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Behandlungsprogramm

Neulich beim Hausarzt: Der Sohn ist in das ihm zugewiesene kleine Kabuff gehumpelt und eine ältere Helferin folgt ihm. Während sie den Verband von seinem Fuß löst, schildert sie wortreich die chirurgischen Eingriffe in ihrer eigenen Krankengeschichte.

Eine weitere Assistentin kommt hinzu, stellt Werkzeuge und Verbandsmaterial zusammen, prüft Unterlagen. Wir kennen sie aus der Zeit, als sie bei unserem Kinderarzt arbeitete. „Da warst du noch ein Knirps“, plaudert sie fröhlich. 25 Jahre ist das her.

Die Ärztin tritt ein. Sie betrachtet die Wunde, spricht über Nachbehandlung und Schmerzen, am Knochen tue es eben besonders weh.

Nun fordert das hübsche, blonde Mädchen von der Rezeption Einlass in das Zimmerchen. Sie wird von den bereits anwesenden Damen sofort wieder verscheucht, wohl wegen Überfüllung.

Die beiden Helferinnen haben sich derweil rechts und links vom Sohn positioniert und halten seine Hand, seinen Fuß, beruhigen ihn, denn … es ziept ein bisschen. Die Ärztin hält wieder und wieder die Pinzette mit einem Fädchen hoch, als wäre es ihre persönliche Bestleistung.

Der Sohn ist still geworden. Das geschieht nicht oft und ich mache mir Sorgen, doch wahrscheinlich ist es selbst ihm zu viel Bemutterung. Die Einzige, die ihn eventuell hätte interessieren können, wurde ja nicht hereingelassen.

Alle drei Frauen verrichten also ihre Arbeit, plappern durcheinander und trösten den jungen Mann, als würde man ihm das Bein abnehmen. Auch ich bin nicht besser und werfe ständig Blicke durch den Türspalt, ob auch alles richtig gemacht wird da drinnen.

Es liegt am Sohn. Er zieht das an. Es war schon immer so.

Fuss-OP

Schlafsofa

Ich lehne in der Ecke der Ledercouch im Eingangsbereich, Leute gehen aus und ein. Ich schlage mein Buch auf, die Physiotherapie und Lympfhdrainage dauert etwa eine Stunde. Zu Hause liegt eine weitere Tüte mit Stahl- und Titanzeug drin, das befand sich vor kurzem noch im Bein meines Sohnes. Nach der letzten Operation ist sein Körper wieder metallfrei, und seither komme ich viel zum Lesen: Physiotherapie, Ergotherapie, Hausarzt, Orthopäde, ich kenne alle Wartezimmer. Der Junge kann noch nicht Auto fahren mit den frischen Wunden und starken Schmerzmitteln.

Während also sein Kniegelenk mobilisiert wird, komme ich nicht recht voran mit meinem Buch. Das freundliche Geplauder der Empfangsdame am Telefon oder die Geräusche aus dem Fitnessraum stören mich nicht. Aber das Radiogedudel im Hintergrund. Flaches Geschwätz, einfallslose Musik, ich versuche mich zu konzentrieren, aber – wie häufiger – die Sätze fangen an zu tanzen. Sie kippen nach hinten weg, ich ruckle auf dem Polster herum, kratze meinen Arm, richte mich auf, trotzdem fallen mir die Augen immer wieder zu. Ich habe Angst, dass es jemand bemerkt und vor allem, dass ich in der Tat einschlafe, zusammensacke womöglich oder schnarche, wie Mr. Bean in der Kirche. Meine Güte, sind das Herausforderungen …