Kunst? Oder Spaß?

Holzskulptur Penis

Diese ungewöhnliche Skulptur entdeckte ich neulich beim Spazierengehn, passenderweise am Vatertag. Sie steht in Taldorf bei Ravensburg. Niemand weiß, wer den Holzpenis geschaffen hat, niemand weiß, wer ihn aufgestellt hat, aber alle lachen.

Er ist nicht der einzige seiner Art. In der Bodenseeregion und im Allgäu wurden bereits mehrere der meterhohen Werke gesichtet, einer davon direkt in einem Kreisverkehr. Da alle unfallsicher verankert sind, wurden sie von den Gemeinden mit Humor aufgenommen und bleiben erst einmal stehen (kleines Wortspiel). 😉

Ich find’s lustig! Wem es nicht gefällt, der oder die muss es sich ja nicht anschauen, so ist es in der Kunst immer. Aber was würde ich meinem, sagen wir mal, zehnjährigen Kind sagen bei einem Wanderausflug? Für Jungs dürfte die Sache klar sein, aber Mädchen wissen wohl noch nicht, was ein erigierter Penis ist.
Vielleicht würde ich das Werk als Spargel-Denkmal deklarieren.

Wie findet ihr das?

Ich kenne keine bessere Definition für das Wort Kunst als diese: 
Kunst - das ist der Mensch
(Vincent van Gogh)

Kurioses aus Ravensburg

Heimenkirch – Erneut Holzpenis aufgetaucht

54 Gedanken zu „Kunst? Oder Spaß?

  1. Klausbernd

    Das sieht doch nett aus, ist doch `mal etwas anderes als das Gewohnte. Dazu Mukarovsky (Prager Strukturalist & Rezeptionstheoretiker) „Kunst ist die mittlere Abweichung vom Erwartungshorizont des Rezipienten.“
    Danke fürs Teilen
    The Fab Four of Cley
    🙂 🙂 🙂 🙂

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    1. Anhora Autor

      Mukarovskys Einschätzung zum Thema Kunst gefällt mr! Ich musste sie zweimal durchlesen, aber dann hab ichs kapiert. Ich frage mich wie man die hohe Abweichung nennen würde! 😉
      Danke für deinen Kommentar. 🙂

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        1. Anhora Autor

          Ich bin beeindruckt. Besser kann man Kunst nicht erklären. Wobei die hohe Abweichung auch zur Kunst gehört, mir fällt gerade Beuys ein. Aber die mittlere Abweichung ist mir die liebste Variante. 😀

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          1. Klausbernd

            Da gibt es eine Theorie von Kandinsky. Er meinte, dass Kunst der hohen Abweichung von Erwartungshorizont des Rezipienten etwa 25 bis 30 Jahre benötigt, um allgemein akzeptiert zu werden, also dann nur noch eine mittlere Abweichung darstellt. Ein schönes Beispiel dafür ist van Gogh. Kunsthistoriker meinen jedoch, dass heute, wohl durch den Einfluss der Medien, der Zeitraum von Ablehnung zur Akzeptanz sich verkürzen würde.

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            1. Anhora Autor

              Diese Gedanken sind interessant, danke fürs Teilen! An die 25-30 Jahre glaube ich aber nicht ganz. Der Fettstuhl von Beuys wurde 1964 geschaffen und bis heute kann die Allgemeinheit wohl wenig damit anfangen. Aber dass sich die Akzeptanz von ausgefallener Kunst verändert, ist wohl wahr. Elemente von Bauhaus, Brutalismus, Minimalismus z.B. finden wir heute schön. (Also, ich jedenfalls) 😉

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            2. Klausbernd

              Wir auch!
              Naja, Beuys, den wir übrigens persönlich kannten, finden wir auch nicht so toll. Wir halten ihn für heillos überbewertet.
              Es heißt ja nicht, dass wir nach 25-30 Jahren alle Kunst gut finden.
              Mit lieben Grüßen vom heute sonnigen Meer
              The Fab Four of Cley
              🙂 🙂 🙂 🙂

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            3. Anhora Autor

              Gut zu wissen, dass ich nicht allein bin mit meinem Unverständnis darüber, was das Werk von Beuys zu bedeuten hat. Ich glaube, er beherrschte in erster Linie die große Kunst der Selbstvermarktung.
              Und ihr kanntet ihn persönlich? Wie war er denn als Mensch ohne Spotlight auf ihn?

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            4. Anhora Autor

              Genau so hatte ich ihn mir vorgestellt. Vielleicht wird man als Künstler so. Vielleicht wird man Künstler, weil man so ist. Ich mags nicht herausfinden. Narzissten braucht wirklich niemand.

