Fragen des Tages

Neulich in der Mittagspause: Ich gehe durch eine Grünanlage zur nahegelegenen Bäckerei. Es ist heiß, ich ziehe meine Bluse etwas vom Körper weg und fächle meinem Bauch Luft zu.

Weiter entfernt sehe ich zwei Teenager, die in der prallen Sonne auf einer Parkbank sitzen. Das Mädchen trägt lange Leggings, darüber eine Tunika bis an die Waden und ein buntes Tuch um den Kopf, das nur ihr Gesicht frei lässt. Der Junge neben ihr in T-Shirt und Shorts streicht sich die verschwitzten schwarzen Haare aus der Stirn.

Mein erster Gedanke ist: Dürfen die das? Ich meine, ein muslimisches Pärchen auf einer Parkbank ohne Begleitpersonal? Es handelt sich also entweder um ein sehr junges Ehepaar oder um Geschwister.

Dann frage ich mich, wie Frauen in islamischen Ländern es aushalten, in heißen Ländern so gekleidet zu sein.

Und drittens: Warum gehen sie nicht in den Schatten?

Es ist eben eine ganz andere Kultur, denke ich mir, sie kennen es nicht anders – bis ich näher an die beiden herankomme. Der Junge hat sich mit den Ellbogen auf die Knie aufgestützt, während sie energisch auf ihn einredet. Sie spricht akzentfrei Deutsch.

Verdattert gehe ich an ihnen vorbei. Wenn die beiden jetzt aufstehen und an den Bratwurststand gegenüber beim Supermarkt gehen und das Mädchen dann anfängt, mit den herumstehenden Jungs herumzualbern, dann fange ich mit meiner Einschätzung von Muslimen nochmal von vorne an. Aber sie bleiben sitzen, und ich wende mich einfacheren Fragen des Lebens zu: Nehme ich einen Joghurt mit frischen Pfirsichstücken oder einfach nur ein Eis?

 

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13 Gedanken zu „Fragen des Tages

  1. Hausfrau Hanna

    Solche Beobachtungen,
    liebe Anhora,
    mag ich!
    Deine drei Gedanken dazu auch!
    Ähnliche hätte ich mir wohl in dieser Situation auch gemacht.
    Und dann das Naheliegendste getan:
    Ein Eis gekauft 🙂

    Liebes Grüssle zu dir an diesem prächtigen, hitzefreien Sommertag
    Hausfrau Hanna

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    1. Anhora Autor

      Die schönen Geschichten des Alltags möchte ich niemals missen! Nur das Eiscreme-Wetter macht sich gerade wieder aus dem Staub. Die Sonne scheint zwar im Moment, aber für heute ist Regen angesagt. Da bleibt dann auch die Parkbank leer…
      Alltägliches Grüßle, Anhora

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    1. Anhora Autor

      Assimiliert muss sie wohl sein. Der Sprache nach ist sie in Deutschland aufgewachsen, also in Deutschland sozialisiert, also Deutsche. Trotzdem lebt sie die Traditionen ihrer Herkunft. Es gibt Menschen, da möchte man am liebsten stehenbleiben und nachfragen, wie es so ist mit ihnen. Dieses Mädchen war so jemand. 🙂
      Hab einen schönen Tag!

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      1. Monika-Maria Ehliah

        …. stehenbleiben und nachfragen ….
        das wäre wirklich eine gute Sache.
        Ich denke es ist ja nichts Verwerfliches,
        wenn mensch auf andere Menschen zugeht und fragt.
        Es ist doch bereichernd wenn wir uns füreinander interessieren.
        Aber ich betone *interessieren* nicht aus purer Neugierde.
        Das ist verwerflich meines Erachtens.
        So empfinde ich das.
        Liebe Segensgrüße
        M.M.

