Fragen und Antworten

Neulich im Zug: Eine Frau erläutert ihrem Begleiter vernehmlich die Zugverbindungen und Anschlussmöglichkeiten einer bevorstehenden Reise. Sie nennt Kosten, Ankunftszeiten, Gleisnummern, wägt ab, spielt andere Möglichkeiten durch, entscheidet sich dann doch für den ersten Entwurf. „So machen wirs“. Der Mann, der neben ihr sitzt, sagt „Mhm“.

Beim kurzen Blick über die Schulter sehe ich eine Frau in eisblauer Steppjacke, die jetzt hochzufrieden zum Fenster hinaus blickt. Als habe ihr wichtigste Aufgabe darin bestanden, eine Bahnreise ordentlich zu planen, und das ist gemeistert. Wahrscheinlich kennt sie auch die günstigste Kfz-Versicherung, steuerlich abzugsfähige Ausgaben und den besten Bratwurststand auf dem Wochenmarkt. Sie ist so eine (jedenfalls wirkt sie so auf mich), die Antworten hat auf die Fragen des Lebens und ich weiß nie so recht, was ich davon halten soll.

Ich bin bei solchen praktischen Anforderungen jedenfalls eine ziemliche Flasche. Es begeistert mich nicht, über Derartiges Bescheid zu wissen, in der Steinzeit wäre ich glatt ausgestorben. Aber ich kann ausführlich über die Bedeutung eines vereinten Europas sprechen oder über die Chancen einer vielseitigen Gesellschaft, auch wenn nicht jeder einen Sitzplatz in ihr gebucht hat. Was die Frau hinter mir darauf wohl für Antworten hätte?

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24 Gedanken zu „Fragen und Antworten

  1. Hausfrau Hanna

    Eine Situation,
    liebe Anhora,
    hast du da beschrieben, wie ich sie mag (und die mich manchmal besser unterhält als ein Theaterbesuch…) : Dieses Mitanhören ganz praktischer Lebensweisheiten im ÖV.
    Wo der beste Bratwurststrand auf dem Markt steht etwa…;-)

    Was die Bildrechte betrifft, da habe ich jetzt ganz schön gestaunt.
    Und werde künftig genauer darauf achten.

    Herzlichen Gruss in den Sonntag
    Hausfrau Hanna

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    1. Anhora Autor

      Liebe Hausfrau Hanna, ich lese ja auch sehr gern deine Berichte von „Zwischen zwei Haltestellen“. Du hast Recht: Es kann ein Ratgeber sein, ist aber auf jeden Fall ein Stück Zeitgeist. 🙂
      Was Urheberrechte betrifft: Das Recht am Bild und auch Text (Gedichte sind z.B. auch heikel, wenn der Autor nicht schon 70 Jahre tot ist) – da mag es in der Schweiz anders sein. Ich würde mich aber erkundigen, sonst kanns u.U. teuer werden. Das wollnwer net. 😉
      Hab noch einen schönen Sonntag! 🙂

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    1. Anhora Autor

      Natürlich nicht! Aber ab einer Gruppe von mindestens 7 Personen muss man auch nicht fragen, und die Gesichter sind ja nicht so deutlich, dass man eine Person zweifelsfrei identifizieren könnte. Und: Ich hab die Aufnahme in London gemacht, die sehen meinen Blog sowieso nicht. 😉

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        1. Anhora Autor

          Ich lese das Gesetz schon, jedenfalls das Urheberrecht. Will ja keine Probleme kriegen und auch niemands Rechte verletzen. Der einzige Angriffspunkt bei meinem Bild wäre, dass die Menschen den hauptsächlichen Bildinhalt bilden und nicht irgendein Gebäude oder so, vor dem sie sich aufhalten. Da die Gesichter aber nicht klar identifizierbar sind, würde ich einen Prozess wahrscheinlich gewinnen. 😉

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            1. Anhora Autor

              Obwohl er die Frau von hinten fotografiert hat?? Damit ist sie ja nicht identifizierbar, außerdem ist Fotografieren ja nicht verboten, nur das Veröffentlichen. Versteh ich nicht.

