Archiv der Kategorie: Tagesgedanken

Los gehts

Über gestern rede ich nicht. Das Heimbüro sah aus wie nach einem Orkan, als ich den Bleistift sinken ließ. Wann das war, sage ich auch nicht.

Aber dann schlief ich ein ohne Ministerien, To-do-Listen und Menschen mit aufgehaltenen Händen im Kopf. Am Morgen zeigt der Fitness Tracker ungewohnt gleichmäßige Schlafphasen, fast eine Stunde Tiefschlaf.
Erstaunlich, wie schnell der Körper reagiert.

Die Seele braucht etwas länger.
Ich werde heute meine Unterlagen ordnen und das Büro aufräumen.

Null-Arbeit Tag 1.

Falsch gedacht

Jetzt ist es amtlich. Ich hatte letzte Woche die Nachricht der Geschäftsleitung nicht recht ernst genommen. Ich dachte, da kann man noch diskutieren. Ich dachte, das ist nur für den Fall der Fälle. Ich dachte  … an etwas anderes: Wie ich meine Berg an Arbeit von zu Hause aus hinkriege zum Beispiel. Wo ich all dieses Papier und die Mappen und Sachen ausbreite. Wann ich zum Firmenstempeln ins Büro fahr. Solches Zeugs.

Aber heute stellten sie es noch einmal klar.  Ab Mittwoch arbeite ich nicht mehr im Büro, und auch nicht im Home Office, sondern im Garten. Oder zu Hause. Oder gar nicht. Tendenziell gar nicht. Ohne Einnahmen keine Ausgaben, ab dem 1. April beginnt bei uns die Kurzarbeit. Eigentlich ist es das falsche Wort, denn unsere Arbeitszeit wird auf Null reduziert, es müsste also Null-Arbeit heißen.

Wenn ich daran denke, wieviel noch zu tun ist und dass nach Corona alles auf einmal kommt, dann wird mir ganz schlecht.

Bild von Silviu Costin Iancu auf Pixabay

Es ist still geworden

Ich habe die Straße für mich, als ich mit dem Fahrrad zur Post unterwegs bin. Kaum ein Auto stört meine Fahrt. Ich werde nicht an den Bordstein gedrängt, nicht mit Abgasen eingenebelt, muss nicht auf den Gehweg ausweichen zu meiner Sicherheit.

Ruhig ist es auch. Kein Motorenlärm. Niemand muss von hier nach da. All das auf-die-Uhr-sehn, ans-Lenkrad-trommeln, all die verspannten Gesichter mit den Gedanken im Büro, beim nächsten Meeting, in der Kita oder sonstwo, all das Hasten, all die Lasten – dahin.
Die leeren Straßen erinnern mich an meine Kindheit.

Als ich etwa zehn Jahre alt war, setzten sich meine Cousine und ich gerne an den Straßenrand und wir schrieben Auto-Nummern auf. Einfach so zum Zeitvertreib. Wenn wir an einem Nachmittag auf zwanzig oder so kamen, gerieten wir aus dem Häuschen. Frühe Siebzigerjahre.
Diese Beschaulichkeit auf den Straßen hatte ich längst vergessen.

Arbeiten will gelernt sein

Es ist so eine Sache mit dem Arbeiten zu Hause. Egal wann ich beginne – erst komm ich in den Arbeitsfluss nicht rein, und wenn es dann endlich läuft, dann komm ich nicht mehr raus. Es war schon so, als ich noch als Übersetzerin arbeitete und oft bis in den späten Abend am Schreibtisch saß. Man hat eigentlich keinen Rhythmus mehr, geschweige denn die üblichen Arbeitszeiten.

Es leidet auch die Energie des Raums, der bisher mein Rückzugsort war. Hier habe ich gelesen, geschrieben, nachgedacht, ausgeruht. Hier konnte ich allein sein. Allein bin ich zwar immer noch, aber es liegen Ordner auf dem Boden, Unterlagen auf dem Tisch, zwischen Papier und Büroklammern ist eine Tasse Tee eingeklemmt, auf dem Fenstersims liegt das Diensthandy.

Doch was jammere ich. Fast tausend Tote in Italien in den letzten 24 Stunden. Gütiger Himmel …

Gut zu wissen

Wenn man im Home Office von seinem Schreibtisch aufsteht, über das Notebook-Kabel stolpert und sich dabei verletzt, ist das ein Arbeitsunfall.

Wenn man im Home Office, während man sich ein Glas Wasser holt, über den Staubsauger stolpert und sich dabei verletzt, ist das kein Arbeitsunfall.

(Heute im Netz gefunden.)

Mir fällt auf, dass sich manches trotz Coronakrise nicht ändert. In Deutschland zum Beispiel das Bedürfnis, sich zu informieren. So hat man die Dinge im Griff, sichert sich ab. Zumindest fühlt es sich so an.

Die einen erforschen eben arbeitsrechtliche Sachverhalte, die andern bunkern Klopapier. Hauptsache man ist Herr der Lage.

 

Heimarbeit – Gar nicht so einfach

Am späteren Vormittag denke ich, das ist nichts für mich: Home Office. Ich finde einfach keinen Anfang. Klicke in E-Mails herum, die alle beantwortet müssen – aber nicht alle sofort.
Der Unterschied entgeht mir zunächst.

Unzufrieden stehe ich auf, es ist immer noch nichts geschafft. Ich geh raus. Stromere eine Weile in der Nachbarschaft herum, vorbei an abgesperrten Spielplätzen und Grünanlagen, achte auf den zwei-Meter-Abstand zu anderen Fußgängern. Ein kalter Ostwind pfeift mir um die Ohren, doch die Sonne tut gut.

Dann versuche ich es noch einmal. Ordentlich angezogen setzte ich mich wieder an den Schreibtisch, nehme mir  jetzt eine Aufgabe vor, die lange liegengeblieben war, und tatsächlich habe ich sie im Lauf des Resttages fast vollständig erledigt.

Kaum hat man ein Ziel, schon erreicht man es auch!

 

Home Office

Kaum macht sich im Kopf das Wort „Home Office“ breit, schon hört man im Büro auf, E-Mails zu sortieren, Unterlagen zu ordnen, Dokumente genau zu lesen. „Mach ich daheim, wenn Ruhe ist“.
Wie Kraut und Rüben wurde alles, nicht meine Art.

Also war ich heute im Home (Office würde ich es nicht nennen) am Sortieren, Ordnen, Arbeiten, was geht. Es hat nicht so geflutscht, wie ich es erwartet hatte. Eher ein bisschen zäh das alles. Und einsam.
Aber das war es im Büro auch schon. Es sind nur noch zwei Personen als Notbesetzung am Standort erlaubt, der Rest ist zu Hause.

Morgen mache ich einen Plan. Eine To-Do-Liste.