Archiv der Kategorie: Tagesgedanken

Good-bye, Trados!

Vor zwei Stunden: der letzte Klick in einem Lebenskapitel bedient ein Kreuzchen rechts oben am Bildschirmrand. Das Fenster schließt sich, „machs gut …“ entfährt es mir, Trados wird sich nie mehr öffnen. Die Zeit meiner Tätigkeit als freischaffende Übersetzerin ist vorbei.

Ich arbeite ja schon lange wieder in einem Angestelltenverhältnis, 80%, und die nebenberuflichen Übersetzungen sorgten nur noch für die volle Urlaubskasse. Aber nun brauche ich die Zeit und Energie an anderen Stellen. Auf dem Sofa zum Beispiel, wenn ich abends nach Hause komme, so wie andere es auch machen. Damit ich Kraft schöpfen kann für die Aufgaben des Lebens, die sich im Moment stellen.

Zu meiner eigenen Überraschung schaue ich mit Wehmut auf das Icon der Übersetzungssoftware, die mich jahrelang begleitete. Sie ließ sich nicht leicht beherrschen zu Beginn und wir fochten zähe Kämpfe aus. Aber mit der Zeit lernte ich, sie zu verstehen und wir wurden Freunde. Nun löse ich das kleine blaue Bildchen von der Taskleiste, brauch ich nicht mehr. Armes Trados, denke ich, so unnütz geworden, es wird langweilig werden ohne mich.

Merkwürdig, dass ein digitales Arbeitsmittel solche Empfindungen auslösen kann, nicht wahr? Aber von einem Auto zum Beispiel trennt man sich ja auch meist mit einem Seufzen, und ist ja nur ein Haufen Blech. Aber eben nicht nur.

 

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Zwischenruf

Wenn man den Kopf nicht frei hat, kann man keine Blogartikel schreiben. Deshalb ist gerade nicht viel los hier, das Leben hat seine Tücken in diesen Tagen. Geradezu therapeutisch wirkt da, was ich vor kurzem für mich entdeckt habe: Instagram. Bei der Bearbeitung von Bildern kann man sich herrlich wegdröhnen und das Gedankenkarussell zum Stillstand bringen. Aber eins möchte ich doch erzählen:

Das Schicksal wollte es, dass vor einer Woche die Schmerzen in meinen verspannten Schultern behandelt wurden. Mit Tabletten. Das Gute daran war, dass die Schmerzen im kürzlich gebrochenen Zeh gleich mitbehandelt wurden. Im Iboprofen-Rausch war alles in Ordnung, bis gestern. Da kam noch ein frustrierender Arbeitstag dazu, nichts lief so, wie ich es wollte. Und da … am Abend … kamen die Schmerzen wieder. In den Schultern, im Fuß, trotz Tabletten.

Da fragt man sich, was Schmerzen eigentlich sind, und warum man sie hat.

Das wars von mir, ich wünsche euch allen einen schönen Abend.

 

Ruhetag für tapfere Indianer

Hier spricht Häuptling Broken Toe. Nicht zu verwechseln mit Wounded Knee, das ist mein Bruder. Ich dagegen habe es geschafft, mir auf dem Weg zum Radio den Ringzzeh zu brechen, das ist der vierte Zeh von links am rechten Fuß.

Wie kam es zu diesem Befund?

Es geschah morgens (da ist meine Wahrnehmung noch eingeschränkt),
ich war in Eile (warum eigentlich?),
und dann sprang ein Stuhlbein direkt vor meine Füße (was Möbelstücke sich manchmal erlauben!)

Wer es noch nicht weiß: Mit einem gebrochenen Zeh wird die entsprechende Stelle großzügig dick, blau, pelzig und ausgesprochen schmerzhaft beim Versuch, aufzutreten. So humpelte ich also auf der Ferse zum Auto in der Erwartung, dass es bei der Arbeit bald nicht mehr weh tut wie sonst immer. Es ist ja nicht das erste Mal, dass Möbelteile meinen Schwung aufzuhalten versuchen. Aber diesmal wurde es nicht besser, sondern schlimmer, und ich ging schließlich zum Arzt.

Jetzt liege ich auf der Couch und schau mir schöne Bilder im Internet an. Damit der Tag nicht ganz umsonst ist.

 

 

 

We are amused

… denn ein langer Traum wird wahr: wir haben ein Haus gekauft! Es hat 1,5 Räume und steht auf einem 170 qm großen Grundstück. Mit anderen Worten: Wir sind jetzt glückliche Besitzer einer Holzhütte und Pächter eines Schrebergartens. Am liebsten würde ich sofort zu Obi, einen Spaten kaufen und anfangen umzugraben. Wir haben nur den Schlüssel noch nicht und ich bezweifle auch, dass um diese Jahreszeit Gartengeräte erhältlich sind.

Beim Rundgang mit dem Vereinsvorstand erfuhren wir übrigens, dass die Kleingartenanlage eine eigene Welt mit vielen Ländern und Kulturen darstellt. Es gibt hier Portugiesen, Russen, Ukrainer, Rumänen, Italiener, ein paar Deutsche sind auch dabei. Und – man glaubt es kaum – der Garten direkt neben unserem gehört – einem Briten!! There are you from the socks. Natürlich gibt es bei diesem Nachbarn einen gepflegten, gefühlt mit der Nagelschere bearbeiteten kleinen Rasen. Auch „mein“ Brite hat Bedarf an Gartenfläche angemeldet und träumt vielleicht schon vom glattrasierten Wimbledon-Wiesle.

Hey, ich freu mich so!

Heute bei herrlichem Sonntagsspaziergang

Los gings im Bett,
war schon im Bad,
bin an der Küche vorbei
und jetz grad auf dem Weg zum Sofa.
Wetter macht auch mit.
 

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PS: Nein, die Bilder stammen leider nicht vom trauten Heim, sondern von den Bed&Breakfast-Unterbringungen während unserer Wanderung am Hadrianswall entlang. Träumen darf man ja. 🙂

Die Allee

Wenn ich einmal durch diesen Tunnel gehe, dann soll er so sein wie diese Allee. Die Kronen der Baumreihen schließen sich über mir, Licht fließt durch das Laub, auf den Feldern liegt dicker Wildkräuterflaum. Es riecht wie nach einem Regenschauer.

Wenn ich durch diese Allee gehe, sind auch andere Menschen unterwegs: zu Fuß oder mit dem Rad machen sie sich auf den Heimweg nach einem langen Tag. Ich bin nicht allein, und das ist gut. Weiter vorne, am Ende der Allee, wird es hell. Vielleicht wartet dort jemand, doch das ist nicht wichtig. Ich setze einen Schritt vor den andern, höre die Vögel singen, es ist ein warmer Tag.

So träume ich manchmal, wenn ich auf dem Weg von der Arbeit nach Hause durch diese lange Allee radle. An ihrem Ende befindet sich ein kleiner Friedhof. Neulich standen wieder Menschen an einem offenen Grab, die Sonne schien ihnen auf die Schultern.

 

 

Wandrer, steh still!

Wandrer steh still!
Dies Haus ist mein und doch nicht mein
Beim zweiten wirds wohl auch so sein
Den Dritten trägt man auch hinaus –
Wandrer sag, wem g’hört dies Haus?

Vor allem in landwirtschaftlich geprägten Gegenden sieht man immer wieder Häuser, auf denen ein Haussegen oder Sinnspruch angebracht ist. Mich interessiert sowas, weil es viel über das Denken der Menschen in der Vergangenheit sagt. Meist spricht viel Demut aus solchen Inschriften. Kennt ihr auch welche?