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            2. Carrie Shawl

              Und ich kann es verstehen, dass Menschen dagegen vorgehen. M. E. sollte das noch viel mehr gemacht werden, denn es nimmt immer mehr zu, dass Menschen andere Menschen einfach so fotografieren und das veröffentlichen. Die Grenzen werden immer mehr aufgeweicht. Ich selbst verlangte schon häufiger die Löschung. Es ist unglaublich, wo ich schon überall fotografiert wurde. Es scheint dahingehend kein Empfinden für den Wunsch nach Privatsphäre des anderen Menschen zu geben. Gesichtserkennungssoftware macht das Ganze immer transparenter. Somit ist die Abgrenzung „das war nur in London und wird hier nicht gelesen“ totaler Quatsch. Auch soll es etliche Deutsche geben, die von Zeit zu Zeit London besuchen. Habe ich so gehört…

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            3. Anhora Autor

              Liebe Carrie, ich bin ganz deiner Meinung, deshalb habe ich auch noch nie hier ein Bild gepostet, auf dem fremde Personen in Großaufnahme zu sehen ist, bzw. wenn doch, dann waren es Bekannte von mir, die ich gefragt habe. Aber Menschengruppen aus der Ferne gibt es gelegentlich, das ist selbst in Deutschland auch erlaubt.
              Das Bild in diesem Post entstand wie gesagt in London, dort ist es zulässig, Menschen auf öffentlichen Plätzen zu fotografieren und die Bilder zu verwenden. Aber auch da würde ich kein Bild posten, wenn Gesichter klar zu erkennen sind. Wie du bin ich der Meinung, dass jeder das Recht auf Privatsphäre hat.
              Wie hast du denn festgestellt, dass Bilder von dir selbst irgendwo veröffentlicht worden sind? Ich wüsste gar nicht, wie ich das anstellen soll.

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            4. Carrie Shawl

              Ich habe die Bilder auf der Homepage eines Veranstalters entdeckt oder auf Facebookseiten. Dort hatte mir das die Gesichtserkennungssoftware von Facebook angezeigt, dass ein Bild von mir hochgeladen wurde. Es ist erschreckend, wie gut die funktioniert. Man kann das auf Facebook einstellen, das man gewarnt werden möchte.

              Aber ich habe auch schon Leute auf der Straße angesprochen und auf die sofortige Löschung der Fotos bestanden. Die Löschung habe ich mir auch immer zeigen lassen. Und es zeigte sich, dass ich immer recht hatte. Ich war in Nahaufnahme fotografiert worden, obwohl das Gegenteil behauptet wurde (man bezog sich auf dieses Gruppenfotoding).

              Vor kurzem bin ich in einer Ausstellung von der Pressetussi fotografiert worden, alleine von der Seite. Das sollte in ein Prospekt. Das muss man sich mal geben! Heute wird man einfach nicht mehr gefragt, da wird einfach gemacht und keine Rücksicht darauf genommen, ob man das will.

              Das für mich Schlimmste war ein Foto, während ich in einer Kirche eine Kerze anzündete. Das mag für diejenige ein toller Schnappschuss gewesen sein, für mich war es pietätlos.

              Aus dem Grunde konnte ich verstehen, dass sich die Frau lt. dem vorherigen Posting gewehrt hat. Man wird heute einfach nicht mehr in Ruhe gelassen.

              Ja, ich weiß, dass Gruppen fotografiert werden dürfen, aber müssen sie es immer? Muss man überall fotografiert und gefilmt werden?

              Verstehe mich nicht falsch, wenn es nur wenige, wirklich ambitionierte Fotografen von mir aus auch Hobbyfotografen machen würden, dann wäre mir das noch egal, aber inzwischen bekomme ich sogar im normalen Linienbus die Kamera vor die Nase gehalten, so dass ich es nicht mehr witzig finde.

