Archiv der Kategorie: Jahreszeiten

Auf der Suche nach Rest-Normalität

Der geliebte Brite, Dozent einer Englisch-Konversationsgruppe, trifft sich mit den Ladies and Gentlemen nunmehr vor den Bildschirmen. Letzte Woche nach der Sitzung so zum Abschied:
„Happy Easter everybody“ usw. und „see you next week“.
Sagt einer: „Danke, aber nächste Woche bin ich nicht dabei.“
„Oh, warum nicht?“
„Ich habe Urlaub.“
„Fährst du weg?“
„Nein, ich bleibe zu Hause.“
„Ah.“

Urlaub ist Urlaub.


Auf Balkonien gibt es ja auch viel zu tun.

Arbeitstherapie

Gehackt, gedüngt und unkrautfrei – der Garten: picobello. Die erste Woche Kurzarbeit ist um, und alles ist gemacht. Sogar ein Frühbeet. Wetter war natürlich perfekt.

Unter den Gartennachbarn erzählt man, dass es vor Dehner oder Obi bis zu einer Stunde dauert, bis man eingelassen wird. Deshalb gibt es bei mir noch keine Setzlinge. Das rasch Selbstausgesäte auf der Fensterbank muss noch eine Weile betüttelt werden, ehe es an Ort und Stelle kommt.

Also kann ich vorerst nur noch gießen und ein bisschen herumzupfen.

Womit beschäftige ich mich die nächste Woche? Was macht ihr so?

 

 

Der Frühling blüht …

… als wenn nichts wäre.

 

Ich bin jetzt jeden Tag im Schrebergarten. Noch nie sahen die Beete so sauber und aufgeräumt aus wie derzeit. Noch nie hatte ich an Gartenarbeit eine solche Freude. Noch nie hatte ich so viel Zeit dafür.

Die pralle Sonne auf dem Rücken,
während man sich über Schaufel oder Hacke beugt
oder beschaulich den warmen, duftenden Lehmboden riecht,
ist heilender als manch eine Medizin.
(Charles Dudley Warner)

 

 

 

Noch eine Art News-Update!

Verklärtes Häusermeer

Mitten auf dem Platz,
wo die Kinder lärmen,
bleib ich stehn.

Jungens,
die sich um eine Murmel zanken,
ein kleines Mädchen, das Reifen spielt

Herr Gott, Frühling!

Und nichts, nichts hab ich gesehn!

Aus allen Büschen
brechen ja schon die Knospen!

Arno Holz


Bild: (c) Anhora

Zum (Jahres-)Abschluss

Das alte Jahr liegt darnieder …… das neue ist noch verschlossen.

Was mag es uns bringen?

Liebe Leserinnen und Leser,
es ist still geworden in diesem Blog. Das hat Gründe.
Nach einer längeren Reha ist mein Vorsatz fürs neue Jahr: weniger digitale Medien, mehr im Hier und Jetzt. Die vielen Stunden am Handy oder Laptop entspannen mich nicht, und meine Energie benötige ich dringend an anderen Stellen. Ich habe wirksamere Wege gefunden, nach mir selbst zu schauen und meine Nerven pampern.
Ich nehme mir jetzt Zeit für Rückzug und pfleglichen Umgang mit mir selbst. Also raus in die Natur, oder rein in den Flow (z.B. beim Zentangle(R) – Malen gegen Stress), Sport, Achtsamkeit, Atemübungen, lauter solches Zeug. Mir hilfts, ich kann es empfehlen.

Ich danke euch fürs fleißige Lesen und Kommentieren. Es wird vorerst ruhig bleiben hier, vielleicht ändert sich das irgendwann wieder.

Euch allen wünsche ich ein gesundes und fröhliches neues Jahr. Passt auf euch auf, vergesst eure eigenen Bedürfnisse nicht.

Herzliche Grüße
Anhora

Der Schwarzwald, wo ich die letzten Wochen verbracht habe.

Ruhestörung

Ein wunderschönes altes englisches Lied handelt von einem jungen Mann, der nach dem Tod seiner Geliebten nicht zu trösten ist. Täglich steht er weinend an ihrem Grab, bis sie ihm nach zwölf Monaten und einem Tag als Geist erscheint. Sie beschwert sich, dass sie bei all dem Jammern und Klagen nicht in Ruhe schlafen könne, und wer denn das sei.

