Das liebe Vieh

Heute beim Spazierengehn: Als wir an eine Kuhweide kommen, hebt eins der grasenden Tiere langsam den Kopf und glotzt uns an. Selbst die Kuhkultur unterscheidet sich von Land zu Land, denke ich. Vor wenigen Wochen noch standen wir mitten im weitläufigen Weideland Nordenglands und dort begegneten uns keinen dummgezüchteten Milchkühen wie diese hier, sondern intakte Familien mit Stieren und Jungtieren und Lust am Leben.

Ich dachte noch, etwas weniger Eigenständigkeit wäre mir lieber, denn der Fußweg am Hadrianswall entlang führt ständig durch Weideland. Einmal hatte sich z. B. eine ganze Gruppe von Rindern auf dem Wanderweg aufgebaut und blickte uns beim Näherkommen interessiert an. Wir blieben stehen, konnten nicht ausweichen und die Tiere bewegten sich auch nicht. Schauten nur. Da breitete der geliebte Brite die Arme aus, ruderte langsam auf und ab mit ihnen, als setze er zum Flug an, und schritt voran. Die Rinder überlegten kurz und machten dann bedächtig ein paar Schritte zur Seite. Ich huschte dicht hinter dem Liebsten drein wie Jane, die gerade von Tarzan gerettet wird.

Derlei Mut und Technik braucht es auf unseren Kuhweiden nicht, schon weil keine Kuh frei herumläuft. Die Weideflächen in Süddeutschland sind oft nur Parzellen mit verschiedenen Eigentümern. Von Weitläufigkeit keine Spur und auch bei den Tieren ist ein weiter Geist nicht erkennbar, noch nicht mal irgendein Geist. Wir glotzen also zurück und die Kühe widmen sich wieder ihrer Hauptbeschäftigung: Fressen und verdauen.

Überraschungen sind hier nicht zu erwarten. Für Verblüffung sorgen sowohl im Brexit-England als auch seit heute im AfD-Deutschland vor allem die zweibeinigen Rindviecher.

 

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22 Gedanken zu „Das liebe Vieh

  1. Pingback: Meine Listen: Nachdenkliches – Es wird Zeit, dass es Zeit wird.

  2. Arletta

    Langsam, langsam bürgert sich diese „Mutterkuhhaltung“ zum Glück auch auf dem Kontinent ein, denn langsam, langsam dämmert es in den Köpfen, dass glückliche Kühe, sprich intakte Familien mitsamt massigen Stieren einfach zufriedener ergo auch produktiver sind, auch wenn’s Kälble bissi Milch trinkt, es bleibt immer noch genügend davon über, denn die Bauern sind durch Milchkontingente eh limitiert, ergo bleibt unterm Strich nicht mal ein Verlust, im Gegenteil, glückliche Kühe sind obendrein auch noch gesünder and so on… aber eigentlich wollte ich Dir ein Kompliment für die Reiseberichte aus Britannien aussprechen, die ich mir eben allesamt mit wachsendem Fernweh einverleibt habe, hach, seufz… schön isses eben doch dort und so weiter.
    Mit lieben Grüssen, Arletta

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    1. Anhora Autor

      Liebe Arletta,
      ich freu mich, dass dir meine Eindrücke aus dem romantischen Norden Englands gefallen haben! Aber bei dir renn ich wahrscheinlich offene Türen ein. 😉
      Und ja, Milchkühe haben kein besonders abwechslungsreiches Leben. Ich frag mich, wo in England die Milch herkommt. Ich habe nur einmal gesehen, dass eine Herde abends zusammengetrieben wurde, aber ich glaube da kriegten sie nur Kraftfutter. Wann und ob überhaupt sie gemolken werden, weiß ich nicht. Wahrscheinlich kaufen sie in England die Milch aus Deutschland und züchten selbst glückliche Burger oder so. 😉

      Gefällt 2 Personen

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    1. Anhora Autor

      Ein solches Wort kann einem nur einfallen, wenn man über längere Zeit Kühe beobachtet, die sich frei bewegen können und in keinen Stall-Melk-Rhythmus gezwungen werden. Das hält ja nicht jede Kuh aus. Im Gegensatz zu Menschen, die sich nicht einengen lassen können, landen Kühe wahrscheinlich früher beim Metzger. Da haben wir nochmal Glück gehabt! 😉

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  3. Hausfrau Hanna

    Das ist ein weites Feld,
    liebe Anhora-Jane,
    das du heute richtig anschaulich und schön ‚beackert‘ hast 🙂
    Ja, die Rindviecher!
    Am liebsten mag ich ja jene mit Hörnern.
    Die so selten geworden sind…

    Zum aktuellen politischen Geschehen halte ich mich ganz diskret zurück und schicke dafür einen herzlichen Gruss über die Grenze
    Hausfrau Hanna

    Gefällt 2 Personen

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    1. Anhora Autor

      Trotz der Weite, liebe Hausfrau Hanna, ist die Ordnung in der Natur überschaubar und für jeden zu verstehen. Vielleicht tut sie uns deshalb so gut. Das Menschengemachte ist eben allzu oft schwer oder gar nicht zu verstehen.
      Hab einen schönen Tag! 🙂

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  4. Mallybeau Mauswohn

    Liebe Anhora!

    Des hasch abr schee beschrieba mit dene tolle Bildle. Eigentlich derft mr die AfDler jo gar et als zweibeinige Rindviecher bezeichne, weil des a Beleidigung für die scheene Dierle isch. Abr Du hosch nadierlich völlig Rächt. D Küh auf dr Weide hent hier kaum Platz ond heit hent echt viele gwählt, die koin Platz für Vrschtand em Hirn hent. I bin echt entsetzt. Da müsset mir mit reschbeggtvollem Umgang und Intelligenz voll dagegahalta. I reiss heit Nacht glei mol älle Grenzzäun ei, dann hent die Dierle wenigschtens wieder meh Platz 🙂

    I wünsch dr trotz Horrorwahlergebnis a Guts Nächtle
    Grüßle von dr Alb
    Mallybeau … muh 🙂

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