Scribo, ergo sum

Vielleicht bin ich plemplem. Wegen dem Schreiben, meine ich. Es treibt mich nämlich die Furcht, dass Geschehnisse und Gedanken in meinem Dasein in der Suppe aus tausenderlei Wahrgenommenem versinkt wie ein Stück Brot in der Brühe. Dinge zu vergessen oder falsch zu erinnern ist für mich aber, als hätten sie nie stattgefunden, oder anders als gedacht, vielleicht nur im Traum und auf jeden Fall nicht mehr existent. Deshalb schreibe ich alles auf.

Seit ich elf Jahre alt bin, dokumentiere ich Ereignisse und Gedanken, als dürfe nichts verloren gehen. Es sind Splitter. Platzhalter. Kleine Geschichten. Sie werden zur Skizze meines Vorhandenseins und nebenbei Teil einer von mir geschaffenen Ordnung mit immer neu zu entdeckenden Facetten.

Nicht dass ich es später lesen würde. Wichtig ist nur, dass ich es könnte: mein Leben aufblättern wie ein Buch, und jedes einzelne Kapitel lieferte den Beweis, dass dieses geschah und jenes folgende Bewandtnis hatte. Knusprige Croutons, die oben schwimmen. Ob mein Drang zu schreiben noch als Hobby durchgeht oder schon ein Fall für den Psychologen ist, weiß ich nicht, ist auch egal. Ich schreibe. Also bin ich. Scribo, ergo sum.

31 Gedanken zu „Scribo, ergo sum

    1. runningtom

      Eigentlich herrscht ja Heute die Meinung, alles was im Internet mal drin ist, kann da kaum jemals wieder raus bekommen werden.

      Später… es wäre interessant, dereinst zu sehen, was von der heutigen, digitalen Welt noch übrig ist, wenn die letzten Tontafeln und Zeugen der Vergangenheit aus Sandstein vollends zerfallen sind.

      Gefällt mir

      Antwort
  1. Anhora Autor

    Das ist ein interessanter Gedanke. Was wird die Nachwelt wohl von uns finden, wenn die digitalen Fundstücke weniger haltbar sind als erwartet? Auf jeden Fall genug Plastiktüten und Kunststoffzeug, um bei Ausgrabungen auch in 500 Jahren noch genug von uns zu vermitteln!

    Gefällt 1 Person

    Antwort
  2. Sofasophia

    liebe anhora
    endlich habe ich mir mal zeit genommen, hier ein bisschen rumzuschauen. dieses artikelchen über deine schreiblust – hey, das könnte von mir sein.
    ich komme wieder hierher!
    bis bald, sofasophia

    Gefällt mir

    Antwort
  3. Anhora Autor

    Liebe Sofasophia,

    dankeschön für deinen Besuch hier! Hab mich bei dir auch schon umgesehn, mir gefallen deine Beiträge und irgendwie sehen wir uns – blogmäßig – ja auch ähnlich!

    Man liest sich. 🙂

    Gefällt mir

    Antwort
  4. ladidaladida

    Genau darüber habe ich mir gestern Gedanken gemacht:
    Was ist das, dass ich von Notitzbüchern umgeben bin, Tagbuch schreibe und nun auch angefangen habe zu Bloggen? Es ist die Angst zu vergessen.
    Ich habe paar Jahre meines Lebens vergessen, glücklicher Weise habe ich damals Tagebuch geführt; habe mich aber bis jetzt nicht getraut diese zu lesen.
    Natürlich ist dabei auch eine Portion Egomanie. Als (Geistes)wisssenschaftlerin weiß man, dass man auf Quellen angewiesen ist; wer weiß, vielleicht werden Menschen in fünfhundert Jahren u.a. dank der Blogger den Alttag von Leuten von heute rekonstruieren können?

    Gefällt 1 Person

    Antwort
    1. Anhora Autor

      Liebe ladidaladida,

      ich lese meine früheren Aufzeichnungen auch nie. Wichtig ist mir nur zu wissen, dass sie da sind. Warum das so ist, weiß ich nicht. Vielleicht verlockt der Gedanke, ein paar Spuren zu hinterlassen, bevor wir wieder abreisen. Vielleicht ist es etwas anderes.

