Archiv der Kategorie: Tagesgedanken

Die Friedenslinde

Etwas entfernt sehen wir die Zundelbacher Linde. Sie wurde 1871 gepflanzt, als die Menschen sich zum Ende des deutsch-französischen Krieges nach Frieden sehnten.

Einen besseren Grund für das Setzen eines Baumes gibt es gar nicht.

Die fast 150 Jahre alte Linde überragt eine idyllische Wiesen- und Waldlandschaft zwischen Weingarten und Unterankenreute.

„Der Friede ist kein Naturprodukt; er wächst aus menschlichem Handeln“ (Gustav Heinemann). Ich hoffe, Trump und Kim Jong Um hören bald auf zu pokern, und alle andern Länder auch.

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Fragen des Tages

Neulich in der Mittagspause: Ich gehe durch eine Grünanlage zur nahegelegenen Bäckerei. Es ist heiß, ich ziehe meine Bluse etwas vom Körper weg und fächle meinem Bauch Luft zu.

Weiter entfernt sehe ich zwei Teenager, die in der prallen Sonne auf einer Parkbank sitzen. Das Mädchen trägt lange Leggings, darüber eine Tunika bis an die Waden und ein buntes Tuch um den Kopf, das nur ihr Gesicht frei lässt. Der Junge neben ihr in T-Shirt und Shorts streicht sich die verschwitzten schwarzen Haare aus der Stirn.

Mein erster Gedanke ist: Dürfen die das? Ich meine, ein muslimisches Pärchen auf einer Parkbank ohne Begleitpersonal? Es handelt sich also entweder um ein sehr junges Ehepaar oder um Geschwister.

Dann frage ich mich, wie Frauen in islamischen Ländern es aushalten, in heißen Ländern so gekleidet zu sein.

Und drittens: Warum gehen sie nicht in den Schatten?

Es ist eben eine ganz andere Kultur, denke ich mir, sie kennen es nicht anders – bis ich näher an die beiden herankomme. Der Junge hat sich mit den Ellbogen auf die Knie aufgestützt, während sie energisch auf ihn einredet. Sie spricht akzentfrei Deutsch.

Verdattert gehe ich an ihnen vorbei. Wenn die beiden jetzt aufstehen und an den Bratwurststand gegenüber beim Supermarkt gehen und das Mädchen dann anfängt, mit den herumstehenden Jungs herumzualbern, dann fange ich mit meiner Einschätzung von Muslimen nochmal von vorne an. Aber sie bleiben sitzen, und ich wende mich einfacheren Fragen des Lebens zu: Nehme ich einen Joghurt mit frischen Pfirsichstücken oder einfach nur ein Eis?

 

Wieder online

Hier bin ich wieder! Nach elf Tagen hat Unitymedia es geschafft, uns wieder ans Internet anzuschließen, wir sind wieder online. Seit vorgestern. Allerdings habe ich mich nun ans Leben im Off gewöhnt. Es zieht mich nicht recht zurück ins bunte Netz.

Was passiert, wenn man auf unbestimmte Dauer den Stecker gezogen kriegt?

Ich habe

  • mehrere Bücher gelesen: zum Glück hatte ich vorher noch genug auf den eReader gepackt
  • manche Fragen offen lassen müssen: zwei Kaffka-Erzählungen gelesen und nicht verstanden, das Buch also geschlossen und etwas anderes gelesen
  • Fenster geputzt: jeden Tag eins
  • Nickerchen gemacht: warum nicht, an den Wochenenden?
  • mich gut unterhalten: im Radio eine Sendung des mir zuvor unbekannten Kabarettisten Matthias Brodowy gehört. Der ist gut!
  • Balkonblumen beim Blühen zugeschaut: manchmal saß ich einfach da wie der Mann aus dem Loriot-Sketch
  • festgestellt: wenn man Nachrichten nur im Radio oder Fernsehen hört und nicht zu jedem Huster von Trump oder Erdogan ein eigener Beitrag aufspringt – dann ist es immer das Gleiche. Langweilig.