Er gibt sich zu erkennen und bittet inständig um einen Kuss, doch dann ... if you should kiss my clay-cold lips … würde er sterben, antwortet sie, und ihre Herzen würden zerfallen wie vertrocknete Blumen. Sie fordert ihn auf, das Leben zu nehmen wie es ist es zu genießen, solange er es hat.

In diesem Sinn wünsche ich euch – gerade heute – einen erfüllten und mit allen Sinnen gelebten Tag.

 

Cold blows the wind upon my true love
Soft falls the gentle rain
I never had but one true love
And in Greenwood she lies slain

I’d lose much for my true love
As any young man may
I’ll sit and I’ll mourn all on your grave
For twelve months and a day

When the twelfth month and a day had passed
The ghost began to speak
„Who is it that sits all on my grave
And will not let me sleep?“

„‚Tis I, ‚tis I, thine own true love
That sits all on your grave
I ask of one kiss from your sweet lips
And that is all that I crave“

„My lips, they are as clay, my love
My breath is earthy strong
And if you should kiss my clay-cold lips
Your time, ‚twould not be long“

„Look down in the yonder garden fair
Love, where we used to walk
The fairest flower that ever bloomed
Has withered and too the stalk“

„The stalk, it has withered and dried, my love
So will our hearts decay
So make yourself content, my love
‚Til death calls you away“

Die Welt ist allezeit schön

Im Frühling prangt die schöne Welt
In einem fast smaragdnen Schein.

(Was für ein langweiliges Gedicht)

Im Sommer glänzt das reife Feld
Und scheint dem Golde gleich zu sein.
Im Herbste sieht man als Opalen …

Ich hör schon auf, den Rest kann man sich sparen.
Aber der letzte Vers bleibt bei mir hängen:

… wenn wir die Welt aufmerksam sehn,
Ist sie zu allen Zeiten schön.

Mist. Warum vergess ich das immer?

Und so fiel mir der heutige Abend ein, als ich völlig jahreszeitenunabhängig ein schnelles Essen zubereitet hatte (die abgekochten Nudeln von gestern mit Ei und Schnittlauch) und, da der geliebte Brite nicht da war, mit meinem Teller aufs Sofa gesunken war vor den laufenden Fernseher, wo ich es mir schmecken ließ.

Bisschen kulturlos aber – Mann, das war gut.

Solche Momente sollten nicht untergehen im alltäglichen Irrsinn.

 


Und was hat es bei euch heute Schönes gegeben?

 

Wen das Gedicht doch interessiert:
Im Frühling prangt die schöne Welt
In einem fast smaragdnen Schein.
Im Sommer glänzt das reife Feld
Und scheint dem Golde gleich zu sein.
Im Herbste sieht man als Opalen
Der Bäume bunte Blätter strahlen.
Im Winter schmückt ein Schein, wie Diamant
Und reines Silber, Flut und Land.
Ja kurz, wenn wir die Welt aufmerksam sehn,
Ist sie zu allen Zeiten schön
Barthold Heinrich Brockes

Zu heiß zu allem?

Bei anhaltenden Hitzephasen mit all ihren Begleiterscheinungen macht man sich schon mal Gedanken darüber, wie sich das Klima auf Menschen auswirkt.

Südländer mussten immer schon am Tag in der Hängematte liegen, um nicht beim Arbeiten in glühender Sonne an einem Hitzschlag zu sterben. Trotzdem hatten sie genug zu essen: Früchte fallen vom Baum, Gemüse wächst aus der Erde, Fische zappeln am Strand. Sowas in der Art.

Wir Nordländer hingegen mussten stets ackern und machen und tun, um nicht zu verhungern und zu erfrieren: Häuser bauen, Vorräte anlegen. Wenn wir aber im Herbst die Heugabel zur Seite legten, hatten wir Zeit zum Nachdenken, Neues erfinden, Erkenntnisse gewinnen.

Deshalb stammen die größten Bauwerke, Erfindungen, Dichter und Denker aus unseren Breitengraden.

Schmarres.

Die mächtigsten Bauwerke der Antike stehen in Ägypten, die ausgefeilteste Technik im alten Rom, die größten Philosophen lebten in Griechenland. Denen war es nicht zu heiß zum tüfteln und denken.

An dieser Stelle: Respekt.