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            5. Klausbernd

              Da hasst du wohl recht. Ich bin ja selbst etwa 30 Jahre lang etwa ein halbes Jahr pro Jahr auf Lese- und Vortragsreise gegangen, habe an vielen Talkshows etc. teilgenommen und war weltweit in den Medien präsent, da wird man so. Das ist die eine Seite, die andere ist, ohne einen gewissen Narzissms bringt man es nicht weit oder man wählt sich gar nicht erst solch einen Beruf. Es kostet einiges an Therapie, sich davon, wenn man sich zur Ruhe setzt, wieder frei zu machen.
              Es ist insgesamt so, dass man in unserer Gesellschaft einen gewissen Narzissmus benötigt, um Karriere zu machen, aber bei Künstlern ist das besonders ausgeprägt, da man seinem Publikum ständig beweisen muss, wie originell und schlau man ist. Man muss ja alles das verkörpern, wovon sie träumen.

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            6. Anhora Autor

              Ich versteh das vollkommen: Narzissmus gehört zur Gesellschaft, es hat ihn wohl immer gegeben. Auch Politikerinnen und Politiker brauchen ihn wohl, um erfolgreich zu sein. Ich allerdings habe mich im letzten Jahr von einem Narzissten getrennt, nach 14 gemeinsamen Jahren, 10 davon nicht einfach. Ich erkenne Narzissten inzwischen und mache einen großen Bogen. Im privaten Bereich ist es sehr schwer.
              So, und jetzt google ich dich mal, hast mich neugierig gemacht! 🙂

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            7. Anhora Autor

              Fertig gegoogelt, und bin jetzt einigermaßen geflasht! Ich wüsste nicht, welches deiner Bücher mich am meisten interessiert, ist ja alles hochspannend. Träume z.B. nehme ich auch ernst und hab meine Techniken zur Interpretation. Ob man Symbole aber verallgemeinern kann? Es hat doch jeder seinen individuellen Bezug zu Bahnhöfen, Fahrzeugen, Toiletten und wovon man halt so träumt. Jedenfalls beeindruckt mich dein Werk! 🙂

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    1. Anhora Autor

      *lach* Danke für diesen erbauenden Beitrag zeitgenössischer Dichtkunst! 🙂
      Allerdings sind Hopfenstangen ca. 10m hoch, während es dieser Penis „nur“ auf ca. 2m bringt. Das reicht noch nicht mal für Kletterbohnen. 😉

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  2. franhunne4u

    Meine Gute, sieht nicht mal wirklich lebensecht aus … da muss man schon ein arg verklemmtes Leben führen, um darin wirklich eine Gefahr für die Kinder zu sehen. Und das wär der einzige Grund, warum man es abbauen sollte, wenn es Kinder gefährdet.

    Für uns alle anderen ist es halt so, dass wir damit leben müssen, wenn es uns nicht gefällt. Meine Güte, wollen die oh so besorgten Leute demnächst auch die klassischen Marmorfiguren männlicher Gestalten entmannen? Irgendwo ist auch mal Schluss. Reicht schon wenn bekannte online-Netzwerke klassische Kunstwerke mit lässlich bis gar nicht bekleideten Damen (nie mit nackten Kerlen, immer nur barbusige Damen!) zensieren.

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    1. Anhora Autor

      Vielen Dank für deine Gedanken dazu. Mit den zu vernachlässigenden Pimmelchen antiker Marmorstatuen kann man diese Skulptur aber nicht vergleichen. Es handelt sich hier ja um die übergroße erigierte Variante des männlichen Geschlechtsteils, bereit zum Akt sozusagen.
      Als ich den Holzpenis zum ersten Mal sah, musste ich laut lachen. Wenn man aber das weibliche Pendant dazu nimmt, dann wäre es die Skulptur einer Frau bauchnabelabwärts mit gespreizten Beinen. Bin mir grad nicht sicher, ob ich das auch lustig finden würde oder doch obszön und überflüssig. 😉
      Wie auch immer: Es gibt unterschiedliche Meinungen dazu und ich finde es spannend, diese hier zu versammeln. Es ist mir aber wichtig zu betonen, dass jede Meinung ihr Recht hat, es gibt dazu kein Richtig oder Falsch. 🙂
      Lieber Gruß

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      1. sinnlosreisen

        Ja, die allermeisten nehmen es mit Humor. Ist ja auch nichts Schlimmes. Und die anderen müssen halt vielleicht mal lockerer werden.
        Sehe ich das richtig, du lebst auch in Ravensburg? Ist ja ein richtiges Blogger-Eldorado 😏.

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  3. puzzleblume

    Ist nicht lustiger als auf Wände gesprayte Penisse, sieht bloss „künstlerischer“ aus. Ich empfinde das heimliche Aufstellen nicht anders als Frauen ungefragt Genitalfotos zu schicken und das Stehenlassen ist für mich inakzeptabel.

