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Das wird mal eine Umarmung!

20210407 Impfung neuDie Älteren unter uns erinnern sich vielleicht an die Aufregung zur Anschnallpflicht im Auto, etwa 40 Jahre ist das her. Was wurde da gezetert und debattiert, ob der Sicherheitsgurt nun Lebensretter oder Fessel war! Von unrechtmäßiger Zwangsverordnung war die Rede, medizinische, juristische und politische Überlegungen wurden angestellt und heute? Kein Mensch denkt mehr darüber nach, man schnallt sich einfach an.

Daran denke ich manchmal, wenn ich die Einwände gegen das Impfen und die Beschränkungen höre. Freilich gab es schon immer Pandemien, und alle verschwanden wieder. Das lag aber vor allem daran, dass die Infizierten gestorben sind. Ich möchte jedenfalls nicht riskieren, mit schuld zu sein, wenn Intensivstationen keinen Platz mehr haben für Schlaganfälle, Herzinfarkte, Autounfälle und planbare Operationen. Ich möchte wieder Menschen umarmen, ausgehen, Konzerte und Partys besuchen.

Den ersten Schritt dazu habe ich heute getan. Heureka!

 

Beschränkung

Kannst Du das Schönste nicht erringen,
so mag das Gute Dir gelingen.
Ist nicht der große Garten Dein,
wird doch ein Blümchen für Dich sein.

Nach Großem drängts Dich in der Seele?
Dass sie im Kleinen nur nicht fehle!
Tu heute recht – so ziemt es Dir;
der Tag kommt, der Dich lohnt dafür !

So geht es Tag für Tag; doch eben
aus Tagen, Freund, besteht das Leben.
Gar viele sind, die das vergessen;
man muss es nicht nach Jahren messen.

Eduard von Bauernfeld

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein neues Jahr, in dem wir trotz verhüllter Gesichter, Abstandsmessungen und exzessivem Händewaschen, trotz aller Einschränkungen und Ängste an jedem einzelnen Tag das Schöne entdecken.

Machen wir ein gutes Jahr daraus.

Eure Anhora

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Bild: Wegweiser zum „Dorf über den Engelelochweg, Benutzung auf eigene Gefahr“ bei Ravensburg, (c) Anhora

Bevor das alte Jahr endgültig ausrangiert ist …

… möchte ich euch allen einen guten Rutsch wünschen.

Insbesondere wünsche ich allen, die wie ich am Silvesterabend allein sind, dass sie sich selbst genug sein können. Es ist für viele eine ungute Zeit, aber nichts bleibt, wie es ist.

Macht es euch schön, ihr seid es wert!

Alles Gute,
passt auf euch auf,
bleibt gesund.

Eure Anhora

Komische neue Welt

Zurück bei der Arbeit (stundenweise vorerst) merke ich erst, wie mir die Kolleginnen und Kollegen gefehlt haben. Neun Wochen sind lang. Wir stehen da mit maskierten Gesichtern und freudigen Augen, dürfen uns aber nicht in die Arme fallen. Ich seufze.

Dann fahre ich den Computer hoch und wurstle mich durch all das Liegengebliebene. Mein Büro ist klein und das Fenster geschlossen, weil es sonst zieht. Ein Dozent kommt herein, schließt die Tür, lässt sich auf dem Besucherstuhl nieder. Ich setze meine Maske auf, er nimmt seine ab. „Lass nur, wir sind ja unter uns,“ sagt er. Als täte er mir einen Gefallen, wenn er nicht auf die Maskenpflicht besteht.

Ich stelle immer wieder fest, dass die Unangepassten wegen der Einschränkungen mehr Gewese machen. Dieser Dozent ist auch so einer mit Ecken und Kanten, an sich ist das in Ordnung aber ich bitte ihn trotzdem, seine Maske wieder aufzusetzen. Er schaut mich mit großen Augen an.

Warum muss ich erst darauf hinweisen, dass ich Asthma habe und mein Lebenspartner im höheren Alter ist? Warum fühlt es sich an, als habe ich gerade etwas ganz Schräges verlangt?

Ungern setzt er die Maske wieder auf und geht bald wieder. Auch recht.