Archiv der Kategorie: Es darf gelacht werden

Das monumentale Ereignis

In Großbritannien gibt es eine Radiosendung mit dem Politiker, Populisten und Brexit-Hardliner Nigel Farage. Leute können live anrufen und Fragen stellen. Normalerweise ist die „Nigel Farage Show“ ist keine Perle unter den Hörfunkprogrammen. Außer neulich. Da ging folgendes Gespräch über den Äther:
Anrufer: „Ich muss wirklich sagen, ich bin Ihnen extrem dankbar für alles, was Sie in den letzen Jahren in der britischen Politik geleistet haben. Ich war ja von ganzem Herzen gegen den Austritt Großbritanniens aus der EU. Ich glaubte an die europäische Idee und dass es das Beste für uns wäre, in der EU zu bleiben.
Aber dann geschah etwas, das meine Sicht auf die ganze Situation komplett veränderte. Es geschah etwas Monumentales.“
Farage (geschmeichelt): „Was war denn dieses Ereignis, Mark?“
Anrufer: „Ich wurde von einem Pferd gegen den Kopf getreten.“

Mal abgesehen von Hürden und aktuellen Entwicklungen – wie denkt ihr grundsätzlich darüber: Europa oder Nationalstaat?

Reisegeschichten (1)

Habt ihr euch schon einmal mit der Technik in Hotelzimmern herumgeschlagen?

In einem hübschen Quartier in Monteforte d’Alba betrete ich die nagelneue, ebenerdige Duschkabine. Sie ist zur Hälfte durch eine Glasscheibe abgetrennt und hat einen tellergroßen Brauskopf, der wie ein Satellit über mir schwebt. Alles wirkt modern, offen und hell.
Allein: es kommt kein Wasser. Ich drehe an Griffen und Hebeln, drücke, ziehe – nichts.

Da steh ich also: staubig, nackt, verschwitzt. Der geliebte Brite liegt auf dem Hotelbett und reagiert nicht auf meine Rufe. Ist wohl eingeschlafen.

Also nehme ich die Handbrause, die funktioniert. Ich justierte sie an der Duschstange, positioniere mich davor und wasche mir 15 gewanderte Kilometer vom Leib. Danach steht allerdings nicht nur das komplette Badezimmer samt Wäsche und Taschen auf dem Boden unter Wasser, sondern auch das angrenzende Hotelzimmer. Als ich ans Bett trete, platscht es unter meinen Füßen.

Ich melde den Schaden an der Rezeption und behaupte „Dusche kaputt“. Eine Mamma erscheint mit Eimer und Wischmop, während der Brite bereits mit den Aufräumarbeiten begonnen hat. Zu dritt ziehen wir Handtücher über den Boden, wechseln die Bettwäsche (die herunterhängenden Laken haben sich vollgesaugt), nach einer halben Stunde ist der Tsunami besiegt.

Der Brite hat nach einer Weile auch herausgeknobelt, wie die Dusche funktioniert. Aber hey, ich bin Büroangestellte und keine Ingenieurin! Wie bescheuert ist ein Design, dessen Mechanik man nicht versteht und dessen Boden nur unter der Brause abschüssig anlegt ist, im übrigen Teil der Kabine aber nicht??
Drei Tage brauche ich, um darüber lachen zu können.
Der Brite nur drei Minuten. 😦


Quelle: https://www.booking.com/hotel/it/il-grappolo-d-oro.de.html

Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?

Ich bereite ein Brötchen mit lecker Josta-Marmelade drauf, eine Tasse Apfelminztee dazu, trage alles zum Sofa. Feierabend. Ich daddle ein bisschen auf dem Handy herum, höre Musik, hänge meinen Gedanken nach, nehme das Brötchen und – was ist das? Es gleicht dem Logo eines weltbekannten Smartphone-Herstellers! Kurz gesagt: es fehlt ein Stück. Jemand hat in mein Brötchen gebissen.

Wie kann das sein? Der geliebte Brite ist nicht zu Hause, ich bin allein und starre ungläubig auf den Teller.

Es gibt natürlich nur eine Erklärung: Wer kann es schon gewesen sein außer ich selbst.
Ein unangenehmes Gefühl macht sich breit. Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, von dem Brötchen abgebissen zu haben.
Erschöpft von der Woche oder erstes Anzeichen von Alzheimer?