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        1. Anhora Autor

          Ich frage schon mal nach, welche Herkunft zum Beispiel ein Ober im Restaurant hat. Aber wenn zwei Menschen im Gespräch sind, würde ich nicht unterbrechen, schon gar nicht im Vorbeigehen. Leider wissen wir nun die Geschichte der beiden nicht, aber man kann sich ja immer noch eine ausdenken. Vielleicht hat der junge Mann etwas ausgefresen und das Mädchen wurde von der Familie beauftragt, ihm die Leviten zu lesen, weil er zu ihr Vertrauen hat. Oder so ähnlich. 😉
          Schönen Tag noch!

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  2. Babbeldieübermama

    Einige junge Leute wechseln zum Islam und tragen dann freiwillig diese Tücher und Kleidung. warum hast du sie nicht mal gefragt? 😉 Ich lag mal mit einer Muslemi bei über 30° auf einem Zimmer im Krankenhaus. Sie hat fürchterlich geschwitzt. Immer wenn kein Mann in der Nähe war, zog sie ihre Tunika aus und machte das Tuch ab. Wir haben innerlich, ich muss es leider zugeben, ab und zu gelächelt, denn kaum hatte sie sich etwas entkleidet, kam meistens ein Arzt ins Zimmer. Leider konnten wir uns nicht unterhalten, denn sie sprach unsere Sprache und wir ihre Sprache nicht. 🙂

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    1. Anhora Autor

      An eine Konvertitin habe ich nicht gedacht, aber könnte natürlich sein. Dann wäre es aber noch unfassbarer, denn sie wäre solche Kleidung ja nicht gewöhnt!
      Zu fragen traute ich mich nicht, ich spazierte ja nur vorbei und das Mädchen war mit dem jungen Mann beschäftigt.
      Ich stelle mir die körperlichen Empfindungen auch eher so vor wie bei deiner Bettnachbarin im Krankenhaus! 😉

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  3. Monika-Maria Ehliah

    … mir wird oft schon ganz heiß mit begleitender Atemnot,
    wenn ich Frauen in solchen Gewändern sehe. ich habe sogar schon einmal eine gefragt,
    wie sie denn das aushalten kann …. sie meinte sodann …
    … so viel nackte Haut wie ihr habt im Sommer ist viel zu heiß – wir schwitzen weniger …
    naja – ich würde sterben unter diesen – meist schwarzen Kleidungssstücken…
    Segen sei mit uns allen.
    M.M.

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    1. Anhora Autor

      Liebe M.M., aus meiner Kindheit kann ich mich an alte Frauen erinnern, die auch im Sommer in langen Mänteln und Kopftüchern herumliefen. Mein Vater sagte einmal, die Frauen denken, was gegen Kälte schützt, schützt auch gegen Hitze. Auch Wüstennomaden z.B. sind gut eingepackt. Aber bei denen fächelt eine Menge, was man von einer Legging nicht sagen kann … Naja, man muss nicht alles selbst ausprobiert haben! 😉

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  4. Mallybeau Mauswohn

    Liebe Anhora!

    Also wenns so hoiß war, hosch doch sichr a Eis gnomma? I hätts glaub so gmacht. Was i von dene Zwoi ghalta hätt, woiß i ett. Abr ob die do ondr ihrer Kudde schwitzet, han i mi au scho gfrogt. Vielleicht send ses wirglich gwehnt. Hosch se et belauscht? Wer woiß, womeglich hättet se no agfange schwäbisch zom schwätza, des wär was gwä 🙂

    I wünsch dr no a schees Wochaend. Hier rääägnets….
    Grüßle von dr Alb
    Mallybeau

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    1. Anhora Autor

      I hett mi nadierlich hinter de Büsch verstecke könne, aber i hon Hunger ghabt und bin deshalb glei weiterdaggelt in d’Bäggerei und hon mir a Eis g’holt. I woiß aber sicher: Des Mädle hat Hochdeitsch gschwätzt. I war ganz durcheinander. 😉
      Dir au a schees Wocheend. Bei uns rägnets no net, aber lang dauerts nemme.
      Grüßle, A.

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