Archiv des Autors: Anhora

Über Anhora

Erlebtes und Nachgedachtes einer ü50erin mit Bodenhaftung. Ich erzähle von kleinen Begebenheiten und gelegentlichen Reisen, was mir gerade einfällt.

Erklärbär gesucht

Auf dem Parkplatz unserer Kleingartenanlage: An einem schmalen Weg entlang parken Fahrzeuge dicht an dicht, nur ganz hinten sind noch Lücken. Da biegt mit quietschenden Reifen ein Golf um die Ecke, fährt rasant auf einen freien Platz zu, bremst abrupt, stürmt im Rückwärtsgang in die leere Parkbucht und steht beim ersten Versuch drin wie eine Eins.
Dem Fahrstil nach handelt es sich um einen jungen, jedenfalls stark testosteronhaltigen Mann, was nicht recht passen will in unsere Schrebergartenidylle.
Die Tür fliegt auf, und heraus springt eine kleine, drahtige Frau um die Sechzig, die mit wehendem Seidenschal zum Gartentor sprintet.
Mir fällt fast der Gemüsekorb aus der Hand.
Ich meine, ich stelle mich beim rückwärts Einparken auch nicht ganz blöd an (sowieso seit ich älter werde und nicht mehr zuviel Östrogen mein räumliches Vorstellungsvermögen behindert), aber doch nicht in dieser Geschwindigkeit und Präzision!

Etwa zehn Minuten später taucht sie wieder auf. Ich stehe noch bei einem Schwätzchen mit anderen Gartenliebhabern und schaue interessiert zu der Teufelsfahrerin hinüber. Sie kehrt weit weniger hektisch zu ihrem Wagen zurück, jetzt mit einem kleinen Terrier an der Leine.

Manches mag noch so unwichtig sein – man hätte doch gern eine Erklärung.

 


 Hier handelt es sich nicht um die Parksituation unserer Kleingartenanlage!
Die Installation gehörte zu einer Ausstellung vor einigen Jahren.

Nicht nichts, aber weniger

Ich mal wieder! Es ist ruhig geworden hier, und das hat einen Grund: Ich war beim Arzt. Es ging um die Schlafstörungen seit langer Zeit, und ich erfuhr allerhand Neues.

Was ich wusste:
– Eine Depression löst Schlafstörungen aus.

Was ich nicht wusste:
– Es geht auch andersrum: Chronischer Schlafmangel fördert eine Depression. Außerdem:
– Das Web hebt den Stresslevel. Man beschäftigt sich ja lieber mit Aufregendem statt mit Langweiligem, und man kann süchtig werden nach den Online-Kicks.
– Das Blaulicht in Laptops und Handys wirkt auf das Gehirn wie Koffein.

Nun gibt es nach wie vor Klippen in meinem Leben und was liegt bei einer computeraffinen Person näher, als sich mit Blogbeiträgen und Instagram wegzubeamen. Das habe ich nach ärztlichem Anraten nun eingestellt, wenigstens abends. Ich schau ja schon den ganzen Tag bei der Arbeit in einen Bildschirm.

Zum Glück ist da noch der Garten. Wenn man nicht ständig hingeht, sind die Josta-Beeren verschrumpelt und die Zucchini einen halben Meter lang. Die Fußball-WM macht überdies auch ohne die Deutschen Lust zum Zuschauen.

Ohne Laptop und Handy am Feierabend finde ich inzwischen leichter in den Schlaf und wache nachts nur noch etwa dreimal auf. Man liest sich also vorerst eher sporadisch, aber ganz ohne euch und das Web – das geht auch nicht. Ich werde einen Mittelweg finden. 🙂

 

So stark kann das Handy den Schlaf stören

Stört blaues Licht den Schlaf?

 

Huiiii!

Wenn man beim Schwimmen die Köpfe älterer Menschen an sich vorbeiflitzen sieht, dann befindet man sich im Thermalbad eines Kurorts am Strömungskanal. Sind sie nicht schön? Mir gefallen die gelösten und vergnügten Gesichter der Seniorinnen und Senioren: Sich noch einmal mitreißen lassen, davontreiben – was für ein Spaß! Es macht gar nichts, dass das Ziel bekannt ist und es überhaupt nur im Kreis herum geht. Die kleine Illusion gelingt dennoch, und vielleicht erinnert es die Eine oder den Andern an Zeiten, als sie dieses Gefühl tatsächlich erlebten.

 

 

Grüße von der Blumeninsel

Hier ein paar Farbtupfer von der wunderschönen Insel Mainau im Bodensee.

Die Blumen in Nachbars Garten

Das Bild dieser opulenten Prachtblüten ist hinreißend, nicht wahr? Aber eben nur ein Bild, nur die halbe Miete. Wenn ihr sie dagegen riechen könntet! Seit Tagen erfüllt ein feiner, süßer, sinnlicher Blumenduft den Wohnraum, ich kann mich gar nicht sattsehen und sattriechen daran.

Solche Pfingstrosen wachsen übrigens nicht in meinem Garten, sondern in dem der Nachbarin. Als wir kürzlich mit dem Jäten und Hacken fertig und am Aufräumen waren, stieg sie über die verblühten Narzissen hinweg auf unsere Wiese und hielt diesen Strauß in der Hand. „Ich chab zu viele, ich gebe allen, chier bitte!“ sagte sie mit diesem liebenswerten osteuropäischen Akzent.

Schade, dass Olfakto-Dateien noch nicht erfunden sind, sonst könnte ich diesen berauschenden Duft mit euch teilen.

 

Über den Wolken

Es hat schon was, wenn sich zwei Menschen nach über zehn gemeinsamen Jahren noch überraschen können. Ich erlebe es gerade, denn der geliebte Brite mit seinen siebzig Jahren erfüllt sich gerade einen Traum: Er macht den Pilotenschein. Heute steuerte er mit dem Lehrer an der Seite zum ersten Mal ein Ulttraleichtflugzeug über die Bodenseeregion. Es sei gar nicht schwer gewesen, behauptet er, aber auf dem Flughafengelände in der vorgezeichneten Bahn zu fahren, habe er fast nicht hingekriegt. Das kenne ich natürlich schon von seinem Fahrstil im Auto. 😉

Damit die Freiheit über den Wolken nicht allzu grenzenlos wird, endet die Lehrstunde damit, dass der Schüler das Flugzeug waschen muss. Als wäre es ein Pferd, denke ich, aber es geht nicht um das verschwitzte Fell, sondern um aufgeklatschte Käfer.

Archivbild. Eine Boing wäre dann doch zu ambitioniert!

 

Nochmal etwas Landwirtschaft!

Da staunt die Schrebergärtnerin: In Zürich, gleich neben dem Hauptbahnhof, entdeckte ich am Wochenende diese Kleingartenanlage.

Gibt es zu wenig Gemüse-Anbauflächen in der Stadt? In mehreren Hochbeeten wachsen hier Salat, Tomaten, Zwiebeln, Gewürze. Angesichts der großen Masse an Menschen unterschiedlichster Coluleur im direkten Umfeld ist es erwähnenswert, dass offenbar niemand je ein Hälmlein verbogen hat. Schweiz halt.

Ich frage mich ja, wer das gepflanzt hat. Und wer ernten wird. Bis dahin ist es auf jeden ein hübscher Blickfang!