Archiv der Kategorie: Tagesgedanken

Frage zum Alltag eines …

… Frutariers. Ich komme nämlich beim Waldlauf an diesem Holzstapel vorbei und da geht mir durch den Kopf: Frutarier essen das, was die Natur freiwillig hergibt. Also Obst, Nüsse, Samen, weder ein Tier noch eine Pflanze darf geschädigt werden.

Wenn das ethische Gründe hat, kann ein gefällter Baum kaum zum Leben des Frutariers gehören, auch wenn der Baum nicht gegessen wird. Da dies praktisch unumsetzbar ist, fragt man sich schon: Warum hält sich jemand bei der Ernährung an Regeln, die bei Möbeln und in Form von Papier nicht gelten können?

Während ich weiterlaufe und vor mich hinhechle, fallen mir auch Veganer und Vegetarier ein: Sie essen nichts, wofür ein Tier getötet wurde. Was ist aber mit all den Käfern und Kleinstlebewesen, die unter der Rinde eines Baums zu Hause sind und beim Schälen zu Tode kommen?

Wird hier zwischen vermeidbar und unvermeidbar unterschieden? Stirbt es sich in unvermeidbaren Fälle leichter?

Versteh ich nicht ganz. Ihr?

Formsache

Da sitzen wir mit einem Freund in der Kneipe, und der starrt plötzlich alarmiert auf die andere Seite der Theke. Dort steht ein mittelgroßer Mann mit Kugelbauch und strähnigem Haar, der teilnahmslos in sein Bier schaut.
„Schau mal, was der da drüben anhat!“ schnaubt unser Freund.
Es ist ein dunkler Rollkragenpullover, ich komme nicht mit. Da dreht der Freund die Schulter nach vorne, zeigt auf seinen Oberarm und den Aufnäher am Ärmel:
„Das ist Stone Island!“
Die Marke sagt mir nichts, aber seine Stimme lässt erahnen, dass nur ausgewählte Leute sie tragen können, dass nicht jeder über das entsprechende modische Insiderwissen verfügt, schon gar nicht über das Geld für die kostspielige Anschaffung. Außerdem ist es wahrscheinlich gesetzlich vorgeschrieben, dass nur coole Leute diese Marke überhaupt erwerben dürfen.

Der Mann gegenüber gehört nicht zu dieser Personengruppe, das ist klar. Er ist sozusagen der uncoolste Pulloverträger in dieser Kneipe und macht alles andere als einen wohlhabenden Eindruck, aber nun sehe ich es auch: Er trägt dasselbe Label am Ärmel.
„Fake!“ ruft unser Freund aufgeregt, „vom Straßenmarkt im Urlaub mitgebracht, oder Internet-Ramsch, alles Fake!“
Da tut er mir Leid. Er bezahlte viel Geld für dieses Kleidungsstück und den mitgelieferten VIP-Platz in seiner Welt. Geld, das er nicht so richtig hat, da erwerbsunfähig und auf Rente angewiesen. Und nun das.

Wie wichtig ist euch Kleidung? Es muss nicht Designermode sein, aber mit einer neuen Bluse oder schicken Schuhen fühle ich mich auch besser in Form als in abgegriffenen Sachen. Deshalb ziehe ich morgens nie irgendwas aus dem Schrank. Geht euch das auch so?

💋❤️❤️❤️💋 – Die Auflösung

Gestern erzählte ich hier die Geschichte einer eifersüchtigen Ehefrau mit einem kleinen Rätsel am Ende: Was überzeugte die Ehefrau, dass eine mit Herzchen und Kussmündern garnierte E-Mail an ihren Mann harmlos war? Da wir sein Alter nicht erfahren haben, könnte er zum Beispiel 85 Jahre alt und die 75jährige durchaus jemand zum Verlieben sein.

Vielen Dank erst einmal euch allen fürs Mitraten und Kommentieren. Eine Leserin ist auch auf die Lösung gekommen: *Tusch* –  Zoé!
Gäbe es zwischen den beiden eine Amour fou, hätte der Mann die Weiterleitung vermutlich noch in der Nacht deaktiviert, spätestens aber beim Frühstück. Noch besser vor dem Frühstück, gleich nach dem Aufstehen.
Das tat er aber nicht.
Er ließ die Weiterleitung drei Tage lang laufen, bis die Ehefrau – nunmehr gelangweilt – sich über die Flut nichtssagender E-Mails aus seinem Postfach beklagte.

Hinweis: An dieser Stelle möchte ich aufgrund des einen oder anderen (auch privaten) Kommentars auf etwas hinweisen, das nicht überall bekannt zu sein scheint:

Man hört im höheren Alter nicht auf, Frau oder Mann zu sein.
Auch mit 75 Jahren kann jemand interessant und attraktiv für das andere Geschlecht sein!
Es kommt auf die persönliche Ausstrahlung und passende Altersgruppe an, und selbst das ist keine Bedingung.

Das weiß ich sicher durch Beispiele in meiner Umgebung, und ich meine nicht Dinner for One!
Oder seht ihr das anders?

❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️

💋❤️❤️❤️💋

Ein Mann schließt im Internet einen Vertrag ab. Damit nichts übersehen wird, richtet er eine automatische Weiterleitung ein: Seine Frau erhält alle E-Mails des Anbieters, sodass auch sie ein Auge darauf werfen kann.
Am Abend – der Mann war schon zu Bett gegangen – merkt die Frau, dass etwas nicht stimmt. Es werden nicht nur die relevanten, sondern auch alle anderen E-Mails an sie weitergeleitet.
Noch später am Abend – sie will gerade das Laptop ausschalten – erscheint die E-Mail einer Frau im Postfach: Sie freue sich auf das Treffen mit ihm und wünsche eine gute Nacht. Garniert mit zahlreichen Herzchen und Kussmündchen.
Sie geht zu Bett, lindnert ein paar Minuten lang (lieber gar nicht mit ihm weitermachen als falsch weitermachen?) und weckt ihn dann auf.
„Wer ist Herta Unterbusch?“
Er grunzt verschlafen und murmelt „Eine aus dem Volkshochschulkurs.“
Seine Frau berichtet nun kurzatmig von der missglückten Weiterleitung und was für einen Gute-Nacht-Gruß er erhalten habe.
Es scheint ihn nicht zu interessieren. Die Dame habe gerade E-Mails und Smilies entdeckt, sie schicke ständig solches Zeug herum. Nett sei sie, bisschen schräg, 75 Jahre alt. Zu dem Treffen kommen noch vier weitere Personen. „Schlaf jetzt.“
Die Frau kommt nur schwer zur Ruhe in dieser Nacht.

 

Bis zum Abend des nächsten Tages jedoch sind alle Zweifel ausgeräumt. Und das, obwohl die Ehefrau keinerlei Kontakt zur Kussmund-Dame gehabt hatte.

Was denkt ihr, was sie überzeugt hat?

❤️❤️❤️

Inspirationen

Wer dachte, ein Fahrrad ist die umweltfreundlichste Art der Fortbewegung, der irrt.
Ein Bambus-Fahrrad ist noch umweltfreundlicher!

Und wo steht es? In Basel, vor einer Beratungsstelle „Stopp Rassismus“.

Ich nehme es als kleine Inspiration, was ich auch im neuen Jahr im Blick behalten will:
eine bessere Umwelt und eine freundlichere Welt.

Habt ihr noch mehr Ideen für 2019?

Die Welt ist schön

Neulich beim Adventskonzert: Nach ein paar Stücken des Orchesters löst sich ein zierliches Mädchen aus dem Hintergrund und geht nach vorne, eine Harfe wird herbeigebracht. Sie setzt sich an das Instrument, streicht sich über den dichten Pferdeschwanz, holt tief Luft und beginnt, mit den Händen die Saiten auf- und abzugleiten. Weiche Klänge ertönen, „Greensleeves“.

Ich betrachte das Gesicht des Mädchens. Es scheint so zart, so rein, so unschuldig wie eine Elfe, die sich in ein Kirchenschiff verirrt hat. Sicher ist sie eine gute Schülerin, hat Freundinnen und auf jeden Fall Eltern, die ihr eine Harfe und Musikstunden ermöglichen.

Nach drei Liedern steht sie auf, senkt schüchtern den Kopf, die Leute applaudieren. Der Vater trägt die Harfe weg, das Mädchen setzt sich wieder, eng zwischen die Eltern. Das Konzert geht weiter.

Ich kann den Blick nicht von ihr lassen. Ist es das, wonach wir uns an Weihnachten sehnen? Behütet zu sein, geliebt, gefördert und in Sicherheit? Ist der ganze Rummel deshalb nicht aus der Welt zu schaffen, weil Weihnachten der Traum von einer schönen, heilen Welt ist, die wir vielleicht als Kind vor dem Christbaum erlebt haben? Oder gerne erlebt hätten? Ist es einfach der Wunsch nach: Alles ist gut?

Wie auch immer. Ich wünsche euch allen ein frohes Fest mit lieben Menschen,
oder ein friedliches mit euch selbst.

Schöne Weihnachten!

 

 

Raumstrukturen

Heute beim Waldlauf: Ein gutes Stück vor mir spazieren zwei Frauen, die in derselben Richtung unterwegs sind wie ich. Ich überlege, auf welcher Seite sie am besten zu überholen sind und entscheide mich für Links. Beim Näherkommen zieht die Frau auf dieser Seite allerdings noch weiter zum Wegrand, ich schwenke also nach rechts. Auch dort scheint kein Durchkommen, die andere Dame nimmt geschickt die komplette Weghälfte für sich ein. Zwischen den beiden hindurchzustürmen, fände ich unhöflich. Apropos unhöflich – wieso machen die Frauen sich so breit?

„Ich wette, sie sind nicht von hier“, kommt es mir in den Sinn. Da sich die beiden angeregt und gestikulierend unterhalten, werde ich das gleich nachprüfen können. Ich schnaufe nun von hinten an sie heran, bereit durch Gebüsch zu rennen, und vor mir spricht man vernehmlich in höchstem Hochdeutsch. Recht gehabt, keine Süddeutschen. Nun werde ich offenbar gehört, denn die Frauen drehen sich um und schreiten sofort zur Seite, um mich vorbeizulassen.

Wie kam ich darauf, dass sie keine Einheimischen sind? Weil sich Fußgänger bei uns normalerweise auf einer Seite halten und ich kaum je überlegen muss, wie an ihnen vorbeizukommen ist. Nicht dass es wichtig wäre. Aber nehmen Leute in unterschiedlichen Landesteilen unterschiedlich viel Raum ein? Auf jeden Fall gibt es Menschen mit unterschiedlichem Platzbedarf.

Wie geht es denn auf euren Spazierwegen, in Bahn, Bus oder sonstwo zu?