Mülltrennung

Es waren einmal ein Mülleimer und eine Mülleimerin. Die standen beieinander an einem südlichen Strand und hatten im Winter nichts zu tun, als auf das Meer hinauszublicken. Wie aber das Wasser kam und ging im ewigen Wechsel, wie der Wind ihre Deckel klappern ließ wie verträumte Trommeln, wie die Sonne ihr milchiges Licht auf sie fließen ließ – da wuchs etwas zwischen den beiden. Und als der Abendhimmel einmal die Wellen besonders rosa leuchten ließ, da gestanden sie einander ihre Liebe.

Dann kam der Frühling und mit ihm ein Bodenleger. Der schob die Tonnen auseinander und verlegte einen Holzweg zwischen ihnen, auf dass die Menschen im Sommer bequem zum Wasser gelangten. Da weinte die Mülleimerin, dass ihr Müllsack tropfte. Sie sehnte sich nach dem Liebsten, der weit weg stand auf der anderen Seite, und auch dieser war nicht zu trösten.

Eines Tages kam ein Strandgänger vorbei. Die Eimer riefen: „Hilf uns, hilf uns. So können wir nicht leben, bring uns wieder zusammen!“ Doch die Mülleimersprache klingt wie Fliegengebrumm und Bienengesumm. Der Mann glaubte zwar, etwas gehört zu haben und wandte sich um. Allein, er entdeckte nichts und … … ging weiter.

Da begann die Mülleimerin auf ihren hohen Stelzen hin- und herzuschaukeln. Sie hoffte, mit etwas Schwung könnte sie zur Seite fallen und neben dem Mülleimer zu liegen kommen. Aber ach, es gelang ihr nicht. Und als es warm wurde und die Menschen kamen, dachten sie wieder an andere Dinge.


Es sei denn: Jemandem von euch fällt ein anderer Schluss ein! Wie könnte die Geschichte weitergehen?

Danke fürs Mitmachen! Nachfolgend eine mögliche Alternative, die natürlich auch anders aussehen könnte dank eurer Impulse. Ich habe mich aber für diese entschieden:


Da begann die Mülleimerin auf ihren hohen Stelzen hin- und herzuschaukeln. Sie hoffte, mit etwas Schwung könnte sie zur Seite fallen und neben dem Mülleimer zu liegen kommen. Aber ach, es gelang ihr nicht. Und als es warm wurde und die Menschen kamen, dachten sie wieder an andere Dinge.

Statdessen rutschte sie aber nur tiefer in ihre Halterung, und das sah die vorbeiwabernde Abfallfee aus einem fernen Land. Erfreut über das Bemühen der Mülleimerin nach Ordnung und Korrektheit – so war es in ihrer Feenheimat nämlich Sitte – sprach sie zur Eimerin: „Da du deine Aufgabe so ernst nimmst, werde ich dir einen Wunsch erfüllen!“ Die Mülleimerin überlegte nicht lange und bat darum, für immer neben dem geliebten Mülleimer bleiben zu dürfen. So geschah es. Und wenn sie nicht umgefallen sind, dann stehn sie dort noch heute.

 

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25 Gedanken zu „Mülltrennung

  1. schreibschaukel

    …überliess die zwei Tonnen ihrem Liebeskummer. Es sah aus, als seien sie zu ewiger Folter verdammt, denn was gibt es Schlimmeres, als die Liebe seines Lebens tagtäglich zu sehen, aber ihr nicht nahe sein zu können.
    Da ereignete sich eines Tage weit vor der Küste ein Seebeben, ein kleines nur, aber eins, das der Himmel zu den Mülltonnen gesandt hatte. Die Flutwelle, die kaum von jemandem bemerkt wurde, züngelte keck zu den unglücklich Verliebten hoch und spülte sie ins Wasser. Ihre Deckel verkeilten sich ineinander und bald sah man sie Seite an Seite bei Sonnenuntergang dem Horizont entgegen schaukeln.
    Ob sie nun glücklich sind? Oder ob sie sich zurückwünschen an den Strand, wo sie einander aus der Ferne anhimmeln konnten, das Gegenüber den eigenen Wünschen entsprechend verklärend? Wer weiss es schon … aber der Steg – der sonnt sich jetzt wieder in seiner ganzen Schönheit.

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    1. Anhora Autor

      Liebe Renate, danke für diese herrliche Fortführung der Geschichte! Hätte es einen Wettbewerb gegeben, wäre sie wohl als Sieger hervorgegangen. Da steckt ja allerhand Tiefsinniges dahinter. So manchem Paar tut etwas Distanz ganz gut, womöglich jeder Beziehung? 😉
      Ich wünsche dir einen schönen Sonntag!

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    1. Anhora Autor

      Die Gestaltung dieses Strandabschnitts fand ich auch merkwürdig, deshalb machte ich ja Bilder. Warum auf 2 qm 2 Mülleimer stehen müssen, einer hässlicher als der andere, erschloss sich mir nicht. Aber es ist Vorsaison, vielleicht bekommen die Tonnen im Sommer etwas weniger prominente Plätzchen. 😉

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    1. Anhora Autor

      Die Idee gefällt mir! 🙂 Das wäre auch ein schönes Ende: Im Sommer kommen nicht nur die Menschen, sondern auch die Fliegen zurück, und die überbringen kleine Botschaften von Mülleimer zu Mülleimerin und zurück. Sehr schön! 🙂

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  2. ingeborgthoring

    Sie können zusammen nicht kommen, wackeln und klappern lauthals hin und her, bei jeder Windböe, bis eines Tages ein Hund sich ihrer erbarmt … lustige Geschichte

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  3. Mallybeau Mauswohn

    Liebe Anhora!

    Ha des isch amol a subber Gschichtle mit geniale Bidle drzu! Also ois isch jo schomol klar, die Milloimr hot n Schwob uffgstellt. S Kehrwochaschildle hot r sichr wegglassa, als r den viela Sand gsäha hot. Do wärs Kuttrschäufele jo schnell voll gwä 🙂
    Allerdings find i, dass die zwoi Tonna in ihre Gstelle aussähet wie zwoi Bademoischtr uff ihre Türmle. Vielleicht hoggt en dene Tonna ebbr drenna ond beobachtet so heimlich d Turischda am Schtrand. Auf jeden Fall find i des a subbr Idee mit dr Fliegaschbroch, des isch sichr n Geheimcode.
    Fazit: I glaub, s send schwäbische Bademoischtr en geheimr Mission 🙂

    Grüßle ausm Räga
    Mallybeau
    PS: Äffle ond Pferdle kommet emmr Freidags en dr Landesschau em Dritta, ab diesr Woch….

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    1. Anhora Autor

      Liebe Mallybeau, danke für deinen Input! Du moinsch des isch dr Bademoischtr-Schbähtrupp? I glaub da drüber könnt mr nochmal a ganz neues Geschichtle verzehla, i lass mirs durch de Kopf ganga! 🙂

      Gefällt 1 Person

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