Archiv der Kategorie: Reisen

Ein bisschen Spaß muss sein

Neulich an der Hotelbar: Am Tresen sitzen vier Männer und eine Frau, die sich nicht gut zu kennen scheinen. Die Frau spricht mal mit dem Einen, lächelt dann zum andern, umarmt kurz den Dritten, hebt das Glas mit dem Vierten. So geht es einige Zeit und die Männer wissen nicht recht, ob sie sich gemeint fühlen sollen oder nicht.
Dann steht die Frau auf, verabschiedet sich knapp und verlässt den Raum. Der Barkeeper lässt den Shaker sinken, schaut ihr perplex hinterher und sagt zu den Männern: „Ihre Rechnung geht auf euch, Jungs, in Ordnung?“
Sie nicken. Was sonst.
Ein Detail noch: Alle Beteiligten der kleine Runde – auch die Frau – sind um die 60 Jahre alt.

Die sitzengelassenen Herren werden bald wieder aufgezäumt: Eine Dreiergruppe hübsch aufgemachter Mädels rauscht herein, auch sie im fortgeschrittenen Alter. Im Nu sind sie mit den Männern im Gespräch, stellen sich einander vor, es wird gelacht, ein bisschen getanzt.
Wir sind in Oberstaufen. Eine Kurstadt.

Und auch tagsüber ist es hier sehr schön:

Was denkt ihr? Darf man es bei einem Kuraufenthalt ein bisschen krachen lassen?

 

Wer machts nach?

Ein Mann ist heute mehrere Minuten lang im Rhein geschwommen!
Wassertemperatur: 6 Grad
Außentemperatur: um die 0 Grad

Diese spektakuläre Aktion haben wir in Basel gesehen.

Der Mann sprach uns an und bat freundlich darum, bei seiner Schwimmstrecke am Ufer neben ihm herzugehen für den Fall, dass es medizinische Probleme gebe. Dann solle man den Notarzt rufen. Unbedarft ging ich darauf ein, er zog sich aus und stieg ins Wasser. Die Strecke über 4 Minuten schaffte er mühelos, sogar ein zweites Mal.

Als er sich abschließend bedankte und mir die Hand gab (er stand noch in der Badehose da), drückte ich eine ganz warme Hand, während meine – trotz Handschuhen – eiskalt war.

Erst danach ging mir durch den Sinn, was ich eigentlich gemacht hätte, wenn er tatsächlich in Not gekommen wäre. Ein Ambulanzwagen steht ja nicht am Ufer geparkt. Also hinterherspringen?
Gut, dass man manchmal nicht so viel nachdenkt. 😉

 

Die Bilder werden mit dem Einverständnis des tapferen Schwimmers veröffentlicht.
Das Urheberrecht liegt bei ihm, eine weitere Verwendung ist nicht gestattet.

Luftholen

Nach all dem Festen und Feiern war heute wieder Zeit für einen langen Spaziergang. Um dem dicken Grau zu entkommen, fuhren wir ein wenig höher und in Wolfegg wurden wir fündig. Hier hat sich die Sonne also versteckt! Sie hat sich heute besonders viel Mühe gegeben und den Himmel in hellgelbes Licht getaucht. Im Nebeldunst in der Ferne erkennt man die zarten Umrisse der Alpen.
Es braucht gar nicht viel, um den Alltag zu vergessen. Ein solcher Anblick genügt.

Und was habt ihr heute gemacht? Ich hoffe, ihr hattet einen entspannten Tag.

Bodensee-Impressionen

Gestern in Wasserburg: Nebeldunst und Spätherbstsonne schaffen eine Stimmung, in der man sich verlieren kann: abgeschieden, friedvoll, versonnen. Ohne die touristenbedingte Übervölkerung entdeckt man wieder den Charme der kleinen Bodensee-Ortschaften.

Erschreckend sind nur die Wasserstände: Schon im Sommer endeten viele Badetreppchen weit über dem Wasserspiegel. Die Uferstreifen sind so breit wie nie, am Rheindamm ist eine neue Insel entstanden. Aber der niedrigste gemessene Wasserstand war 1858, gefolgt von einem annähernden Wert im Jahr 1902. Und das ganz ohne Klimaerwärmung.

Wir betrachten die ungewohnten Kiesstreifen an der Promenade, schauen aufs Wasser hinaus und wollen glauben, dass die Natur sich nicht unterkriegen lässt.

 

Wandschmuck

Impressionen, die nicht irgendwo in den Tiefen Italiens entstanden sind, sondern gestern in der Altstadt von Konstanz.

Die wie gemalt wirkenden Fensterläden des Wohnhauses auf dem ersten Bild wurden nicht wegen der Herbstsonne verschlossen, sondern weil das Gebäude derzeit unbewohnt ist. Es stammt aus dem 17. Jahrhundert, und soviel Zeit hat der davor stehende Roller noch nicht gesehen. Mit gefiel der Kontrast von Licht und Schatten, Alt und Neu, feststehend und mobil.

Die Graffitis darunter stammen von Tuk, einem Streetart-Künstler. Er arbeitet mit Schablonentechnik und die beiden hübschen Farbtupfer hätte ich im Vorbeigehen fast übersehen. Aber eben nur fast. 🙂

Italienische Fantasie

Urlaub am Gardasee – das klingt wie Urlaub im Bayerischen Wald: Öde. Hinz und Kunz fahren an den Gardasee, und zwar schon seit den Siebziger Jahren. Nicht immer sind es die spannendsten Zeitgenossen, die sich dieses Reiseziel aussuchen. Mit anderen Worten: Es zog mich nie hin.

Der geliebte Brite kennt dieses Klischee indes nicht und hält den See nach einem Blick im Netz für einen „interesting place“ – Wasser, Berge, hübsche Restaurants und „Schau die schönen Blumeninseln“. Gähn.

Zum Glück setzte er sich durch! Wir verbrachten eine Woche in Riva del Garda und der See hat an diesem nördlichsten Punkt etwas Magisches. Links und rechts ragen die Ausläufer der Dolomiten empor, nach Süden hin wird es licht. Ich hätte immerzu dort stehen und aufs Wasser schauen können, verzaubert vom zarten Dunst am Horizont, von den Pastellfarben, von den in der Ferne durchsichtig scheinenden Bergkämmen.

Wer Lust hat, kann hier alle Arten von Wasser- oder Bergsport betreiben. Wir hatten keine Lust, oder nicht viel und haben hauptsächlich ausgeruht und all das Schöne genossen. Riva del Garda ist gepflegt, organisiert, alles funktioniert. Man spricht deutsch und denkt auch ein bisschen so. Bevor jetzt mahnend der Zeigefinger erhoben wird, weil der massenhafte Einfall der Deutschen den Italienern den Spaß verdorben und ihre Mentalität zerstört habe – so war es nicht. Der Gardasee gehörte einst zu Österreich, noch früher gar zu Bayern (doch ein bisschen Bayerischer Wald!) und es waren vielleicht eher die Italiener, die den verbliebenen Ansässigen ihre Stempel aufdrückten. Das Ergebnis ist perfekt: Eine Mischung aus deutscher Tüchtigkeit und der einen oder anderen gerade gelassenen Fünf.

Das einzig Langweilige ist der Name: Gardasee. Wie abgedroschen klingt das denn? Wie schön hört sich dagegen Lago Maggiore an! Oder Lago di Garda. Das hat Rhythmus, das hat Fantasie!

Ach egal.

Es war fantastisch!