              Und auch die Medien werden immer penetranter. Wie oft ich aus einer Veranstaltung kam und davor lauerte schon ein komplettes Kamerateam und man bekam gleich ein Mikro vor die Nase, willst du sicher gar nicht wissen.

              Mittlerweile kann ich eine Naomi Campbell voll verstehen, mir wäre auch manchmal danach jemandem die Kamera durch das Gesicht zu ziehen.
              Aber dann ist es wieder das Fotoopfer, was sich verantworten muss und niemals die Fotografen, die einfach nicht verstehen wollen, dass es meine Privatsphäre empfindlich stört, wenn ich ständig auf der Hut vor Fotos von mir sein muss. Das beginnt ja nicht mit dem Foto, das in die Welt gesetzt wird, sondern für mich beginnt es ja schon in dem Moment, wo ich annehmen muss, dass ich gerade fotografiert wurde.

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            5. Anhora Autor

              Facebook benutze ich nicht und habe noch nie geprüft, ob irgendwo im Internet Bilder von mir existieren. Sollte ich neugierdehalber mal machen, über google images geht das wahrscheinlich.
              Ich verstehe voll und ganz deinen Frust, du scheinst sehr fotogen zu sein. Als Fotograf machst du aber halt ständig diese Gratwanderung: Du willst ein lebendiges Bild, da gehören nun mal Menschen dazu. Ich liebe Straßenfotografie, die Stimmung einer Stadt oder keines Dorfs einzufangen macht mir Spaß. Nahaufnahmen von Personen würde ich aber nicht mal aufnehmen. Ich steh immer weiter weg und mach dann höchstens zu Hause Ausschnitte. Die veröffentliche ich aber nicht.
              Etwas anderes sind Veranstaltungen. Da darfst du selbst in Deutschland Fotos machen von Menschen und auch veröffentlichen. Nicht dass man es muss, aber wie willst du denn einen Fasnetsumzug einfangen ohne die begeisterten Menschen am Straßenrand? Wenn man da empfindlich ist, darf man tatsächlich nicht an den exponiertesten Stellen stehn. Ich persönlich fände es nicht schlimm, wenn ich auf solchen Gruppenbildern zu sehen bin, würde aber nicht ungefragt auf einer Großaufnahme im Zug oder so sein wollen. Da versteh ich dich vollkommen. Habe solche dreisten Annäherungen aber noch nie erlebt. Ich würde mein Nicht-Einverstandensein auch signalisieren, wenn ichs mitbekomme.

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            6. Carrie Shawl

              Es gibt Gruppenfotos und Gruppenfotos. Wenn ich einen Fastnachtszug aufnehme, dann kann ich den Fokus auf die Darsteller legen und das Publikum ist (meistens nur unscharf) im Hintergrund. Halte ich aber voll in die Menge rein, dann muss auch immer ein Mensch in den Vordergrund genommen werden und der hat dann das Pech in einen Fokus gerückt zu werden, den er vielleicht nicht will.

              Warum muss z. B. vor jedem Konzert bestimmt jeder Dritte das Publikum filmen? Verstehe ich nicht. Warum muss jeder stundenlang irgendwelche Züge filmen? Da dann zu sagen, man dürfte da nicht hingehen, finde ich nicht gut, denn der Sinn solcher Veranstaltungen ist doch eigentlich ein ganz anderer.

              Aber man kann nichts dagegen machen. Leider. Meine Hoffnung ist, dass dieser Sport irgendwann so nervig wird, dass sich ein Gegentrend entwickelt. Es gibt schon erste Clubs, die ein absolutes Foto- und Filmverbot durchsetzen. Das finde ich gut. Auch auf einigen Konzerten habe ich es bereits erlebt, dass Leute rausgeflogen sind, die dauergefilmt haben. U. a. in London. Auch das fand ich gut. Neben der nervigen Angst selbst auf dem Bild zu sein, ist es auch in der Hinsicht total nervig, weil man ständig irgendwelche Kameras vors Gesicht gehalten bekommt und nichts sieht.

