Der Schatten des Esels

Ein Zahnarzt mietete einen Esel für eine Tagesreise. Als er sich in der Mittagshitze in den Schatten des Tiers legte, hinderte ihn der Eselstreiber daran. Er habe ihm wohl den Esel vermietet, nicht aber dessen Schatten. Dafür seien zusätzliche Gebühren fällig. Es folgte ein unangenehmer Streit, die Sache kam vor Gericht, die Bürger der Stadt mischten sich ein, dann das ganze Land und schließlich kam es zur Spaltung des Volks und Bürgerkrieg. „Esel oder Schatten?“ wurde zur Glaubensfrage.

Diese Geschichte schrieb ein Dichter aus Biberach im 18. Jahrhundert, angelehnt an ein Grundmotiv aus der Antike. Es ist eine Satire auf die Macht der Deutung und das Spiel der Advokaten. Wer seinen Standpunkt nicht aufgibt, und wer sich von geschäftstüchtigen Juristen oder anderen Leuten mit eigenen Absichten dabei noch befeuern lässt, der riskiert den Frieden.

(Spontan fallen mir dazu die lieben Engländer mit ihrem Brexit-Chaos ein.)

Biberacher Marktplatz: Skulptur von Peter Lenk nach „Der Prozess um des Esels Schatten“ von Christoph Martin Wieland (1733-1813) aus Oberholzheim bei Biberach.

Was gibt es sonst noch in Biberach?
Es lebe die Vielfalt!

Heiligs Blechle!
(Skulptur vor dem Museum Biberach)

Einblicke (in den Museums-Innenhof)

Übrigens:
In Biberach fand die erste Shakespeare-Aufführung in deutscher Sprache statt, und ihre mächtige gotische Kirche nutzen die Gläubigen beider christlichen Konfessionen schon seit dem 16. Jahrhundert gemeinsam.

Mir gefällts hier! 🙂

27 Gedanken zu „Der Schatten des Esels

  1. Hausfrau Hanna

    Heiligs Blechle,
    liebe Anhora,
    das ist jetzt mal eine Geschichte!
    Persönlich finde ich, dass es ganz wichtig ist, eine eigene Meinung, einen eigenen Standpunkt, zu haben und zu vertreten.
    Dann kommt es drauf an,..
    Bleib ich stur (wie ein Esel 😉 ) in meinem Eigenen verhaftet.
    Oder kommen wir zu einem Konsens oder Kompromiss!

    Danke für den Anstoss zum Denken und ein liebes Grüssle nach Biberach
    Hausfrau Hanna

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    Antwort
    1. Anhora Autor

      Liebe Hausfrau Hanna, ich würde dich ganz falsch eingeschätzt haben, wenn du nicht zu Kompromissen bereit bist. 🙂 Ich glaube/weiß, dass du das bist, wenn die Situation es erfordert. Wirst du aber vehement darin bestärkt, dass dein Standpunkt der richtige ist und kein anderer, und die andere Seite wird auch massiv in ihrer Position befeuert, dann wird es unmöglich, eine Lösung zu finden.
      Die Gratwanderung, die du ansprichst, ist natürlich, den Unterschied zu erkennen: Wann muss ich bei meinem Standpunkt bleiben, und wann kann ich ein bisschen davon aufgeben?
      Da denken wir noch ein bisschen drüber nach, aber ich glaube wir kriegen das hin. 🙂
      Versöhnliches Grüßle!
      Anhora

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    1. Anhora Autor

      Dazu muss man wissen, dass die ursprüngliche Geschichte nicht in Biberach spielt, sondern im antiken Griechenland. Wir müssen also davon ausgehen, dass der Schatten dringend gebraucht wird in der Mittagshitze und die Frage ist, ob jemand einen Notstand für den eigenen Profit nutzen darf. Aber hauptsächlich geht es wohl um das nicht einlenken wollen, das Verstärken des Konflikts durch Aufpeitscher (Anwälte z.B.), die ja gut daran verdienen.
      Nichts für ungut, hier sind ja auch nicht nur Anwälte gemeint, sondern sicher auch politische Einflussnehmer! 😉
      Auf jeden Fall entsteht selten etwas Gutes daraus, wenn niemand bereit ist, auf den andern zuzugehen.

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  2. Mallybeau Mauswohn

    Liebe Anhora!

    Ha des isch amol a intressants Gschichtle. Des han i et kennt. Mol gugga, ob i s schaff, jemand fir sein Schadda zahla zom lassa. Vielleicht wird’s a neie Einahmegwelle 🙂
    I kenn sonsch bloß no s liebe Herrgöttle von Biberach.
    I wünsch eich n scheena Dag ond an gmietlicha Schdard in da erschta Mai.

    Liebs Grüßle von dr sonniga Alb
    Mallybeau 🙂

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    1. Anhora Autor

      Liebe Mallybeau, i kenn außer dem Herrgöttle no s‘ Heilix Blechle von Biberach! Sonscht aber net viel und i war überrascht, wie viel ma in dem Städtle entdecke kann. 🙂
      Die Frage nach dem Eselschatte isch übrigens scho in dr Antike aufgriffe worde. Sonscht hätt i ja gsagt, es kann bloß an Schwob gwäse sei, der auf sowas kommt. 😉

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    1. Anhora Autor

      Ich sags dir ehrlich: Ich war das letzte Mal in meiner Jugend dort, beim Schützenfest, ein einziges Mal. Und das, obwohl ich nur 50 km entfernt wohne. Mein Partner war überhaupt noch nie dort gewesen.
      Aber es lohnt sich! Es gibt viel zu entdecken. 🙂

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