Ab 32 Grad schmilzt mein Gehirn und ich will wie die Katzen nur noch herumliegen. Egal wo.

Frühling am Bodensee

Wenn der Frühling grüßt,
dann hüpft das Herz vor Freude.

(Sinnspruch aus Irland)

 

Hexen, Geister, Teufelsbräute

Heute bei einem der zahlreichen Narrensprünge der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Mit dem vergleichsweise zivilisierten rheinischen Karneval hat das nichts zu tun: Bei uns geistern gruselige Gestalten herum, alle mit einer „Larve“, also einer Holzmaske. Jede Zunft hat ihren eigenen Schlachtruf, der vom Publikum beantwortet werden muss. Zum Beispiel: „Dr Torf isch weg“ – „jetzt hommer dr Dreck!“
Die Kinder bekommen Süßigkeiten, die jungen Mädchen Konfetti ins Haar. Uns hat man nur versucht, den Schal wegzunehmen und die Schnürsenkel aufzuziehen. 😉

 

Ein bisschen Spaß muss sein

Neulich an der Hotelbar: Am Tresen sitzen vier Männer und eine Frau, die sich nicht gut zu kennen scheinen. Die Frau spricht mal mit dem Einen, lächelt dann zum andern, umarmt kurz den Dritten, hebt das Glas mit dem Vierten. So geht es eine Zeitlang und die Männer wissen nicht recht, ob sie sich gemeint fühlen sollen oder nicht.
Dann steht die Frau auf, verabschiedet sich knapp und verlässt den Raum. Der Barkeeper lässt den Shaker sinken, schaut ihr perplex hinterher und sagt zu den Männern: „Ihre Rechnung geht auf euch, Jungs, in Ordnung?“
Sie nicken. Was sonst.
Ein Detail noch: Alle Beteiligten der kleine Runde – auch die Frau – sind um die 60 Jahre alt.

Die sitzengelassenen Herren werden bald wieder aufgezäumt: Eine Dreiergruppe hübsch aufgemachter Mädels rauscht herein, auch sie im fortgeschrittenen Alter. Im Nu sind sie mit den Männern im Gespräch, stellen sich einander vor, es wird gelacht, ein bisschen getanzt.
Wir sind in Oberstaufen. Eine Kurstadt.

Und auch tagsüber ist es hier sehr schön:

Was denkt ihr? Darf man es bei einem Kuraufenthalt ein bisschen krachen lassen?

 

Inspirationen

Wer dachte, ein Fahrrad ist die umweltfreundlichste Art der Fortbewegung, der irrt.
Ein Bambus-Fahrrad ist noch umweltfreundlicher!

Und wo steht es? In Basel, vor einer Beratungsstelle „Stopp Rassismus“.

Ich nehme es als kleine Inspiration, was ich auch im neuen Jahr im Blick behalten will:
eine bessere Umwelt und eine freundlichere Welt.

Habt ihr noch mehr Ideen für 2019?

Dinner for One – jetzt auch in England!

Der wahrscheinlich beliebteste und am häufigsten ausgestrahlte britische Sketch ist in England so gut wie unbekannt. Der geliebte Brite sah ihn zum ersten Mal hier in Deutschland, mit mir.
Doch das wird sich ändern!

Wenn Miss Sophie nämlich heute wieder einmal ihren 90. Geburtstag feiert und mit Sir Toby, Admiral von Schneider, Mr Pomeroy and Mr Winterbottom anstößt, wenn der Butler James an die Stelle all dieser längst verblichenen Freunde treten muss – dann ist zum ersten Mal auch das englische Publikum dabei.

Ob man auf der Insel über die (deutschen) Klischees zur britischen Aristokratie genauso lacht wie bei uns, wird sich zeigen. Die Verkopften erkennen vielleicht auf Anhieb Tabubrüche wie Verlust, Alkohol, Sex im Alter. Für die andern ist es einfach ein herrlicher Slapstick.

“Same procedure as last year, Miss Sophie?” “Same procedure as every year, James”.

1963 wurde Dinner for One mit Freddie Frinton und May Warden in Hamburg für den NDR aufgezeichnet. Seit 1972 wird die Komödie in Deutschland und anderen Ländern regelmäßig am Silvestertag ausgestrahlt. Am 31.12.2018 wird er von Sky Arts zum ersten Mal auch in Großbritannien zu sehen sein.
Premiere: „Dinner For One“ erstmals im britischen Fernsehen

Ich wünsche allen meinen
Leserinnen und Lesern

einen guten Rutsch und
ein gesundes, fröhliches und positives
neues Jahr!