              Ich wollte an der Stelle, auch gerade wegen dem Kommentar, dass so etwas teuer werden kann, mal darstellen, wie sich das als Fotoopfer anfühlt. Wollte dich da nicht persönlich mit angreifen, sondern einfach mal meine Welt etwas offenbaren. Ich werde auch mal bei mir über das Thema schreiben (hatte ich auch schon mal angeschnitten), weil ich gerade merke, wie sehr es mich doch antriggert.

              Wünsch dir noch einen schönen Restsonntag.

              Carrie

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            7. Anhora Autor

              Liebe Carrie, ich habe auch das Gefühl, dass dich das Thema sehr berührt. Vielleicht trifft es dich einfach häufiger als andere, dass du unfreiwillig zum Motiv wirst.
              Ich persönlich habe noch nie erlebt, dass jemand ständig in eine Menschenmenge fotografiert hat oder auf mich gezielt hat. Es geht ja doch um das Konzert, den Straßenzug, ein Gebäude oder was immer. Die Menschen sind halt drumrum, und das ist auch schön. Sie gehören dazu. Für mich ist das unproblematisch – als Fotografierte und als Fotografin sehe ich darin kein Problem, solange niemand in Großaufnahme und als wesentlicher Bildinhalt zu sehen ist, sondern nur „Beiwerk“ ist. Aber das ist meine persönliche Einstellung und ich verspreche dir, dass ich auch weiterhin nicht explizit fremde Menschen fotografiere und schon gar nicht, solche Bilder zu veröffentlichen. Mit dem Fotografieren von Menschen aufhören werde ich aber nicht, dazu ist es ein zu schönes Hobby und ich gehe davon aus, dass ich noch keinen Schaden angerichtet habe damit. Es hat sich jedenfalls noch nie jemand beklagt.
              Dir auch einen schönen Restsonntag! 🙂

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  2. Mallybeau Mauswohn

    Liebe Anhora!

    Was bin i froh, dass mir nemme in dr Schdoizeid läbet. Na wära mr ons bloß als ausgschdorbne Mammuts in ma Museum begegnet. DEs wär jo jammrschad.
    Vielleicht kennsch Di net so gut mit de Fahrplän aus, abr in Sacha Marketing ond Eelplanung bisch a echtes Käpsele. Was dät i ohne Di macha! Ond Europa brenga mr au wiedr en Ordnung! 🙂

    Grüßle von dr schdürmischa Alb
    Mallybeau

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    1. Anhora Autor

      Danke für dei nedde Aufmunderung, Mallybeau! I denk scho manchmol, i bin bleed, weil i manche Sache oifach net woiß. Aber wenns wichdig isch, dann geb i mir scho Mühe, also Eel und Euroba – des bedeutet mir scho viel. Da klemm i mi dahinder. 😉

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      Antwort
        1. Anhora Autor

          Genau! Wer will scho an Experde von Fahrpläne sei, wo man des doch jederzeit im Indernedd nachlesa kann. Und stimme dun se außerdem sowieso net, egal was man vorher woiß: es kommt dann alles anders. 😉
          Oh, i möcht dir glauba, dass Eiropa wieder oder weiderhin läuft wie a g’öltes Kügele. Man muss doch übern oigena Dellerrand nausgucka kenna! 🙂

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          Antwort
    1. Anhora Autor

      Ich weiß nicht, was dahinter steckt. Ich möchte der Frau auch nicht Unrecht tun, da ich sie ja nicht kenne, aber es gibt einen Typ Menschen, der auf alles eine griffige Antwort braucht. Den Rest blenden sie aus oder kreieren eben eine griffige Antwort. Oder laufen Leuten hinterher, die griffige Antworten geben, auch wenn einfache Antworten manchmal gar nicht möglich sind. Das ist derzeit eins der größten Probleme unserer Zeit, fürchte ich.

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