern. Also kann nicht alles falsch daran sein. 🙂

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  2. Mallybeau Mauswohn

    Liebe Anhora!
    Ja, do hosch rächt! I kann au aus eigner Erfahrung saga, dass mr als Kuh au ganz gut über d Runda kommt. In Indien send se zwar glaub sogar heilig, aber werdet dort au et so gut bhandelt. Do bleib i schee im Ländle. Do hemmr älles, was mr brauchet. I brot mr jetzt n Landjäger… 🙂
    Machs guat, i wünsch dr no an schena Obnd
    Grüßle
    Mallybeau

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    1. Anhora Autor

      Liebe Mallybeau, in Indien täts dir gut g’falla, weil di koiner esse däd! Hindus esset koi Rind. Aber du hoffentlich au net, oder was isch in deim Landjäger drin?
      Wie au immer – i wünsch dir an gute Abbedid und an scheena Obnd! 🙂

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      1. Mallybeau Mauswohn

        I woiß gar et, was im Landjäger denna isch, i wills liebr gar et wissa. I han amol ghert, dass die Hindus zwar koi Rind essat abr dene Viechr au et viel zom essa gäbet ond dass die scho au am vrhungra sind, i bleib liebr hier 🙂
        Mahlzeit!

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