 

Wer machts nach?

Ein Mann ist heute mehrere Minuten lang im Rhein geschwommen!
Wassertemperatur: 6 Grad
Außentemperatur: um die 0 Grad

Diese spektakuläre Aktion haben wir in Basel gesehen.

Der Mann sprach uns an und bat freundlich darum, bei seiner Schwimmstrecke am Ufer neben ihm herzugehen für den Fall, dass es medizinische Probleme gebe. Dann solle man den Notarzt rufen. Unbedarft ging ich darauf ein, er zog sich aus und stieg ins Wasser. Die Strecke über 4 Minuten schaffte er mühelos, sogar ein zweites Mal.

Als er sich abschließend bedankte und mir die Hand gab (er stand noch in der Badehose da), drückte ich eine ganz warme Hand, während meine – trotz Handschuhen – eiskalt war.

Erst danach ging mir durch den Sinn, was ich eigentlich gemacht hätte, wenn er tatsächlich in Not gekommen wäre. Ein Ambulanzwagen steht ja nicht am Ufer geparkt. Also hinterherspringen?
Gut, dass man manchmal nicht so viel nachdenkt. 😉

 

Die Bilder werden mit dem Einverständnis des tapferen Schwimmers veröffentlicht.
Das Urheberrecht liegt bei ihm, eine weitere Verwendung ist nicht gestattet.

Luftholen

Nach all dem Festen und Feiern war heute wieder Zeit für einen langen Spaziergang. Um dem dicken Grau zu entkommen, fuhren wir ein wenig höher und in Wolfegg wurden wir fündig. Hier hat sich die Sonne also versteckt! Sie hat sich heute besonders viel Mühe gegeben und den Himmel in hellgelbes Licht getaucht. Im Nebeldunst in der Ferne erkennt man die zarten Umrisse der Alpen.
Es braucht gar nicht viel, um den Alltag zu vergessen. Ein solcher Anblick genügt.

Und was habt ihr heute gemacht? Ich hoffe, ihr hattet einen entspannten Tag.

Die Welt ist schön

Neulich beim Adventskonzert: Nach ein paar Stücken des Orchesters löst sich ein zierliches Mädchen aus dem Hintergrund und geht nach vorne, eine Harfe wird herbeigebracht. Sie setzt sich an das Instrument, streicht sich über den dichten Pferdeschwanz, holt tief Luft und beginnt, mit den Händen die Saiten auf- und abzugleiten. Weiche Klänge ertönen, „Greensleeves“.

Ich betrachte das Gesicht des Mädchens. Es scheint so zart, so rein, so unschuldig wie eine Elfe, die sich in ein Kirchenschiff verirrt hat. Sicher ist sie eine gute Schülerin, hat Freundinnen und auf jeden Fall Eltern, die ihr eine Harfe und Musikstunden ermöglichen.

Nach drei Liedern steht sie auf, senkt schüchtern den Kopf, die Leute applaudieren. Der Vater trägt die Harfe weg, das Mädchen setzt sich wieder, eng zwischen die Eltern. Das Konzert geht weiter.

Ich kann den Blick nicht von ihr lassen. Ist es das, wonach wir uns an Weihnachten sehnen? Behütet zu sein, geliebt, gefördert und in Sicherheit? Ist der ganze Rummel deshalb nicht aus der Welt zu schaffen, weil Weihnachten der Traum von einer schönen, heilen Welt ist, die wir vielleicht als Kind vor dem Christbaum erlebt haben? Oder gerne erlebt hätten? Ist es einfach der Wunsch nach: Alles ist gut?

Wie auch immer. Ich wünsche euch allen ein frohes Fest mit lieben Menschen,
oder ein friedliches mit euch selbst.

Schöne Weihnachten!

 

 

Innehalten

Zeit existiert erst dann, wenn man auf die Uhr schaut.

 

Noch einen Tag arbeiten, dann geht der Stress erst richtig los: Geschenke kaufen – und zwar die schwierigen. Die einfachen hab ich ja bereits.
Und ihr? Habt ihr schon alles beisammen?

Ich wünsche euch genügend kleine Pausen in der aufgeregten Vorweihnachtszeit.
🙂