Bei allem Ärger über den schlechten Kundendienst und Übersetzungsaufträge, die ich ablehnen musste, habe ich auf der anderen Seite erstaunlich viel Zeit und Ruhe gehabt. Und keinen Druck durch „Das will ich noch lesen, was machen die Aktienkurse, eine E-Mail muss beantwortet werden, ein Beitrag sollte geschrieben, gelesen, kommentiert werden, ach das Wetter noch, und was gibts inzwischen Neues in der Welt?“ Was immer man tut am Bildschirm – es scheint das Falsche, etwas anderes wichtiger oder spannender zu sein. Bei mir ist es jedenfalls so.

Ohne Internet war es also entspannter, und solchermaßen entwöhnt will ich auch weiterhin wieder mehr in der realen Welt herumhängen als in der virtuellen. Schön ist es aber, wenn das eine freiwillige Entscheidung ist.

 

Vorübergehend geschlossen

Nach der Hitze in der letzten Woche ging am Freitagabend ein fettes Gewitter bei uns nieder. Einmal gab es direkt über uns einen fürchterlichen Knall, und seither ist das Internet kaputt. Mehrmals den Router neu zu starten half nicht, und mehr fiel uns nicht ein. Noch während ich in der Warteschleife des Kundenservice von Unity Media hing, war um Punkt 20h plötzlich die Leitung tot. Kein Kundenservice am Wochenende. Blogbeiträge auf meinem in die Jahre gekommenen Galaxy III Mini per Mobilfunk zu lesen, zu kommentieren oder gar zu erstellen ist schwierig bis unmöglich.

Es ist also momentan still hier. Ich hoffe, die Techniker erbarmen sich bald.

 

Lebenskonzept

Neulich bei Netto: Die stark blondierte Kassiererin zieht Waren über den Scanner, eine ältere Kundin räumt eins nach dem andern in den Einkaufskorb.
„5 mal Sahne!“ ruft die Kassiererin fröhlich. „Da hamse zugegriffen. Recht so, ist’n günstiges Angebot.“
„Ach wissetse,“ sagt die ältere Frau, „ich kauf immer so viel Sahne. Mein Kätzle schleckt halt nix anderes. Milch lässt se stehen.“
„Na, die wird aber verwöhnt!“ lacht die Kassiererin.
„Naja“, meint die Frau lapidar, „wenns mal aus ist mit mir, kann ich ja nix mitnehmen. Soll des Miezle doch seine Sahne haben, wem schadets schon, gell?“

*

Nach dieser Maxime lebte auch mein Stiefvater. Heute ist er im Alter von 89 Jahren friedlich eingeschlafen. Gott hab ihn selig.

Neulich in der Stadt

Aus einer Seitengasse beginnt es zu wummern, ich schau nach und vor einem größeren Publikum zeigen ein paar junge Männer, was sie beim Break Dance drauf haben. Ich bleibe fasziniert stehen, denn das hier geht über ein paar selbst einstudierte Figuren weit hinaus. Die Jungs liefern eine professionelle und mitreißende Show.

Ich mache Bilder und frage am Ende den Boss, ob ich die Fotos hier im Blog verwenden darf. „Kein Problem,“ sagt er, schaut mich an und fügt hinzu: „Ich glaub, wir kennen uns!“ Tatsächlich kommt mir sein Gesicht auch bekannt vor, ich weiß aber nicht woher. Er schon: Vor vielen Jahren war er der Schulfreund meines ältesten Sohnes. „Na klar“, rufe ich und schlage mir an die Stirn, „Navid!“

Wir reden ein bisschen, er lebt inzwischen in Berlin und ist ein über die Landesgrenzen hinaus erfolgreicher Street Dancer bei den Flying Steps geworden. Ist das nicht toll? Ein anderer ehemaliger Schulfreund desselben Sohnes ist ja der Rapper Kay One, auch der war als Teenager bei uns zu Hause. Da ist man schon ein bisschen stolz. 😉

Kostprobe der Crew?