      Herzliche Grüße
      Anhora

      Gefällt mir

      Antwort
    1. Anhora Autor

      Liebe Bbdüm, wie du redest, weiß ich ja nicht, aber das was du schreibst auf deinem Blog, ist erfrischend! 🙂

      Willkommen im Plemplem-Club, ich freu mich wenns dir hier gefällt.

      Gefällt mir

      Antwort
      1. felsenfein

        weißt Du ich habe das auch probiert, wieder anzufangen, über lange Zeiten. Hab mir auch extra ein Buch gekauft dafür aber komischerweise weiß ich nicht mehr so richtig wie und was ich schreiben soll. Ne Zeitlang habe ich dann aufgeschrieben was ich so geschafft hab am Tag (selbstwerttraining).

        Ein Tip dazu?
        Lieben Gruß, Ani

        Gefällt mir

        Antwort
        1. Anhora Autor

          Ich schreibe eigentlich immer nur Momentaufnahmen. Was ich gerade sehe, höre, tue. Manchmal bleibts dabei, manchmal tauchen Zusammenhänge, Erinnerungen, Gedanken zu diesen Momentaufnahmen auf, die ich dann auch aufschreibe. Es geht ja nicht um eine akribische Dokumentation, sondern um das, was in diesem Moment eben gerade wichtig war.
          Ich wünsch dir viel Spaß dabei!

          Gefällt 1 Person

          Antwort
  5. maxithinks

    Huch in diesen Sätzen hab ich mich ja gleich wiedergefunden. Die Sache mit dem ja-nichts-vergessen!
    Und glaube mir, ein Fall für den Psychologen ist das nicht! Das ist doch ein schönes Hobby!
    Für mich jedenfalls habe ich vor einigen Wochen die Entscheidung getroffen, nicht ALLES festzuhalten, da ich doch der Typ bin, der sich alles immer wieder durchliest, reflektiert, wiederholt, reflektiert und am Ende: verzweifelt und solche Dinge. Deshalb, quasi als Selbstschutz, halte ich nicht alles fest, vor allem nicht das Negative.
    Wollte dir das nur eben schreiben 🙂
    schöner Blog, ich werde hier mal lesen 😉
    Grüße
    maxithinks from http://www.maxithinks.wordpress.

    Gefällt 1 Person

    Antwort
    1. Anhora Autor

      Herzlichen Dank für deinen Kommentar! Ich freu mich, dass es „LeidensgenossInnen“ gibt. Unter dem Schreibzwang leide ich ja nicht, frage mich nur manchmal, ob es normal ist. Allerdings lese ich so gut wie nie später nochmal etwas durch. Mir ist es nur darum, dass es überhaupt aufgeschrieben ist. Keine Ahnung warum.
      Das Negative weglassen – ich frag mich, was das mit der eigenen Wahrnehmung macht. Kann eigentlich nur von Vorteil sein – danke für den Impuls! 🙂

      Gefällt 1 Person

      Antwort
  6. Heidrun Regina

    Durch Schreiben wird unser Inneres nach Außen sichtbar. Wir können es teilen, auch wenn wir es nicht in der Hand haben, wie es beim Anderen ankommt, was ausgelöst wird…
    Darin kann ich nichts „Behandlungsbedürftiges“ erkennen, eher ein Aufarbeiten, eine Bewusstwerdung und Wertschätzung des eigenen SO-SEINS.
    Liebe Grüße von Heidrun

    Gefällt 1 Person

    Antwort
    1. Anhora Autor

      Herzlichen Dank für deinen Kommentar, Heidrun. Das „SO-SEIN“ trifft es genau, und es ist, als müsste man sich immer wieder vergewissern und sich darauf verlassen können, dass es auch stimmt. Deshalb schreibt man’s auf. 🙂

      Gefällt 1 Person

      Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s