Habt ihr auch manchmal solche „Ausfälle“?

Das Büro-Klo

Zur Toilettensituation an meiner Arbeitsstelle ist zu sagen, dass es sich um eine nachträglich eingebaute WC-Kabine handelt, und dass nicht genug Platz dafür vorhanden war. Es ist also sehr, sehr eng darin. Auf einen Klopapierabroller und eine Vorrat-Halterung wurde deshalb verzichtet, statt dessen baut die Reinigungsdame immer auf einem ca. 1,5 m hohen Mauervorsprung hinter der Toilette mehrere Klopapierrollen zu einer kleinen Pyramide auf. Nach dem Geschäft muss man sich also halb umwenden und nach oben greifen, um an die Spitzenrolle ranzukommen. Da darf man nicht ungelenkig sein!

Heute morgen war ich aber noch tapsig. Ich griff in die falsche Reihe und brachte das Konstrukt zum Einsturz. Mehrere Klopapierrollen rollten im Klo herum, die ich natürlich noch in sitzender Position alle erreichen und wieder einsammeln konnte. Einen Teil balancierte ich wieder an ihren Platz zurück, und dabei hab ich mir den Nacken verrenkt. Ich spüre dort einen scharfen Schmerz seither.

Ist das jetzt ein Arbeitsunfall?

 

Bild von Manfred Antranias Zimmer auf Pixabay

Ein bisschen Spaß muss sein

Neulich an der Hotelbar: Am Tresen sitzen vier Männer und eine Frau, die sich nicht gut zu kennen scheinen. Die Frau spricht mal mit dem Einen, lächelt dann zum andern, umarmt kurz den Dritten, hebt das Glas mit dem Vierten. So geht es eine Zeitlang und die Männer wissen nicht recht, ob sie sich gemeint fühlen sollen oder nicht.
Dann steht die Frau auf, verabschiedet sich knapp und verlässt den Raum. Der Barkeeper lässt den Shaker sinken, schaut ihr perplex hinterher und sagt zu den Männern: „Ihre Rechnung geht auf euch, Jungs, in Ordnung?“
Sie nicken. Was sonst.
Ein Detail noch: Alle Beteiligten der kleine Runde – auch die Frau – sind um die 60 Jahre alt.

Die sitzengelassenen Herren werden bald wieder aufgezäumt: Eine Dreiergruppe hübsch aufgemachter Mädels rauscht herein, auch sie im fortgeschrittenen Alter. Im Nu sind sie mit den Männern im Gespräch, stellen sich einander vor, es wird gelacht, ein bisschen getanzt.
Wir sind in Oberstaufen. Eine Kurstadt.

Und auch tagsüber ist es hier sehr schön:

Was denkt ihr? Darf man es bei einem Kuraufenthalt ein bisschen krachen lassen?

 

St. Martin im Wandel der Zeit

An den Absperrungen um einen kleinen Vorplatz herum stehen junge Leute mit ihren Kindern, vor ihnen reitet ein römischer Soldat im Kreis. Eine Frau mit Kopfschleier schaut ebenfalls zu, während ihr kleiner Sohn nur Augen für den blinkenden Stab hat, an dem seine Laterne hängt. Er hält ihn höher und niedriger, schwenkt ihn hin und her und marschiert dann feierlich auf und ab, die Laterne vor sich haltend wie ein Schwert.

Währenddessen setzt der Römer zum Mantelteilen an, da bricht die Stimme des Erzählers ab. Seine Lippen bewegen sich weiter, aber man hört nichts mehr. Sekundenlang passiert nichts, das Publikum wird unruhig. Nun springt der Bettler auf. Er huscht zu dem Mann, entreißt ihm das Mikrofon, fummelt etwas an der Tonanlage, „eins, zwei“ hört man, es geht wieder. Der Bettler eilt an seinen Platz zurück und kauert sich wieder auf den Boden nieder.

„Brenne auf mein Licht, brenne auf mein Licht …“ singt ein kleiner Chor. Der Bettler ist inzwischen eingekleidet, der Soldat reitet weg, die Kinder halten ihre Laternen hoch, die Eltern ihre Handys.

„… und dein heller Schein, und dein heller Schein, der soll für immer bei uns sein.“

Nur darum gehts.