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    1. Anhora Autor

      Statt einem Genitalfoto würd ich aber schon lieber eine Holzskulptur anschauen. 😉 Aber es muss einem nicht gefallen, das ist klar.
      Was mich persönlich aber viel mehr stört, sind z.B. die halbnackten vollbusigen und langbeinigen Mädchen, die sich in der Werbung lasziv auf Autos räkeln. Und noch schlimmer sind die künstlich bearbeiteten Barbiemädchen auf Instagram. Die richten Schaden an, weil junge Mädchen denken, so müsse man aussehen. Da stört mich eine Holzskulptur weniger, auch wenn es ein Penis ist. 😉 Aber es ist Geschmacksache.

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      1. Anhora Autor

        Du meinst Gedanken an Sex sind unsauber? Ich habe eigentlich nichts gegen solche Gedanken und finde sie ganz natürlich. Aber ich respektiere, dass es anderen unangenehm sein kann und dass sie solche Darstellungen nicht sehen möchten.
        Ich finde allerdings die Jesus-am-Kreuz Darstellungen viel unangenehmer. Das ist grausamste Folter, man schaut in ein Gesicht voller Schmerzen, Blut läuft herunter und man möchte sich nicht vorstellen, wie ein solcher Tod sein muss. Aber das sind halt meine Gedanken, deshalb wird wohl kein Wegkreuz abgehängt. Mit manchem muss man halt leben. 🙂

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          1. Anhora Autor

            Nein, ich habe mich vielleicht nicht klar ausgedrückt. Ich wollte deinen Gedanken keineswegs kritisieren, dazu gibt es keinen Anlass.
            Die Skulptur zeigt etwas sehr Intimes, das natürlich nicht auf einen Feldweg gehört. Gedanken an Sex gehören i.d.R. auch nicht auf einen Feldweg. Das ist eine nachvollziehbare Einstellung.
            Andererseits ist es frech, es doch zu tun, die Intimität auszustellen und sich einen Spaß aus den Reaktionen der Leute zu machen. Ich vermute das bezweckt der Künstler oder die Künstlerin. Auch das kann ich nachvollziehen. Viele hat es zum Lachen gebracht, manche runzeln die Stirn. Beides darf sein. 🙂

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    1. Anhora Autor

      Ich wäre auch nicht auf die Idee gekommen: Oh, man könnte mal einen Holzpenis aufstellen! 😉 Aber er sorgt für Diskussionen, und das soll Kunst ja. Die Idee mit der Folie find ich gut! 🙂

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  4. Anke

    Warum oder? Kunst soll Spaβ machen!
    Und wenn sie darüber hinaus inspiriert und/oder zu Unterhaltungen anregt, hat sie ihre Funktion erfüllt. Ich hatte heute übrigens gerade die Gelegenheit, bei meiner Tochter (4. Klasse) mit ergänzenden Erklärungen die Lücken zu schließen, die ihr nach der letzten Biostunde geblieben waren. Also das Notwendigste erstmal, ganz vorsichtig und altersgerecht. Ich hoffe, es ist mir geglückt.

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    1. Anhora Autor

      Genau so sehe ich es auch, danke für deinen Kommentar! Ich habe nur keine Kinder (mehr) zur Hand und weiß also nicht, ob irgendetwas schädlich sein könnte. Glaube es aber nicht.
      Hab einen schönen Sonntag! 🙂

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  5. Zoé

    Ich würde dem Mädchen schon sagen, dass das ein Penis sein soll. Das ist doch mal die Chance sich das ganz genau anzusehen. Ich kriege jedes mal eine Krise, wenn bei den Filmen, die ich streame neben Gewalt, Drogenkonsum und Schimpfwörter auch vor Nacktheit gewarnt wird. Meine Neffen haben mit 6 und 7 Jahren Schimpfwörter benutzt, die mich rot werden ließen. Meine Freundin, die gerade Erzieherin lernte meinte, ich solle die beiden darauf ansprechen. Es war den beiden Jungs sehr peinlich und sie haben diese Worte in meiner Nähe nicht mehr benutzt. 😉

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    1. Anhora Autor

      Meine Kinder sind erwachsen, mein Enkelkind ist 3 Monate alt. Ich bin also nicht auf dem Laufenden, wie Kinder in Sachen Sexualität derzeit aufgestellt sind. Nacktheit gehört schon in die Intimsphäre (außer am Badestrand), aber zwischen sich bedecken vor fremden Menschen und verklemmt sein ist ein Unterschied. Kinder an eine natürliche Einstellung heranzuführen, stelle ich mir allerdings schwer vor. Es drohen halt zu viele Gefahren, so war es immer schon.
      Vulgäre Straßensprache würde ich auch nicht tolerieren. Das macht eine so schöne Sache ja kaputt.

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